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Kamine produzieren Feinstaub - Die Schonfrist läuft ab

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Winterzeit ist Kaminzeit. Aber ist diese Art der Gemütlichkeit auch umweltfreundlich? Einige Feuerstellen jedenfalls müssen ab Januar kalt bleiben oder nachgerüstet werden.

Ein Holzkamin
Ein Holzkamin

Nicht nur Dieselautos verpesten die Luft, auch Kaminöfen stoßen Feinstaub aus. "Einige Untersuchungen sprechen dafür", sagen Fachleute im Umweltbundesamt, "dass Feinstaub aus Holzöfen ähnlich schädlich ist wie Dieselruß".

In Stuttgart beispielsweise gelten nach Auskunft der Stadtverwaltung holzbefeuerte Kamine und Öfen in Privathaushalten nach dem Straßenverkehr als "zweitgrößte Verursacher" von Feinstaub. Wenn die Stadt Feinstaubalarm ausruft, dann müssen nicht nur Dieselautos stehen, sondern auch Komfort-Kamine kalt bleiben. Komfort-Kamine sind sogenannte Einzelraumbefeuerungsanlagen für Holz und Kohle. Sie sorgen nicht primär für Wärme in mit Heizungen ausgestatteten Häusern und Wohnungen, sondern vor allem für Gemütlichkeit. Die Stuttgarter werden über Tageszeitungen, Internet und soziale Medien über den Alarm informiert. Die Stadtverwaltung geht "grundsätzlich davon aus, dass sich die Bürger rechtstreu verhalten" und ihre Kamine dann nicht anschüren. Dennoch sind zwei Teams der Stadt mit jeweils zwei Kontrolleuren unterwegs. Grundlage für ihre Kontrollen sind die Kehrbücher der Schornsteinfeger.

Schornsteinfeger kontrollieren alle sieben Jahre

Aber nicht nur im Stuttgarter Talkessel werden Feuerstätten für feste Brennstoffe kontrolliert. Seit 2010 gilt die Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV). Danach müssen alte Feuerstätten, die bestimmte Grenzwerte nicht erfüllen, sukzessive nachgerüstet oder stillgelegt werden. Nicht betroffen sind Kamine, die mit Gas, Strom oder Ethanol betrieben werden. Ob die Grenzwerte erreicht werden oder nicht, kann man beim Hersteller erfahren oder beim Schornsteinfeger. Zweimal in sieben Jahren führen die örtlichen Schornsteinfeger außerdem eine sogenannte Feuerstättenschau durch, bei der der technische Zustand des Ofens überprüft wird. Wenn Nachbarn sich über Ruß und Gestank beschweren kommen sie auch vorbei.

Bei Kaminen, die vor der Verordnung 2010 in Betrieb gingen, liegen die Grenzwerte bei 0,15 Gramm Feinstaub pro Kubikmeter Abgas. Für Öfen, die nach 2015 installiert wurden, sind nur noch 0,04 Gramm Feinstaub erlaubt. Wer die Grenzwerte nicht einhält, kann mit einem Ordnungsgeld oder ersatzweise mit Ordnungshaft bestraft werden. Ein relativ hartes Urteil verhängte 2009 das Landgericht Dortmund. Es verurteilte einen Ofenbesitzer zu einem Ordnungsgeld von 10.000 Euro. Bei Erlass der Verordnung hat der Gesetzgeber sozialverträgliche Übergangsfristen eingeräumt. Ab Januar 2018 nun müssen Feuerstätten, die vor 1984 installiert wurden und die Grenzwerte nicht einhalten, nachgerüstet werden oder für immer kalt bleiben.

Nachrüsten ist kostspielig

Was tun? "Neue Feuerstätten sind immer der bessere Weg", sagt Stefan Eisele, Präsident des Landesinnungsverbands des Schornsteinfegerhandwerks Baden-Württemberg. Nachrüsten sei "kostspielig und oft schwierig". Auch seien Filter meist nicht so effizient wie die neuen Geräte, die die vom Gesetzgeber festgeschriebenen Grenzwerte längst erreichten.

Doch die beste Feuerstelle produziere trotzdem mehr Feinstaub als zugelassen, "wenn sie falsch befeuert wird", warnt Eisele. Wer keinen Ruß im Ofenrohr, im Zimmer haben und auch die Nachbarn damit nicht ärgern will, merke sich einen "Dreiklang - einen guten Kamin befeuert man mit kleinen Stücken gut getrocknetem und gelagertem Holz, das möglichst aus der eigenen Region stammt", sagt Eisele. Eine saubere Verbrennung hinterlässt fast nur feine, weiße Asche.

Wer sich an den Dreiklang von Schornsteinfeger Eisele hält, hat nicht nur einen Kamin im Haus, der Wärme und Gemütlichkeit ausstrahlt, sondern auch noch umweltfreundlich ist. Holz gilt als klimaneutral, weil es nur so viel CO2 freisetzt, wie es zu Lebzeiten des Baums aufgenommen hat. Außerdem, so Eisele, wachse der Brennstoff  immer wieder nach - in Deutschland gefördert durch eine "nachhaltige Forstwirtschaft, die nicht nur abholzt, sondern auch aufforstet".  

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