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Italienischer Nachtclub - Sechs Tote nach "verheerender" Massenpanik

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Was ein musikalischer Start ins Wochenende werden sollte, endet in einer Massenpanik. Sechs Menschen sterben in Corinaldo. Nun steht die Sicherheit des Clubs im Fokus.

Bei einer Massenpanik in einer Diskothek in Italien sind fünf Jugendliche ums Leben gekommen. Unter den insgesamt sechs Todesopfern sei auch eine Mutter, bestätigte Feuerwehrsprecher Luca Cari am Samstag.

Das Unglück ereignete sich mitten in der Nacht in der Gemeinde Corinaldo, unweit der Hafenstadt Ancona an der Adria. Dort sollte der vor allem unter jungen Leuten beliebte italienische Rapper Sfera Ebbasta auftreten. Doch dazu kam es gar nicht erst.

Unbekannter soll Reizgas im Club gesprüht haben

Mit 15 Jahren darf man so nicht sterben.
Innenminister Matteo Salvini

Mitten in dem Gedränge versprühte ersten Erkenntnissen zufolge jemand Reizgas und versetzte die Besucher in Panik. Um die 1.000 Menschen sollen sich in der "Lanterna Azzurra", der blauen Laterne, befunden haben. "Wir haben all diese Leute gesehen, die auf den Notausgang zusteuerten, aber am Anfang haben wir nicht verstanden, warum", sagte eine Augenzeugin dem Fernsehsender Rai. "Nach einer Weile haben wir auch angefangen zu husten." Ein anderer Jugendlicher sagt, er habe gesehen, wie sich die Menschen übereinanderstapelten und um Hilfe schrien. "Es war verheerend."

Drei Mädchen und zwei Jungen sowie eine Frau verloren ihr Leben. Carabinieri-Oberst Cristian Carrozza sagte, die getöteten Jugendlichen seien zwischen 14 und 16 Jahre gewesen, die Frau 39. Sie wurden in der Nähe einer niedrigen Wand in der Disco gefunden, wie Feuerwehrkommandeur Dino Poggiali sagte.

Di Maio: "Es ist absurd, so zu sterben"

Dutzende Menschen wurden bei der Massenpanik verletzt, von 50 bis 120 war am Samstag die Rede. Rettungskräfte versorgten die Verletzten auf offener Straße. Um die zehn Besucher wurden schwer verletzt. Der Zustand einiger sei "sehr kritisch", schrieb Regierungschef Giuseppe Conte auf Facebook und kündigte an, an den Unglücksort zu fahren. Sanitäter berichteten, viele der Verletzten hätten in dem Gedrängel teils schwere Quetschungen, aber auch Knochenbrüche erlitten.

Auf einem von italienischen Medien veröffentlichten Video soll der Moment zu sehen sein, in dem die Menschenmasse in Richtung eines Ausgangs drängt. Der Weg ist wie ein Flaschenhals, in dem es kein Vor und Zurück zu geben scheint. Dann gibt die Balustrade auf der einen Seite plötzlich nach. Dutzende Menschen stürzen. "Es ist absurd, so zu sterben", erklärte Vize-Premierminister Luigi Di Maio.

Papst Franziskus ruft zum Gebet auf

Ein Notausgang soll Aussagen von Augenzeugen zufolge versperrt gewesen sein. Innenminister Matteo Salvini bestätigte diese Angaben im Fernsehen nicht. Ihm zufolge war der Club aber offenbar überfüllt. "Mit 15 Jahren darf man so nicht sterben", erklärte Salvini. Es sei seine Pflicht, "die Verantwortlichen für die sechs entrissenen Leben zu finden, diejenigen, die aus Boshaftigkeit, Dummheit oder Habgier einen Party-Abend in eine Tragödie verwandelt haben". Staatspräsident Sergio Mattarella teilte mit, was passiert sei, lasse einen wie "versteinert" zurück.

Auch Papst Franziskus meldete sich zu Wort. Bei seinem Mittagsgebet zum Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens rief er am Samstag auf dem Petersplatz zum Gebet für die Toten und Verletzen auf. "Ich erbitte für alle die Fürsprache der Muttergottes", so das Kirchenoberhaupt. Bereits zuvor hatte der Erzbischof von Ancona-Osimo, Angelo Spina, zu Gebeten für die Opfer aufgerufen.

Kein Statement des Club-Betreibers

Es sei schwierig, Worte für den Schmerz zu finden, schrieb Sfera Ebbasta auf Instagram, der im Club hätte auftreten sollen. Er forderte seine Fans auf, darüber nachzudenken, wie "gefährlich und dumm es ist, Pfefferspray in einer Diskothek zu benutzen".

Vom Club selbst gab es zunächst kein Statement. Lediglich das Cover der "Lanterna Azzurra" bei Facebook wurde verändert: Bis in die frühen Morgenstunden zeigte es das Foto des exzentrischen Rappers auf pinkem Hintergrund. Nach dem Unglück war es schwarz. Bereits am frühen Morgen wurden die Ermittlungen aufgenommen und Zeugen gehört, unter anderem zahlreiche Security-Männer.

Erinnerungen an Massenpanik von 2017

In Italien erinnerten die Ereignisse der Nacht viele an die Massenpanik im Juni 2017, die beim Public Viewing des Champions-League-Finals ausbrach. Damals wurde Reizgas gesprüht, 1.500 Menschen wurden verletzt. Verantwortlich dafür soll eine Diebesbande gewesen sein, die Fans ausrauben wollte.

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