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"Leute, so geht's nicht weiter!"

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Junge Beobachter auf Klimagipfel - "Leute, so geht's nicht weiter!"

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Auf der Weltklimakonferenz in Madrid sind mehr junge Menschen vertreten als zuletzt. Und sie wollen viel mehr als nur demonstrieren. Sie reden mit - und wollen so etwas verändern.

Die Klimaaktivistin Isabel Rutkowski bei einer Aktion in Madrid.
Die Klimaaktivistin Isabel Rutkowski bei einer Aktion in Madrid.
Quelle: Mark Hugo

Isabel Rutkowski steht in einem Pulk mit anderen jungen Aktivisten, sie alle halten Schilder hoch. Auf der Tafel der 20-Jährigen Rutkowski steht "Suizide", also "Selbstmord. Auf den Schildern ihrer Mitstreiter: "Trockenheit", "Unterernährung" oder "Lungenkrankheiten". Dann plötzlich fallen die jungen Aktivisten um und bleiben minutenlang auf dem Boden des Konferenzgeländes in Madrid liegen. Stiller Protest und ein Hinweis auf die tödlichen Folgen des Klimawandels.

Reden über Ambitionen und Regeln

Isabel Rutkowski bei der COP in Madrid
Isabel Rutkowski bei der COP in Madrid.
Quelle: Mark Hugo

"Ich sehe einfach, wie die Erde leidet", sagt Rutkowski. "Unsere Umwelt wird zerstört und wir müssen dagegen vorgehen." Die 20-Jährige aus dem Raum Offenburg ist als Beobachterin auf der COP, wie die Weltklimakonferenz im Fachjargon genannt wird. Das heißt: Sie protestiert nicht nur, sie ist in vielen Verhandlungsräumen mit dabei, wenn die Vertreter von fast 200 Ländern über Ambitionen reden, über Regeln zum Emissionshandel, über Hilfen für Entwicklungsländer, die von Stürmen oder Fluten getroffen werden.

"Natürlich dürfen wir selbst nicht reden", sagt sie mit leichtem Bedauern. "Wir haben aber zum Beispiel die Möglichkeit, am deutschen Pavillon mit den Delegierten zu sprechen. Und diese Chancen nutzen wir." Events, Verhandlungen und viele Gespräche. Immer wieder trifft sich Rutkowski mit jungen Leuten aus anderen Ländern, tauscht sich aus, formuliert Vorschläge und Forderungen, die an die Verhandlungsteilnehmer weitergeben werden. Bei Meetings, die auch gerne mal auf dem Boden in der Ecke einer der Madrider Messehallen stattfinden, geht es um Klimafinanzierung, Gesundheitsprobleme bei Dürre, Flut und Hitze oder den Warschau-Mechanismus zur Hilfe armer Länder.

Die Umwelt-Organisation Germanwatch berichtet: Deutschland war im Jahr 2018 nach Japan und den Philippinen am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen.

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Landjugend statt Greenpeace

Rutkowski ist Klimaaktivistin, aber kein Mitglied eines Umweltverbandes oder einer Aktivistengruppe. Kein "Ende Gelände" oder "Extinction Rebellion". Sie studiert Erziehungswissenschaften in Freiburg und vertritt hier in Madrid die Katholische Landjugendbewegung. Klimaschutz gehe schließlich "nicht nur Greenpeace und WWF etwas an, sondern uns alle als Zivilgesellschaft", meint sie. Und außerdem: "Papst Franziskus hat die Laudato si geschrieben." In der Enzyklika fordert das Oberhaupt der katholischen Kirche zu Umwelt-, Klimaschutz und zur Bewahrung der Schöpfung auf. Für Rutkowski ist auch das ein Grund, hier in Madrid zu sein.

Sie ist dabei nicht die einzige Vertreterin der jungen Generation. Auch wenn in den Verhandlungsräumen der Altersdurchschnitt relativ hoch ist: Viele Verbände haben junge "Observer", also Beobachter geschickt. Rund 1.200 so genannte Jugenddelegierte sind auf dem Messegelände unterwegs. Sie dürfen zwar nicht in die Verhandlungen, nehmen aber an Veranstaltungen und Gesprächen teil.

Mit Greta über das Gelände

Luisa Neubauer, heute ein Gesicht der Fridays-for-Future-Bewegung, war im letzten Jahr im polnischen Kattowitz eine von ihnen. Damals war sie noch unbekannt und hat sich bitter darüber beschwert, dass die jungen Leute kaum beachtet werden würden. Seitdem habe sich viel geändert, sagt sie im Interview mit dem ZDF. In Madrid läuft sie an der Seite von Greta Thunberg über das Gelände, wird von Politikern und Delegierten zu Gesprächen eingeladen.

"Wir sehen schon, dass wir gehört werden und gesehen werden. Dass man es aber übersetzt in politisches Handeln, das sehen wir halt nicht", sagt Luisa Neubauer. Und es sei "ein Stück weit schon sehr scheinheilig, wie die jungen Menschen hier gelobt werden", während die gleichen Leute in den Verhandlungen dann aber blockieren. Und trotzdem: Dass viele Menschen Veranstaltungen wie die Weltklimakonferenz für nutzlos und überflüssig halten, kann sie nicht verstehen. "Es aufzugeben, Menschen zusammenzubringen, nur weil es schwierig ist, kann nicht der Ansatz sein."

"Auf den Tisch hauen"

Genauso wie Luisa Neubauer war auch Isabel Rutkowski mittendrin im Getümmel, als Zehntausende bei einer Demonstration am vergangenen Freitag in der Innenstadt Madrids höhere Klima-Ambitionen gefordert haben. "Mir ist ganz wichtig, dass wir einfach mal auf den Tisch hauen und sagen: Leute, so geht’s nicht weiter!" Vor allem von der EU und von Deutschland wünscht sie sich eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz. Noch ist Rutkowski optimistisch, dass in Madrid tatsächlich etwas erreicht werden kann. "Es kommen endlich mal Themen auf den Tisch und man merkt, es findet ein Austausch statt", sagt sie - auch, wenn ihr natürlich klar sei, wie schwer es ist, in den Verhandlungen die Bremser unter den Staaten zu überzeugen.

Aber gerade deshalb, will Rutkowski hier weitermachen - mit Protesten, Gesprächen und Vorschlägen. "Time for action", "Zeit zu handeln" sei schließlich das Motto der COP in Madrid. Und das sollte die Weltgemeinschaft nun auch tun, findet Rutkowski. "Wir haben eine so schöne Welt und wir möchten auf ihr noch viele Jahre leben."

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