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Diplomatische Annäherung - Afghanistan lädt pakistanischen Wahlsieger ein

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Nach dem Wahlsieg des Ex-Kricket-Stars Imran Khan könnten sich die Beziehungen zwischen Afghanistan und Pakistan verbessern. Pakistans Opposition rückt indes von einem Vorhaben ab.

Imran Khan am 26.07.2018 in Islamabad
Der pakistanische Wahlsieger und ehemalige Kricket-Star Imran Khan Quelle: ap

Nach dem Wahlsieg von Ex-Kricket-Star Imran Khan bei der Parlamentswahl in Pakistan könnte Entspannung in das belastete Verhältnis zum Nachbarland Afghanistan kommen. Als erster Staatschef gratulierte der afghanische Präsident Aschraf Ghani dem Wahlgewinner Khan. In einem Telefongespräch hätten sich beide bereit gezeigt, "die Vergangenheit zu überwinden und eine neue Grundlage für eine prosperierende politische, soziale und wirtschaftliche Zukunft beider Länder" zu schaffen, teilte Ghani über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Er habe Khan nach Kabul eingeladen und dieser habe den Wunsch ausgedrückt, der Einladung bald zu folgen.

Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind angespannt. Die Länder beschuldigen sich jeweils, Terroristen zu beherbergen. In einer Fernsehansprache am Tag nach der Parlamentswahl hatte Khan erklärt, dass Afghanistan in den vergangenen Jahrzehnten enorm unter Krieg und Gewalt gelitten habe. Pakistan sei bereit, sich für Frieden in Afghanistan einzusetzen. Khan könne sich darüber hinaus in der Zukunft offene Grenzen mit Afghanistan vorstellen, ähnlich wie in der Europäischen Union.

Opposition rückt wohl von Neuwahl-Forderung ab

Während am Sonntag Khans Bewegung für Gerechtigkeit (Tehreek-e Insaf/PTI) nach weiteren Partnern für eine Regierungskoalition suchte, trafen sich die Wahlverlierer in Islamabad erneut, um ihre weitere Vorgehensweise zu besprechen. Mehrere Parteien, darunter die bisherige Regierungspartei Pakistanische Muslim-Liga (PML-N) sowie die Pakistanische Volkspartei (PPP) hatten nach Manipulationsvorwürfen die Wahlergebnisse zunächst nicht anerkannt. Ein Bündnis kleinerer Parteien hatte eine Neuwahl gefordert und mit landesweiten Protesten gedroht. Lokale Medien berichteten, dass die etablierten Parteien PML-N und PPP nun dazu tendieren würden, ins Parlament einzuziehen und die Regierung von der Oppositionsbank aus zu bekämpfen. Die Wahlbeobachtermission der Europäischen Union hatte die Abstimmung vom vergangenen Mittwoch als weniger fair als die Wahl 2013 bewertet. Nicht alle Parteien hätten die gleichen Ausgangsbedingungen gehabt, kritisierten die Beobachter.

Khan hatte sich bei seiner ersten Rede nach der Wahl staatsmännisch und besonnen gezeigt. Er versprach, sich für eine Verbesserung der Beziehungen zu Indien einzusetzen und einen neuen Anlauf bei der Lösung des Konflikts um die Kaschmir-Region zu unternehmen. Von indischer Seite gab es zunächst keine Reaktion auf den Vorstoß von Khan, der bislang ein politischer Außenseiter war, aber wegen seiner legendären Sportkarriere Millionen Fans in Pakistan und in Indien hat.

Gesundheitszustand von Ex-Ministerpräsident Sharif verschlechtert

Khan kündigte zudem an, er wolle aus Pakistan einen "islamischen Wohlfahrtstaat" machen, die Armut bekämpfen und die Korruption ausrotten. Er werde zudem "nicht wie ein König leben" und nicht in den opulenten Palast des Premierministers einziehen, der besser als Schule genutzt werden solle. Die Wahl verlief laut Khan sauber. Er werde aber die Opposition unterstützen, um die Vorwürfe der Manipulation zu untersuchen.

Unterdessen soll sich der Gesundheitszustand des inhaftierten Ex-Ministerpräsidenten Nawaz Sharif (PML-N) weiter verschlechtert haben. Ein Ärzteteam habe erneut empfohlen, Sharif in ein Krankenhaus zu verlegen, sagte der Sprecher der PML-N, Mohamed Mehdi. Mehdi selbst hat ihn vergangenen Donnerstag besucht. Er kenne Sharif seit dem Jahr 2000, aber noch nie habe er den Ex-Ministerpräsidenten so schwach gesehen, sagte Mehdi. Sharif leidet unter Diabetes und hat sich 2016 einer Herzoperation unterzogen. Er und seine Tochter Maryam sind seit Mitte Juli in einem Hochsicherheitsgefängnis in der Garnisonsstadt Rawalpindi inhaftiert. Sharif war drei Wochen vor der Wahl wegen Korruption zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

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