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Jungsteinzeit - Als Frauen noch richtige Kerle waren

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In der Jungsteinzeit waren Frauen für die schwersten Jobs zuständig und deshalb trainierter als heutige Top-Athletinnen. Aber was haben eigentlich die Männer damals getrieben?

Felsenmalerei Menschen mit Hunden neolithische Felskunst
Neolithische Felskunst: Menschen mit Hunden Quelle: imago

Beim Armdrücken gegen eine Bäuerin aus der Jungsteinzeit würden die meisten Männer von heute wohl verlieren. Das legt eine neue Studie nahe. Eine Forschergruppe der Universität Cambridge verglich dabei Skelettfunde aus der Vergangenheit mit heute lebenden Männern und Frauen. Das Ergebnis: Form und Dichte der Oberarmknochen von Frauen der Jungsteinzeit deuten auf andauernde starke Belastungen hin.

Feldarbeit war auch Frauensache

Die Oberarmknochen der ersten Bäuerinnen übertrafen die des Frauen-Ruderteams von Cambridge um elf bis 16 Prozent. Dabei trainieren die jungen Sportlerinnen seit Jahren regelmäßig rund 20 Stunden pro Woche. Die Oberarme durchschnittlicher Studentinnen sind sogar um rund ein Drittel schwächer als die ihrer frühen Vorfahrinnen.

Eva Rosenstock überraschen die Ergebnisse der Studie nicht: "Wir wissen, dass es am Beginn des Neolithikums um 5.500 v. Chr. eine intensive, gartenbauartige Landwirtschaft gegeben hat, bei der man die kleinen Felder händisch bearbeitete", so die Expertin für prähistorische Archäologie von der Freien Universität Berlin. Wie die Cambridge-Forscher glaubt Rosenstock, dass auch Frauen die anstrengende Feldarbeit mit Holzhacke und Grabstock leisteten.

Schweißtreibendes Getreidemahlen

Ausschlaggebend dürfte aber sein, dass vermutlich vor allem Frauen für die Weiterverarbeitung der Ernte zuständig waren. Das Getreide musste dabei zwischen zwei Mahlsteinen mühsam zerrieben werden. "Das dauerte stundenlang und wurde wohl oft auch nachts gemacht, um für die Familie Mehl und Schrot für den nächsten Tag zu produzieren", so Rosenstock. "Diese Arbeit ist tatsächlich ein sehr großer Faktor gewesen. Das passt auch ganz gut dazu, dass man den Säugling auf dem Rücken hin und her wiegen musste." Laut der Cambridge-Studie lässt die Armbelastung der Frauen erst im frühen Mittelalter deutlich nach. Die Einführung der Drehmühle hatte das Mahlen von Getreide da schon deutlich erleichtert.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Was haben eigentlich die Männer gemacht, während ihre Frauen das Getreide mahlten oder auf dem Feld arbeiteten? Es wäre denkbar, dass sie die Haustiere gehütet oder weiterhin viel gejagt haben. Obwohl die Menschen der Jungsteinzeit bereits Schafe, Ziegen und Rinder hielten, spielte Wildfleisch noch lange eine Rolle. Es war eine verfügbare Proteinquelle, auf die man etwa im Falle von Missernten zurückgreifen konnte. Felle, Leder und Knochen waren außerdem wichtige Rohstoffe.

Rollenklischee entwickelte sich in der Bronzezeit

Die Cambridge-Forscher untersuchten auch die Beinknochen der Jungsteinzeit-Frauen. Sie fanden heraus, dass einige sehr stark, andere eher schwach ausgeprägt waren. Frauen in dieser Zeit liefen demnach unterschiedlich viel. Die Menschen waren zwar sesshaft geworden, ihre Lebensweise aber insgesamt noch sehr heterogen.

Archiv: Gräberfeld in Nortmoor, aufgenommen am 27.04.2000 in Nortmoor
Gräberfeld aus der Bronzezeit Quelle: dpa

Erst mit der Erfindung des Pfluges, der in Mitteleuropa vermutlich um 3.000 v. Chr. aufkam, und vor allem in der Bronzezeit ab etwa 2.000 v. Chr. änderte sich das allmählich. Frauen waren fortan nicht mehr so mobil, wie auch die Cambridge-Studie zeigt. Laut Eva Rosenstock passt das gut ins Bild: "Verschiedene Thesen besagen, dass Frauen in pflugbauenden Gesellschaften verstärkt im Haus tätig sind. Sie beginnen, Fasern herzustellen, zu weben und Textilien zu produzieren." Das Klischee der klassischen Rollenverteilung entwickelte sich also in der Bronzezeit: Während er mit dem Pflug das Feld bestellte, blieb sie im häuslichen Bereich, webte Kleidung und kümmerte sich um den Nachwuchs.

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