ZDFheute

Polizei setzt Belohnung von 500.000 Euro aus

Sie sind hier:

Juwelendiebstahl in Dresden - Polizei setzt Belohnung von 500.000 Euro aus

Datum:

Nach dem Kunstraub in Dresden hat die Polizei eine hohe Belohnung ausgesetzt. Ein Kenner der Kunstdiebstahl-Szene hat dennoch wenig Hoffnung, dass die Unikate erhalten bleiben.

Schmucksaal des Grünen Gewölbes in Dresden
Die gestohlenen Schmuckobjekte bleiben verschollen.
Quelle: DPA

Vier Tage nach dem Diebstahl historischer Juwelen aus dem Dresdner Residenzschloss ist die Arbeit der Ermittler am Tatort im historischen Teil des Grünen Gewölbes fast fertig. "Es ist geplant, die Räume im Laufe des Freitagvormittags freizugeben", sagte ein Polizeisprecher. Zuvor berichtete das Onlineportal "tag24". In dem Fall fehlt aber nach wie vor eine heiße Spur. Die Sonderkommission "Epaulette" geht nach Angaben des Polizeisprechers inzwischen 342 Hinweisen aus der Bevölkerung nach, darunter in 49 Fällen von Bildern und Videos. "Der entscheidende Hinweis liegt nicht auf dem Tisch", sagte der Sprecher.

Die Polizei hat eine Belohnung von einer halben Million Euro ausgesetzt. Sie steht für Hinweise zur Verfügung, die zur Aufklärung der Tat, zur Ermittlung oder der Ergreifung der Täter sowie zum Auffinden der Beute führen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilten."Wir werden nichts unversucht lassen, diesen Fall zu lösen", erklärten Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar und der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Rövekamp. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Die Sonderkommission wurde auf nunmehr 40 Beamte aufgestockt, die Abteilung Organisierte Kriminalität der Staatsanwaltschaft Dresden leitet ab sofort die Ermittlungen.

Experte: Profis am Werk

Für die gestohlenen Kunstwerke aus Brillanten und Diamanten gibt es aus Expertensicht wenig Hoffnung. Die Chance, dass sie auf dem Kunstmarkt auftauchen und das Museum sie unversehrt zurückbekommt, sind nach Einschätzung des Kunstdiebstahl-Experten Willi Korte eher gering. "Meine große Befürchtung ist, dass die Steine herausgebrochen und individuell verkauft werden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Diamanten haben schon immer als Zahlungsmittel gegolten." Sie würden meist in Südamerika, Osteuropa oder Asien weitergereicht.

Der Kunstraub aus dem Grünen Gewölbe wirft viele Fragen auf. Was können die Täter mit der Beute anfangen? Warum waren die Juwelen nicht versichert? Hier die wichtigsten Antworten.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Korte hält auch die Beute aus dem Grünen Gewölbe für verkäuflich, im Unterschied zu den Museumsleuten. "Selbst wenn sie nur einen Bruchteil ihres realen Marktwerts erbringen von zehn bis 20 Prozent, rentiert sich das gemessen am Aufwand immer noch", sagte er. "Von der Investition her hielt sich das in Grenzen." Der Einbruch, bei dem am Montagmorgen rund zwei Dutzend wertvolle Schmuckstücke aus dem barocken Schatzkammermuseum im Residenzschloss gestohlen wurden, sei das Werk von Profis.

Die Theorie von einem reichen Sammler, der so etwas unbedingt haben und im Keller seiner Villa verstecken will, sei eher eine Filmidee. "Mir ist aus all den Jahren kein Fall bekannt, wo sich so etwas nachweisen ließ", sagte der Provenienzforscher, der sich mit Jahre zurückliegenden Kunstdiebstählen beschäftigt. "Bei den Juwelen würde ich einen Auftragsdiebstahl nicht ausschließen, denn sie waren meiner Meinung nach hier das Ziel." In den vergangenen Jahren habe es vermehrt Fälle gegeben mit Bezügen zu Banden aus Osteuropa, die teils gewerbsmäßig solche Einbrüche organisieren.

Selbst im Grünen Gewölbe war es zu leicht, sagte Korte mit Verweis auf Gitter, die durchgesägt werden können, Fenster, die sich öffnen lassen, Videoaufzeichnungen ohne Beleuchtung und Wachpersonal, das trotz Bewaffnung nicht sofort eingreift. "Im Zweifelsfall ist ein hochpreisiger Juwelier besser gesichert." Und bei diesen Händlern in den großen Städten seien die Schaufenster in der Nacht leer und die Auslagen weggeschlossen.

"Juwelen lassen sich gut zu Geld machen"

Laut Korte hat Kunstdiebstahl in Europa erheblich zugenommen. "Das hat wohl etwas mit den exorbitanten Preisen zu tun, die Kunstwerke auf dem Markt erbringen", sagte er. Es sei immer noch eine lukrative Art des Verbrechens, da der Aufwand in der Regel relativ gering ist. "Die größte Herausforderung ist, die Beute abzusetzen." Korte befürchtet, dass es schon vorher Pläne für den Absatz der Dresdner Schmuckstücke gab. "Juwelen lassen sich gut zu Geld machen." Selbst wenn die großen Steine identifizierbar sind, bei der Menge der Beute bleibe auch bei erheblichem Abschlag immer noch etwas übrig. "Auch Einkaräter haben ihren Marktpreis."

Korte war im Zusammenhang mit der Rückkehr des Quedlinburger Domschatzes aus den USA nach Deutschland Anfang der 1990er Jahre bekannt geworden. Der Domschatz war in den Wirres des Zweiten Weltkrieges verschwunden und ist heute wieder in Sachsen-Anhalt.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.