Sie sind hier:

Zahlreiche Festnahmen - Türkei: Haftbefehle gegen Journalisten

Datum:

In der Türkei stehen Journalisten weiter im Visier der Behörden. Die Justiz erließ dutzende Haftbefehle, die Polizei nahm mehrere Medienvertreter fest. Sie werden beschuldigt, Gülen-Anhänger zu sein. Ein Indiz dafür soll die Nutzung eines Messenger-Dienstes sein.

Deniz Yücel, der "Welt"-Journalist sitzt aktuell in Untersuchungshaft in der Türkei. Diese kann bis zu fünf Jahre dauern. Deutsche Politiker aller Parteien zeigen sich empört.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Trotz internationaler Kritik an der Verfolgung kritischer Journalisten in der Türkei hat die Justiz Haftbefehle gegen 35 weitere Journalisten erlassen, die der Mitgliedschaft in der verbotenen Gülen-Bewegung verdächtigt werden. Zehn von ihnen befänden sich bereits in Polizeigewahrsam, meldete der Sender CNN Türk am Donnerstag. Unter ihnen ist auch der Redakteur der regierungskritischen Zeitung "Birgün", Burak Ekici, wie dieser auf Twitter mitteilte.

Vorwurf: Verbindungen zur Gülen-Bewegung

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu werden den Verdächtigen wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen. Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich.

Konkret werden die Festgenommenen nach Angaben von Anadolu beschuldigt, den Messenger-Dienst ByLock benutzt zu haben. Über diesen Dienst sollen Gülen-Anhänger unter anderem zur Vorbereitung des Putschversuchs kommuniziert haben. Die Gülen-Bewegung gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Deutscher Journalistenverband nennt Festnahmen absurd

Die Festnahmen stießen auf scharfe Kritik. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, nannte die Nutzung einer Messenger-App als Haftgrund absurd und forderte die sofortige Freilassung der Journalisten. "Letzte Reste von Rechtsstaatlichkeit in der Türkei sind der Paranoia von (Staatspräsident) Erdogan und seinem Gefolge gewichen", sagte er.

Unter dem nach dem Putschversuch von Staatschef Recep Tayyip Erdogan verhängten Ausnahmezustand gehen die türkischen Behörden rigoros gegen angebliche Gülen-Anhänger vor. Zehntausende wurden verhaftet, zahlreiche Medien geschlossen und mehr als 100.000 Staatsbedienstete per Notstandsdekret entlassen oder suspendiert.

Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation P24 sind in der Türkei zurzeit mehr als 160 Journalisten im Gefängnis. Auch der deutsch-türkische "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel und die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu Corlu sitzen in der Türkei wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.