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Jugendliche Flüchtlinge - Nur weg von Elend und Gewalt - Europa nicht als Ziel

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Ursprünglich wollten sie gar nicht unbedingt nach Europa, sondern nur weg von Gewalt und Elend - jugendliche Flüchtlinge aus Afrika. Ihren Eltern erzählen einer neuen UNICEF-Studie zufolge viele Jugendliche nichts von ihren Fluchtplänen.

Noch war das Thema Flüchtlinge nicht auf der Wahlkampf-Agenda. Heute nun ergreift SPD-Kanzlerkandidat Schulz das Wort. Es müsse gehandelt werden, für die Linke kommt diese Forderung vier Jahre zu spät. Steinmeier sieht die Integration als "Riesenaufgabe".

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"Auslöser der Flucht ist primär nicht der Wunsch, nach Europa zu gelangen, sondern vielmehr die schreckliche Lebenssituation daheim", sagte Sarah Crowe, Sprecherin des UN-Kinderhilfswerks UNICEF am Dienstag in Genf.

Im Auftrag von UNICEF hat die Initiative "Reach" insgesamt 850 Flüchtlinge zwischen 15 und 17 Jahren in Griechenland und Italien befragt. Während in Italien vor allem alleinreisende männliche Jugendliche aus Westafrika und vom Horn von Afrika ankämen, seien es in Griechenland vor allem Jungen und Mädchen, die mit ihren Familien aus Syrien, dem Irak und Afghanistan geflüchtet sind. Von Januar bis Juni seien in Italien 12.000 Minderjährige angekommen, 93 Prozent davon ohne Eltern.

Durch desolate Lage in Libyen Flucht nach Europa

Dreiviertel der in Italien befragten Jugendlichen sagten nach diesen Angaben, sie hätten die Fluchtentscheidung allein getroffen. Neben der schwierigen politischen Lage gaben sie als Grund häusliche Gewalt, Zwangsehe oder mangelnde Bildungschancen an. Viele seien oft zwei Jahre unterwegs gewesen und unter schwersten Bedingungen nach Libyen gekommen, sagte Crowe. Fast die Hälfte sei in Libyen entführt, festgehalten oder erpresst worden. Erst die desolate Lage dort habe sie zur lebensgefährlichen Flucht nach Europa getrieben. "Wenn der Löwe hinter dir steht und das Meer vor dir liegt, gehst du aufs Meer", zitierte Crowe einen Jungen aus Gambia.

Unter den Jugendlichen in Italien, die von Anfang an nach Europa wollten, gaben 48 Prozent als Grund die Hoffnung auf Arbeit an. 38 Prozent erhofften sich Zugang zu Bildung und 18 Prozent Respekt für Menschenrechte. Dagegen suchten die Jugendlichen, die in afrikanische Nachbarländer fliehen wollten, zu 44 Prozent eine Arbeitsstelle und nur zu fünf Prozent bessere Bildungschancen. In Griechenland habe ein Drittel der Eltern oder Erziehungsberechtigten angegeben, dass der Hauptgrund für die Flucht Bildung für ihre Kinder war, erklärte UNICEF.

Erwartungen würden in Europa oft enttäuscht

Die UNICEF-Expertin Afshan Khan sagte, die Studie zeige, dass es deutlich mehr Push-Faktoren gebe, die Jugendliche aus ihrer Heimat vertreiben, als Pull-Faktoren, die sie nach Europa locken. "Diejenigen, die Europa zum Ziel hatten, wurden von der Aussicht auf weiterführende Bildung, Respekt für ihre Rechte und den Wunsch, im Leben weiterzukommen, angetrieben."

In Europa würden ihre Erwartungen aber oft enttäuscht, ergänzte Khan: Grund dafür seien die langen Asylverfahren in Italien und Griechenland. Viele Jugendliche versuchten deswegen, ihre Ziele auf illegalem Weg zu erreichen. Sie drohten dadurch, aus dem Asylsystem zu fallen und zum Opfer von Missbrauch und Ausbeutung zu werden, warnen die Studienautoren.

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