ZDFheute

"Eine Blamage vor der ganzen Welt"

Sie sind hier:

Junge Briten und der Brexit - "Eine Blamage vor der ganzen Welt"

Datum:

Der Brexit wurde erneut verschoben, im Dezember soll es Neuwahlen geben, das Land scheint zunehmend gespalten. Auch unter jungen Briten kommt es zu immer mehr Spannungen.

Anti Brexit Proteste in London, am 19.10.2019 in London
Viele Briten stellen sich gegen den Brexit, fordern ein zweites Referendum.
Quelle: AP

Vor drei Jahren, beim Referendum im Juni 2016, stimmte Liam Bywater für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union. Er war überzeugt, dass die EU-Mitgliedschaft wichtig für die Zukunft seines Landes sei. Nach einem scheinbar endlosen Brexit-Prozess hat sich diese Meinung nun geändert. Wenn er die Wahl hätte, würde er für Premierminister Johnsons neuen Brexit-Deal stimmen und somit die EU verlassen.

Premierminister Johnson ein "absoluter Witz"

Matt Hargreaves
Matt Hargreaves findet, Johnson sei als Premierminister "ein absoluter Witz".
Quelle: privat

Bereits in den vergangenen Monaten sprach heute.de mehrfach mit den jungen Briten aus Liverpool. Zuletzt hatte Bywater berichtet, bei der Wahl zum neuen Parteivorsitzenden der Tories Boris Johnson gewählt zu haben. Mit dieser Entscheidung ist Bywater weiterhin zufrieden. Johnson sei als Premierminister engagiert, obwohl er sich oft nicht im zerstrittenen Parlament durchsetzen könne.

Seine Meinung wird dagegen von anderen jungen Briten, mit denen heute.de gesprochen hat, nicht geteilt. "Boris Johnson hat meiner Meinung nach bisher überhaupt keinen guten Job gemacht", sagt die 22-jährige Hannah Farley. Besonders enttäuscht ist die Medizinstudentin davon, dass Johnson sich nicht ausreichend für EU-Bürger in Großbritannien einsetze. Ihr Kommilitone Matt Hargreaves findet entschiedene Worte über Johnson: "Als Premierminister ist der Mann ein absoluter Witz."

Spannungen beim Thema Neuwahlen

Liam Bywater
Liam Bywater befürwortet die Neuwahlen im Dezember und will die Tories wählen.
Quelle: privat

In dieser Woche hat Johnson nun seine Forderungen nach Neuwahlen im britischen Parlament durchgesetzt. Am 12. Dezember wird Großbritannien ein neues Parlament wählen. Für Bywater ist das der richtige Weg. "Dieses Parlament ist eine nationale Blamage", meint der 23-jährige Politikstudent. Er hoffe, dass die Neuwahlen zu besseren Mehrheitsverhältnissen im Parlament führen. "Dann können wir endlich diesen ganzen Brexit-Prozess hinter uns lassen", so Bywater.

Als Mitglied der Tories ist für den Politikstudent ganz klar, wie er im Dezember abstimmen wird. Die 19-jährige Neve Francis hofft jedoch, die Tories als Regierungspartei abzuwählen. Sie wolle der Labour-Partei ihre Stimme geben. Für Bywater ist das nicht nachvollziehbar: "Der Gedanke, dass die Labour-Partei einen besseren Job mit dem Brexit machen könnte, als die Tories ist lächerlich." Noch nicht einmal die Spitzen der Partei könnten sich schließlich auf eine gemeinsame Brexit-Linie einigen. 

Wunsch nach einem zweiten Referendum bleibt bestehen

Die 19-jährige Neve Francis beschreibt den aktuellen Prozess zur Wahl des Premierministers als "undemokratisch".
Die 19-jährige Neve Francis wünscht sich, dass der Brexit gestoppt wird.
Quelle: privat

In einem sind sich die vier jungen Briten aus Liverpool aber einig: Sie wollen keine weiteren Verlängerungen der Brexit-Frist und sie sehnen sich weiterhin nach einem zweiten Referendum. "Die Anzahl der Verlängerungen ist einfach lächerlich", meint Farley. "Es macht den Brexit zu einer Blamage vor der ganzen Welt." Francis sieht das ähnlich: Es sei zu einem Witz im Land geworden, dass der Brexit immer wieder verschoben werde. "In einer idealen Welt würden wir den Brexit jetzt einfach stoppen", meint die Linguistikstudentin.

Möglich wäre ein Brexit-Stopp noch, denn Großbritannien könnte jederzeit Artikel 50 zum EU-Austritt zurückziehen. Hargreaves, der in diesen Monaten sein Archäologiestudium an der University of Liverpool abschließt, sieht diese Möglichkeit allerdings nur im Zusammenhang mit einem zweiten Referendum. Dieses sei auch "dringend notwendig". Farley und Francis sind davon überzeugt, dass viele Briten seit 2016 ihre Meinung geändert hätten. Auch Bywater wünscht sich ein Referendum. Die britische Bevölkerung solle so das letzte Wort im Brexit-Prozess bekommen.

Hannah Farley
Hannah Farley macht sich große Sorgen um die Spannungen in ihrem Land.
Quelle: privat

"Wichtige innenpolitische Themen werden durch den Brexit außen vor gelassen", so Bywater. Das sei auch der Grund, warum er nun einen Brexit-Deal befürworten würde. Hargreaves und Farley befürchten weiterhin, dass der Brexit negative Auswirkungen haben würde. "Es bereitet mir große Sorge, wie sehr unser Land mittlerweile gespalten ist und wie viel Unruhe der Brexit hervorruft", sagt Farley. Sie habe das Gefühl, dieses Problem werde in den nächsten Monaten nur weiter zunehmen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.