Sie sind hier:

Mesale Tolu wieder in Deutschland - "Freue mich nicht wirklich über die Ausreise"

Datum:

Die Journalstin Mesale Tolu ist wieder in Deutschland. Nach U-Haft und Zwangsaufenthalt konnte sie die Türkei verlassen. Doch ihre Freude über die Rückkehr ist getrübt.

Die in der Türkei monatelang festgesetzte deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu ist am Sonntag nach Deutschland zurückgekehrt. Die Türkei hatte Tolu wegen Terrorvorwürfen rund 16 Monate lang festgehalten.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Nach Aufhebung ihrer Ausreisesperre in der Türkei ist die Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu heute nach Deutschland zurückgekehrt. Sie landete am Sonntagnachmittag mit ihrem kleinen Sohn auf dem Stuttgarter Flughafen. Über die Rückkehr könne sie sich aber nicht wirklich freuen, sagte Tolu nach ihrer Ankunft. "Weil ich weiß, dass sich in dem Land, in dem ich eingesperrt war, nichts verändert hat." Sie sei zwar wieder hier, aber hunderte Journalisten, Oppositionelle, Anwälte und Studenten seien immer noch in der Türkei inhaftiert. Tolu kündigte an, sich weiter für diese Menschen einsetzen zu wollen.

Prozess gegen Tolu wird fortgeführt

Die Journalistin, die für die linke Nachrichtenagentur Etha arbeitete, hatte in der Türkei mehr als sieben Monate lang wegen Terrorvorwürfen im Gefängnis gesessen - die Türkei wirft ihr Unterstützung der verbotenen linksextremen Gruppe MLKP vor. Nach ihrer Freilassung im Dezember durfte sie zunächst nicht ausreisen. Tolus Prozess in der Türkei wird ungeachtet ihrer Ausreise fortgeführt. Auch ihr Ehemann Suat Corlu ist angeklagt. Seine Ausreisesperre ist nicht aufgehoben, er muss in der Türkei bleiben.

Kurz vor dem Abflug in der Türkei hatte sie getwittert:

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Mit versteinerter Miene und fester Stimme berichtete Tolu nach ihrer Landung von einer monatelangen Tortur in der Türkei. Wie türkische Polizisten in einer Nacht im April 2017 ihre Wohnung schwer bewaffnet gestürmt hätten. Wie sie gewaltsam zu Boden gedrückt, bedroht und beschimpft worden sei. Wie eine Waffe auf ihren kleinen Sohn gerichtet worden sei. Wie ihr in der anschließenden Untersuchungshaft der Zugang zu konsularischer Betreuung verwehrt worden sei.

Tolu nannte die Ereignisse eine "Kette der Ungerechtigkeit". Die Terrorvorwürfe hätten sich die türkischen Behörden aus den Fingern gesogen. Ihr Sohn, der fast vier Jahre alt ist, hatte wochenlang gemeinsam mit ihr im Frauengefängnis im Istanbuler Stadtviertel Bakirköy gelebt.

Tolus Mann weiterhin in der Türkei

Nach ihrer Ankunft sollen Tolu und der Junge nun erst einmal beim Vater der jungen Frau in Ulm wohnen. Tolu sagte, es sei für sie ungewohnt, nach insgesamt 17 Monaten wieder in Deutschland zu sein. Sie wolle nun erstmal Familie und Freunde treffen und alles verarbeiten. Ihr kleiner Sohn müsse in den Kindergarten. Er habe die deutsche Sprache verlernt und müsse von vorne anfangen. Sie hoffe, dass ihre Familie bald wieder vereint sei, sagte sie mit Blick auf die weiterhin bestehende Ausreisesperre für ihren Mann.

Mesale Tolu will trotz langer Gefangenschaft für ihren Prozess wieder in die Türkei reisen. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 16. Oktober angesetzt. Sie wolle teilnehmen, weil sie ihre Unschuld beweisen wolle und der Meinung sei, dass sie im Recht ist. Sie gehe nicht davon aus, nochmals inhaftiert zu werden. "Natürlich ist es eine willkürliche Herrschaft, die regiert, die wieder alles machen kann. Aber ich denke, ich bin einfach erstmal ein bisschen mutig", sagte Tolu. Sie werde sich aber nicht blind einer Gefahr aussetzen, weil sie einen kleinen Sohn habe, an den sie denken müsse.

Der Fall Tolu hatte, zusammen mit dem des "Welt"-Reporters Deniz Yücel und des Menschenrechtlers Peter Steudtner, die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland schwer belastet. Nach offiziellen Angaben sitzen noch mindestens sieben deutsche Staatsbürger "aus politischen Gründen" in türkischen Gefängnissen. Am 28. September wird der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren empfangen. Er bleibt bis zum 29. September und wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen.

Türkei will sich wieder an EU annähern

Dass Tolu nun das Land verlassen durfte, geht wohl auf eine leichte Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen zurück - aber besonders auf das Bedürfnis der Türkei, sich wieder an Europa anzunähern angesichts des schweren Streits mit den USA, der die Währungskrise im Land verschärft hat. Von diplomatischen Abmachungen zu ihrer Freilassung wisse sie aber nichts, sagte Tolu.

Tolu appellierte an die Bundesregierung, weiter auf Menschenrechtsverletzungen in der Türkei hinzuweisen - nicht nur was die sieben deutschen Staatsbürger betreffe, sondern alle Menschen, die zu Unrecht in der Türkei inhaftiert worden seien.

Überblick: Deutsche Gefangene in der Türkei

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.