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Plakate zur Europawahl? "Voll langweilig!"

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ZDF in Wilhelmshaven - Plakate zur Europawahl? "Voll langweilig!"

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Parteien und EU-Parlament werben um die Wählergunst bei der Europawahl. Doch an jungen Wählern gehen ihre Kampagnen oft vorbei. Studentinnen kämpfen für mehr Wahlbeteiligung.

Junge Wähler für die Europawahl gewinnen - darum bemüht sich die EU seit Jahren. Zum Beispiel über die "Europe Direct"-Informationszentren, die es in allen Mitgliedsländern gibt. Auf Social Media ist etwa das Europäische Parlament aktiv. Doch den richtigen Ton treffen sie nicht immer - das sagen zumindest die Macherinnen von "BeYOUrope" in Wilhelmshaven. Die sieben Studentinnen studieren Medienwissenschaft an der Jadehochschule und haben im Rahmen einer ihrer Kurse das Instagram-Projekt ins Leben gerufen.

Dann steht da 'EU-Wahl' oder 'Informationen zur EU-Wahl' oder 'Alles zur Wahl', also ganz langweilig und überhaupt nicht ansprechend.
Janine Freese

Ihr Auftraggeber für das Instagram-Projekt ist das Informationszentrum "Europe Direct" in Oldenburg. Studentin Janine Freese erinnert sich an das erste Treffen: "Unser Auftraggeber hatte ganz viele Flyer mitgebracht, so typisch Europa eben. Meistens ist das Parlament im Hintergrund zu sehen oder die Europaflagge. Dann steht da 'EU-Wahl' oder 'Informationen zur EU-Wahl' oder 'Alles zur Wahl', also ganz langweilig und überhaupt nicht ansprechend. Man sieht sofort, es geht um Politik."

Aus Erfahrung im Freundeskreis wussten die Studentinnen: Das spricht niemanden in ihrer Altersgruppe an. Darauf angesprochen, zeigte sich der "Europe Direct"-Mitarbeiter einsichtig und schlug ein Facebook-Projekt vor. Auch keine gute Idee in den Augen der Studentinnen: "Da treiben wir uns nicht mehr rum in dem Alter." Anders aber auf Instagram. So wurde die Idee für das Projekt geboren.

Urlaubsfotos gegen EU-Frust

Das ist vermutlich das Wichtigste für uns junge Leute, frei zu reisen ohne Reisepass.
Julia Hartz

Über den Account, der derzeit rund 250 Abonnenten hat, posten die Studentinnen einen bunten Mix aus Fakten zur EU, Videos und Fotos. Darunter sind auch Urlaubsfotos. Sie sollen die Errungenschaften nahebringen, die es ohne die Europäische Union nicht gäbe. "Das ist vermutlich das Wichtigste für uns junge Leute, frei zu reisen ohne Reisepass", erzählt Julia Hartz. Auch mit einigen EU-Mythen räumt die Gruppe auf. Etwa, dass die EU ein Bürokratiemonster sei: "Wir haben herausgefunden, dass nur 40.000 Menschen für die EU arbeiten, während in einer großen Stadt wie Berlin 100.000 Menschen in der Verwaltung angestellt sind", erklärt Lone Grotheer.

Das Team hat bis zur Wahl am 26. Mai noch einiges vor: ein digitaler Flashmob ist geplant, eine Europa-Playlist und ein EU-Quiz wollen sie erstellen, und an der eigenen Fachhochschule einen Stand aufstellen – mit Kuchenverkauf. "Mit Kuchen geht hier alles", lacht Lone - quasi als Lockmittel für die träge Wählerschaft.

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Wie viele Wähler findet man in einer Stunde?

Experiment: Europawähler finden
ZDF-Reporterin Elisabeth Schmidt und die Studentinnen von "BeYOUrope" auf der Suche nach Europawählern
Quelle: ZDF

Wie wenig Interesse anscheinend an Europa und der Wahl vorhanden ist, zeigt ein eigenes kleines Experiment. Die Herausforderung lautet: Findet in Wilhelmshaven in einer Stunde mindestens fünf Menschen unter 40 Jahren, die am 26. Mai wählen gehen wollen. Es geht los in die Fußgängerzone. Die Gruppe hat sich mit EU-Fähnchen und "BeYOUrope"-Pullis ausstaffiert – ein bisschen Werbung muss sein. "Geht ihr am 26. Mai wählen?", fragt Sophie Schäkel zwei 18-Jährige. Eine bejaht. Ihre Freundin schüttelt den Kopf: "Ich auf jeden Fall nicht. Sowas interessiert mich einfach nicht."

"Ich glaube, da muss ich arbeiten", meint Mareike Stemmler. Freund Mirko Schäfer arbeitet zwar beim Bund, aber auch er sagt: "Mich interessiert das einfach nicht!" Die Uhr tickt. Noch ist die Wähler-Ausbeute eher ernüchternd. Sophie spricht ein weiteres Pärchen an. "Geht ihr am 26.5. wählen?" - "Nein, ich wüsste nicht, welche Wahl", sagt Steffen Klotsche und Jennifer Müller ergänzt: "Ich interessiere mich für Politik nicht so."

Eine weitere potentielle junge Wählerin, Merle Kampen, gesteht: "Ich habe mich einfach nicht damit auseinandergesetzt. Würde ich mich damit auseinandersetzen, würde ich vielleicht wählen gehen." Viel Stirnrunzeln in den Gesichtern des "BeYOUrope"-Teams. Zwanzig Minuten verbleiben noch auf der Suche nach jungen Wählern.

Europa für den Frieden

Endlich zwei Treffer: Dennis, 32 Jahre, und Elisabeth Schneider, 29 Jahre, wollen wählen gehen. "Weil es in einer Demokratie schon sehr wichtig ist, wählen zu gehen. Und wenn wir es nicht tun, tun es vielleicht andere, die nicht das im Sinne haben, was wir im Sinne haben", erläutert Dennis Schneider. Auch Marit Wirtz und Nicolai Prellwitz wollen ihr Kreuz setzen. "Ich finde, Europa steht für den Frieden und gerade sind wir auch alle super glücklich, dass es überhaupt Frieden gibt, weil wir kennen ja auch gar nicht das Gegenteil", erklärt Marit Wirtz.

Challenge geschafft - fünf junge Wähler gefunden, aber wirklich auf die letzte Minute. Dass es so schwierig werden würde, überrascht auch Janine Freese: "Mehr als die Hälfte, die wir angesprochen haben, sagten: Nein, ich gehe nicht wählen! Auch wenn man nachgehakt hat, es war ihnen einfach egal!"

Die Studentinnen von der Jadehochschule in Wilhelmshaven und vor allem die EU haben noch viel Arbeit vor sich, um junge Wähler zur Wahlurne zu bringen. Bis zum 26. Mai will die Gruppe nochmal Vollgas geben.

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