Wie ernst die Lage in Kalifornien ist

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Tausende fliehen vor Waldbränden - Wie ernst die Lage in Kalifornien ist

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Wieder fliehen in Kalifornien Tausende vor Waldbränden. Wieder sind Promis darunter. Und wieder stellt sich die Frage: Echtes (Klima-)Problem oder Medienspektakel? Eine Einordnung.

Waldbrände in Kalifornien
Bis Ende Oktober haben die kalifornischen Behörden 5.000 Feuer gezählt.
Quelle: ap

Die Welt schaut hin, wenn Arnold Schwarzenegger wegen der Waldbrände in Kalifornien sein Haus verlassen muss, wie in dieser Woche. Oder wenn Thomas Gottschalk seines gleich ganz verliert, so wie im letzten Jahr. Es lenkt den Blick auf eine Region der USA, die traditionell mit Waldbränden zu kämpfen hat. Hollywood liegt in der Nähe, und da drängt sich die Frage auf: Finden kalifornische Brände vielleicht deshalb mehr Beachtung als die im Regenwald Südamerikas, in Sibirien oder auf Mittelmeerinseln?

Vermutlich. Fakt ist aber auch: Die Brände in Kalifornien werden über die Jahre gesehen immer größer und treten immer häufiger auf. Und sie sind gefährlich, vor allem, wenn besiedelte Gebiete direkt an Waldflächen angrenzen. Durch das gerade in Nordkalifornien tobende so genannte "Kincaid Fire" wurden bereits rund 100 Gebäude zerstört, mehr als 100.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die meisten von ihnen sind keine Stars.

Weniger Brände in diesem Jahr

Richtig ist dabei auch, dass 2019 in der bisherigen Statistik dennoch nur einen Randplatz einnimmt. Das California Department of Forestry & Fire Protection hat bis Ende Oktober rund 5.000 Feuer gezählt. Betroffen war eine Fläche von gut 30.000 Hektar. Zum Vergleich: Der Fünf-Jahres-Durchschnitt liegt bei mehr als 6.000 Bränden und einer Fläche von rund 150.000 Hektar. Im besonders schlimmen Jahr 2018 waren zu diesem Zeitpunkt bereits 256.000 Hektar Fläche zerstört. Auch wenn der Westküstenstaat in diesem Jahr bisher vergleichsweise glimpflich davongekommen ist - der längerfristige Trend spricht eine klare Sprache: Schwere Feuer nehmen zu.

Von den zehn größten einzelnen Waldbränden der kalifornischen Geschichte liegen neun im Zeitraum nach dem Jahr 2000, die schlimmsten Brände wüteten 2017 und 2018. Besonders fatal im vergangenen Jahr war das "Camp Fire": 85 Menschen starben, fast 19.000 Gebäude wurden zerstört.

Immer mehr, immer größere Feuer

"Wenn es so aussieht, als würde es in Kalifornien immer mehr und immer größere Feuer geben, dann liegt das daran, dass es so ist", schreibt die NASA auf ihrer Homepage und fasst damit das Ergebnis einer im Sommer vorgelegten Studie zusammen.

Seit 1896 ist danach in Kalifornien die Durchschnittstemperatur der Monate März bis Oktober um 1,8 Grad angestiegen. Gleichzeitig ist die Luftfeuchtigkeit gesunken. Mit  dramatischen Folgen für die Wälder: Sie trocknen aus und brennen leichter. Laut Studie ist die jährlich durch Feuer zerstörte Fläche seit 1972 um mehr als 400 Prozent gewachsen.

Für Kalifornien sind die Ereignisse der letzten zwei bis drei Jahre der zunehmenden Klimaerwärmung und stärker werdenden Trockenheit zuzuordnen.
Kirsten Thonicke, PIK

"Für Kalifornien sind die Ereignisse der letzten zwei bis drei Jahre der zunehmenden Klimaerwärmung und stärker werdenden Trockenheit zuzuordnen", bestätigt auch Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Das Feuerrisiko habe sich dabei auf neue Gebiete ausgedehnt. "Wie im letzten Jahr brennen auch in diesem Jahr Flächen in Nordkalifornien, das als Weinanbaugebiet bislang mit Waldbränden nicht konfrontiert war."

Trend: Wohnen im Wald

Und es kommen weitere Faktoren hinzu, die die Gefahr verschärfen: Immer mehr Menschen wollen am Waldrand oder sogar im Wald wohnen. Damit sind sie nicht nur die ersten, die in Sicherheit gebracht werden müssen. Sie kommen auch als Auslöser infrage. Denn meist sind die Brände menschengemacht: Neben weggeworfenen Kippen haben auch platzende Reifen und umgefallene Strommasten schon Feuer entzündet. Vorsorglich wurde deshalb jetzt 2,2 Millionen Menschen in Nordkalifornien der Strom abgestellt.

Park Williams von der Columbia University und Autor der von der NASA veröffentlichten Studie weist außerdem darauf hin, dass ausgerechnet auch die Erfolge in der Brandbekämpfung problematisch sein können. Denn über ein Jahrhundert hinweg seien auch Feuer gelöscht worden, die kleinere Flächen freigemacht hätten. Williams: "Mehr denn je ist damit der Tisch für einen richtig großen Brand gedeckt, sobald es nur heiß und trocken wird."

Wind aus der Wüste

Gebannt ist die Gefahr auch in diesem Herbst noch nicht. Schuld sind starke Winde, die für diese Zeit typisch sind. "Sie kommen aus der Wüste im Landesinneren, trocknen die Vegetation stark aus und fachen die Feuer im Gebirge stark an", sagt Kirsten Thonicke vom PIK. Nicht auszuschließen also, dass es weitere Meldungen über kofferpackende Promis geben wird.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

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