ZDFheute

Wie viel ist ein "ruiniertes Leben" wert?

Sie sind hier:

Weitere 600.000 Euro für Mollath - Wie viel ist ein "ruiniertes Leben" wert?

Datum:

Justizskandal beendet: Insgesamt 670.000 Euro für sieben Jahre zu Unrecht in der Psychiatrie - das ist die Summe, die Justizopfer Gustl Mollath vom Freistaat Bayern bekommt.

Justizopfer Mollath unterhält sich mit Journalisten. Archivbild
Justizopfer Mollath unterhält sich mit Journalisten. Archivbild
Quelle: Peter Kneffel/dpa

Es ist eine gütliche Einigung, die einen der größten deutschen Justizskandale der jüngsten Zeit beendet. Insgesamt 2.747 Tage saß Gustl Mollath in der Psychiatrie, bevor er rehabilitiert wurde.

"Paranoides Gedankensystem"

Der Fall begann als Ehestreit: Mollaths damalige Frau zeigte ihn 2002 wegen angeblicher Körperverletzung an. Im Prozess beschuldigte er wiederum seine Frau, als Bankangestellte Schwarzgeldgeschäfte betrieben zu haben. Doch ihm wurde nicht geglaubt - das Gericht wertete seine Vorwürfe vielmehr als Teil eines Wahns. 2006 wurde Mollath wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen, aber in den psychiatrischen Maßregelvollzug eingewiesen. Er habe ein "paranoides Gedankensystem", bescheinigten ihm damals die Richter.

Für den heute 63-Jährigen folgte ein jahrelanger Kampf um seine Freiheit. Erst als bei internen Ermittlungen der Bank ans Licht kam, dass es tatsächlich Schwarzgeldgeschäfte gegeben hatte, schenkte man Mollath schließlich Gehör. Nach sieben langen Jahren in der Psychiatrie wurde er in einem Wiederaufnahme-Verfahren vom Landgericht Regensburg rehabilitiert - danach ging es um die Entschädigung, die ihm für die Jahre in der geschlossenen Anstalt zustanden.

Zu wenig für ein "ruiniertes Leben"

Zunächst zahlte der Freistaat Bayern Mollath lediglich die nach Fehlurteilen gesetzlich vorgesehene Entschädigung in Höhe von 25 Euro pro Tag, also 70.000 Euro. Das war Mollath zu wenig für sein "ruiniertes Leben", wie er sagte. Er habe alles verloren - sein Haus, sein Geschäft und jegliche Aussicht auf ein normales Leben, da keine Frau mit ihm etwas zu tun haben wolle. Er klagte und verlangte 1,8 Millionen Euro - darunter 800.000 Euro Schmerzensgeld, 288.000 Euro Verdienstausfall und allein 90.000 Euro Anwaltskosten für diverse Verfahren und Beschwerden über viele Jahre.

Heute nun die gütliche Einigung: Der Freistaat zahlt dem Justizopfer zusätzlich 600.000 Euro. Für Mollaths früheren Strafverteidiger Gerhard Strate "eine ansehnliche Summe - ich freue mich für Herrn Mollath". Sein derzeitiger Anwalt Hildebrecht Braun sagte gegenüber dem ZDF, das sei immer noch "recht wenig für ein ruiniertes Leben". Aber jetzt könne sein Klient wenigstens anfangen, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen - bisher habe er noch nicht einmal die Kaution für eine Wohnung zahlen können.

Die gütliche Einigung heute sei "ein Sieg für alle Justizopfer", die bisher üblichen 25 Euro Entschädigung pro Tag seien damit überholt. Aus Sicht des Anwalts muss man das gesamte System überdenken: Psychiatrie-Insassen müssten Zugang zu Pflichtverteidigern haben, damit sie überhaupt eine Chance hätten, gehört zu werden, so Braun.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.