Sie sind hier:

270.000 Rohingyas auf der Flucht - Myanmar: Womöglich mehr als 1.000 Tote

Datum:

Bei den Kämpfen in Myanmar könnten mehr als doppelt so viele Menschen ums Leben gekommen sein, wie von den Behörden gemeldet. Die UNO rechnet mit mehr als 1.000 Toten, die meisten seien Mitglieder der muslimischen Rohingya-Minderheit. Etwa 270.000 Menschen seien inzwischen nach Bangladesch geflohen.

Die Grenze zwischen Myanmar und Bangladesch wurde geschlossen. Die muslimische Volksgruppe der Rohingya ist davon besonders betroffen. Sie fliehen vor allem wegen der Gefechte zwischen Rebellen und Sicherheitskräften in Myanmar.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Die Regierung habe die Zahl der Toten "höchstwahrscheinlich unterschätzt", sagte die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte in Myanmar, Yanghee Lee. Die meisten Opfer seien Mitglieder der muslimischen Rohingya-Minderheit.

"Wahrscheinlich sind rund 1.000 oder mehr schon tot", sagte die UN-Sonderbeauftragte unter anderem unter Verweis auf Berichte von Augenzeugen. Sie habe aber "unglücklicherweise" keinen Zugang, um die Zahlen zu überprüfen. Sie fürchte, dass es "eine der schlimmsten Katastrophen werden könnte, die die Welt und Myanmar in den vergangenen Jahren gesehen haben".

UN: Etwa 270.000 Rohingya-Flüchtlinge

Nach Angaben der Behörden wurden bislang 432 Menschen bei den schweren Kämpfen zwischen Armee und Rohingya-Rebellen getötet, darunter 387 Rebellen, rund 30 Zivilisten und 15 Sicherheitskräfte. Am Donnerstag teilten die Behörden mit, 6.600 Häuser von Rohingya und 201 Häuser von Nicht-Muslimen seien seit dem 25. August niedergebrannt worden.

Im westlichen Bundesstaat Rakhine liefern sich Armee und Rohingya-Rebellen seit dem 25. August schwere Kämpfe. Aufständische hatten Polizeiposten angegriffen, daraufhin hatte das Militär mit "Räumungsoperationen" reagiert, um Kämpfer zu vertreiben, die sich in Dörfern des Bundesstaats Rakhine versteckten.

Die Zahl der Rohingya, die seit Ende August ins Nachbarland Bangladesch geflohen sind, ist nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks dramatisch gestiegen. In den vergangenen zwei Wochen seien etwa 270.000 Menschen angekommen, bestätigte Sprecherin Vivian Tan. "Das ist eine alarmierende Zahl", sagte sie. Am Donnerstag war die Menge der seit dem 25. August eingetroffenen Rohingya noch auf 164.000 geschätzt worden.

Immer mehr Rohingyas fliehen per Boot

Tan erklärte, die Behörden hätten eine Reihe neuer Flüchtlingslager in der Region entdeckt. Viele der Gebiete seien nur schwer zugänglich. Die bestehenden Lager hätten die Grenze ihrer Aufnahmemöglichkeiten erreicht. Die Behörden stünden unter Hochdruck, die immer größere Zahl von Flüchtlingen unterzubringen. Viele Rohingya kauerten in Behelfsbehausungen, die entlang von Straßen und auf Feldern aus dem Boden geschossen seien.

Die Internationale Organisation für Migration teilte mit, eine steigende Zahl von Rohingya komme über das Meer nach Bangladesch. Allein am Mittwoch seien 300 Boote in der Stadt Cox's Bazar gelandet. Derzeit sei die Route aber besonders gefährlich, weil Boote in der rauen See häufig kenterten. Internationale Hilfsorganisationen haben acht Millionen Dollar (rund 6,6 Millionen Euro) für Flüchtlingshilfe bereitgestellt.

Ex-Direktor von Nobel-Institut über Suu Kyi enttäuscht

Unterdessen wächst die Kritik an der Friedensnobelpreisträgerin und faktischen Regierungschefin Myanmars, Aung San Suu Kyi. "Ich bin sehr enttäuscht von ihrer Haltung", sagte Geir Lundestad, der frühere Direktor des norwegischen Nobel-Instituts. Sie sehe die Gewalt gegen die Rohonyas "einfach nur als eine Frage von Terrorismus, und sie hat keine Bemühungen unternommen, in dieser sehr schwierigen Lage eine politische Lösung zu finden". Ihre Auszeichnung aus dem Jahr 1991 könne Suu Kyi gemäß den Statuten der Nobel-Stiftung aber nicht aberkannt werden, betonte er.

Die 72-jährige Suu Kyi führt seit vergangenem Jahr als "Staatsrätin" praktisch die Regierung, ohne offiziell den Titel einer Ministerpräsidentin innezuhaben.

Die Rohingya gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Myanmar betrachten sie als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele der Rohingya schon seit Generationen in Myanmar leben.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.