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Pseudonym "Landolf Ladig" - Junge Gemeinde Jena verklagt Höcke

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Die Junge Gemeinde in Jena strengt eine Unterlassungklage gegen den Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke an. Es geht um die Frage, wer hinter dem Pseudonym "Landolf Ladig" steckt.

Gegen den Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke strengt die Junge Gemeinde in Jena eine Unterlassung an. Es geht um die Frage, wer hinter dem Pseudonym "Landolf Ladig" steckt. Ab 2011 wurden unter diesem Namen Artikel für NPD-nahe Blätter verfasst.

Juristisches Nachspiel für Höcke

Mit ihrer angekündigten Klage - auf Nachfrage kündigte eine Sprecherin an, sie werde noch heute, spätestens aber morgen eingereicht - will die Junge Gemeinde erreichen, dass Höcke nicht mehr behaupten darf, die Junge Gemeinde sei Urheber der Texte, die unter dem Pseudonym "Landolf Ladig" für NPD-Blätter geschrieben wurden. Zudem hoffen die Kläger, dass ein Prozess klärt, wer tatsächlich hinter dem Namen steckt.

Um die Klage finanziell abzusichern, sammelt die Junge Gemeinde per Fundraising Geld über das Internet. Statt wie veranschlagt 5.000 Euro sind inzwischen über 7.800 Euro zusammengekommen.

Auslöser der Klage ist ein MDR-Interview aus dem August, in dem Höcke gefragt wurde, ob er "Landolf Ladig" sei. Der AfD-Landeschef antwortete, man solle sich in der Sache an die Junge Gemeinde in Jena wenden. "Ich habe also aus zuverlässiger Quelle gehört, dass dort der Geburtsort von "Landolf Ladig" ist", so Höcke.

"Ich habe also aus zuverlässiger Quelle gehört, dass dort (gemeint ist die Junge Gemeinde in Jena, Anm. d. Red.) der Geburtsort von "Landolf Ladig" ist.
Björn Höcke

Das Pseudonym "Landolf Ladig" taucht 2011 auf

Hintergrund sind Artikel, die ab 2011 in den NPD-nahen Blättern "Volk in Bewegung" und "Eichsfeld-Stimme" erschienen waren - geschrieben unter dem Pseudonym "Landolf Ladig". Herausgeber der Hefte waren der NPD-Kader und Neonazi Thorsten Heise und dessen Frau.

Der Soziologe Andreas Kemper analysierte diese Texte und entdeckte 2015 Übereinstimmungen bei Begriffen und Formulierungen, die in diesen Artikeln und in den Reden und Schriften Björn Höckes verwendet wurden. Seitdem herrscht Räselraten um die "Landolf Ladig"-Identität. Das ZDF-Landesstudio Thüringen fragte den AfD-Landeschef bereits Anfang 2015, ob er hinter dem Pseudonym stecke. Höcke bestritt dies damals.

Verfassungsschutz vermutet Autorenschaft Höckes

Im März 2017 war selbst AfD-Bundesvorstand überzeugt, dass Höcke der Autor "Landolf Ladig" sei und eröffnete gegen Höcke ein Parteiausschlussverfahren. In der Begründung dazu heißt es: Björn Höcke "hat unter dem Namen 'Landolf Ladig'  […] Artikel verfasst, in denen die NPD für ihre politischen Ideen und das politische Konzept gelobt wird."

Mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" geht auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) davon aus, dass Björn Höcke unter dem Pseudonym als Autor in Erscheinung trat." Höckes einflussreiche Rolle beim sogenannten Flügel ist ein Grund für den Verfassungsschutz, diese AfD-interne Gruppe als "Verdachtsfall" zu beobachten. Das Amt sieht beim Flügel "gesicherte Anhaltspunkte" für eine "extremistische Bestrebung".

Causa begleitet Höcke bis in letzte Landtagssitzung

Die AfD hatte das Sonderplenum beantragt, um ihre Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu diskutieren und den Rücktritt des Verfassungsschutzpräsidenten zu fordern.

In der Debatte aber kam erneut der Verdacht zur Sprache, dass hinter "Landolf Ladig" der AfD-Landesschef stecke. Die SPD-Abgeordnete Dorothea Marx, die auch Vorsitzende des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses ist, legte nach der Rede Höckes eine vorgefertigte eidesstattliche Versicherung vor. Diese solle er unterzeichnen, wenn er nicht "Landolf Ladig" sei. Björn Höcke unterschrieb diese Erklärung nicht.

Auch AfD fordert vergeblich Klarheit von Höcke

Auch innerhalb der AfD wurde Höcke von Parteikollegen wiederholt aufgefordert, per eidesstattlicher Versicherung zu erklären, dass er nicht Ladig sei. Auch hier: Abgegeben hat Höcke eine solche Erklärung bisher nicht. Ebensowenig wehrte sich Höcke bisher juristisch gegen Behauptungen, dass er sei der rechtsextreme Autor "Landolf Ladig" sei.

Ich glaube, dass wenig dagegen spricht, dass Landolf Ladig Höcke ist. Wenn das so ist, dann hieße das, dass die Partei Höcke aus der Partei werfen müsste.
Hajo Funke, Extremismusforscher

Neben dem Autor selbst weiß nur eine Person, wer hinter dem Pseudonym steht: Der Neonazi und NPD-Funktionär Thorsten Heise aus Thüringen. Als Herausgeber der Hefte, in denen Ladigs Texte erschienen sind, nimmt er zu der Frage nicht konkret Stellung. Spiegel Online erklärte Heise 2015 dazu nur, Ladig sei "eine nettere, ältere Person".

Beobachter stellen die Frage, ob Thüringens AfD-Landeschef womöglich durch den NPD-Kader erpressbar sei. "Ich glaube, dass wenig dagegen spricht, dass 'Landolf Ladig' Höcke ist", sagt der Extremismusforscher Hajo Funke. "Wenn das so ist, dann hieße das, dass die Partei Höcke aus der Partei werfen müsste. Und zwar wegen nationalsozialistischer Identifizierung und zwar pur und wegen der intimen Nähe zur NPD."

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