Sie sind hier:

Vor der Parlamentswahl - Junge Italiener: frustriert und verdrossen

Datum:

Etwa ein Drittel aller jungen Italiener ist arbeitslos. Eine ganze Generation fühlt sich im Stich gelassen. Von der Politik fühlen sich nur die wenigsten verstanden.

Wahlplakate in Pomigliano d'Arco, nahe Neapel
Wahlplakate in Pomigliano d'Arco, nahe Neapel
Quelle: rtz

Es brodelt gewaltig am Fuße des Vesuvs, in Neapel, einer Stadt in der fast 50 Prozent der jungen Menschen ohne Arbeit sind. Fehlende Infrastruktur, hohe Kriminalität - die Stadt ist das Sorgenkind Italiens. "Wir leben ohne Sicherheit. Ich wohne mit meinen 28 Jahren immer noch bei den Eltern. Ich springe von Zeitvertrag zu Zeitvertrag. Wenn ich monatlich 700 Euro auf dem Konto habe, ist das viel", erzählt Vincenzo Leruscie. Von der Politik fühlt sich der Neapolitaner längst nicht mehr verstanden. "Es sind doch immer dieselben Gesichter. Wer soll da etwas für uns ändern?", sagt der 28-jährige Informatiker. Er weiß noch nicht, wen er am 4. März wählen wird.

Generation Praktikum fordert Zukunftsperspektiven

Einige wenige hingegen suchen ihr Glück nicht mehr - sie gestalten es selbst: die Jungpolitiker der Regierungspartei "Politico Democratico" im norditalienenischen Bologna. Ihr Wahlkampf läuft auf Hochtouren. Auch, wenn die Umfrageergebnisse im Keller sind - sie versuchen alles, dass Italien ab dem 4. März nicht in den Händen der Populisten liegt. Sie kämpfen für bessere Bedingungen für Berufseinsteiger. Sie fordern weniger Zeitverträge, ein Ende der Generation Praktikum. "Wir sind verpflichtet, mit Tatendrang und vor allem einer richtigen Wahl an die Dinge zu gehen. Das fehlt nämlich unserer Generation: die berufliche Wahl zu haben, auswählen zu können. Uns fehlt eine Vision. Eine gemeinsame Vision", findet Rosy Davidde, Studentin aus Bologna.

Romano Prodi, ehemaliger Ministerpräsident Italiens, sorgt sich um die Zukunft seines Landes. Seiner Meinung nach braucht es wirtschaftliche Mechanismen, um den jungen Menschen im Land wieder eine sichere Zukunft zu geben. "Der Populismus in Italien ist ein Alarm für Europa. Meiner Meinung nach braucht es tiefgreifende Reformen. Die hat auch Deutschland verpasst. Die befristeten Jobs müssen weniger werden, die Leute brauchen Festanstellungen. Wir müssen den Menschen dadurch Sicherheit und Selbstvertrauen zurückgeben. Wie sollen die so ihr Leben planen können?"

"Invasion stoppen"

Im Norden Italiens, in der Lombardei, hat nach aktuellen Umfragen das Mitte-Rechts-Bündnis die höchsten Zustimmungswerte. Andrea Crippa möchte für die Lega ins Parlament. Jahrelang hat der 30-Jährige als Assistent von Parteichef Salvini gearbeitet. Auf einem Wochenmarkt in Arese, einem Vorort von Mailand, ist er auf Wählerfang, verteilt Flugblätter mit der Aufschrift "Invasion stoppen". Er kämpft für eine rigorose Einwanderungspolitik. "Die Leute fühlen sich hier in den Städten nicht mehr sicher. Das Ganze gerät außer Kontrolle. Die Menschen, die aus anderen Teilen der Welt kommen, müssen unsere Gesetze respektieren und sich integrieren. Wenn sie das tun, sind sie wie meine Brüder. Die, die darauf keine Lust haben, die sollen meiner Meinung nach aus unserem Land verschwinden."

Neapel, Bologna, Mailand - Städte mit Symbolkraft, stellvertretend für ein Land, das sich derzeit in Schieflage befindet. Italien, die viertgrößte Volkswirtschaft in Europa, braucht Reformen. Vor allem für die Jugend. Denn die ist der Motor einer jeden Wirtschaft, eines jeden Landes.

Die wichtigen Themen vor der Parlamentswahl

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.