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Verdreckte Ozeane - Kampf gegen den Plastikwirbel

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Auf den Ozeanen treiben gewaltige Plastik-Wirbel. Der Schaden für Umwelt und Wirtschaft ist enorm. Deshalb sagen immer mehr Initiativen den Müll-Massen den Kampf an.

Müll im Meer
Müll im Meer Quelle: ap

Bescheidenheit ist nicht sein Ding: Boyan Slat hat nichts Geringeres vor als die "größte Aufräumaktion der Geschichte". Dabei ist der Niederländer gerade einmal 23 Jahre alt, studiert eigentlich Luft- und Raumfahrttechnik. Ein Träumer, sollte man meinen, wenn er nicht tatsächlich kurz davor stünde loszulegen.

Gewaltiger Müll-Wirbel

Schon Mitte 2018, so kündigte Slat im Mai vor mehreren tausend Unterstützern an, werden die Schiffe der von ihm gegründeten Initiative "The Ocean Cleanup" mit dem Saubermachen beginnen. Und zwar im Nordpazifik. Dort treibt der größte der so genannten Plastikwirbel. In nur fünf Jahren wollen Slats Sammler nach eigenen Computerberechnungen die Hälfte der pazifischen Müllinsel abgetragen haben. Das gesammelte Plastik soll recycelt und wiederverwendet werden. "Unsere Mission ist es, die Ozeane der Welt von Plastik zu befreien", sagt Slat.

Die Idee: Zwei je 600 Meter lange schwimmende Röhren werden zu einem großen U gekoppelt. Darunter hängen riesige Siebe, die den von der Meeresströmung getriebenen Müll an einer Stelle sammeln, wo er dann herausgefischt werden kann. Bewegliche "Anker" unter der Meeresoberfläche bremsen das Sieb, so dass es langsamer ist als der Müll und diesen auffangen kann.

Unter den Finanziers und Förderern des Projekts: die niederländische Regierung, unzählige Privatleute und amerikanische Technologie-Firmen. Die Unterstützung ist so groß, dass der "Cleanup" nun viel früher starten kann als geplant. Die gewaltigen Röhren werden gerade hergestellt. "Wir haben die Technik und die Mittel“, sagt Slat. "Nun müssen wir natürlich noch beweisen, dass es auch funktioniert."

Plastik ist leicht, beliebig formbar, stabil und billig! Doch, im Meer baut es sich so gut wie gar nicht ab. Die Folge: Unsere Ozeane sind voll von Plastik-Müll...

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Flotte von "Seekühen"

"The Ocean Cleanup" ist sicher die spektakulärste unter den Aufräumaktionen. In bescheidenerem Rahmen gibt es aber eine Reihe von Projekten mit ähnlichen Ambitionen. Zum Beispiel die "Seekuh", ein zwölf Meter langer Katamaran der Organisation "One Earth - One Ocean". Vor einem Jahr ist der Prototyp in Lübeck vom Stapel gelaufen. Er sammelt pro Fahrt etwa zwei Tonnen Plastikmüll in einer Tiefe von bis zu vier Metern. Die Boote des Typs sollen künftig mit Solar- oder Windstrom angetrieben werden. "One Earth - One Ocean" will bald eine ganze Flotte davon einsetzen - vor allem an Mündungen und in Küstennähe.

Für so viel Engagement gibt es gute Gründe: Zehntausende Tiere sterben, weil sie Plastik fressen. Über die Nahrungskette landet der Müll in Kleinstteilen auch auf unseren Tellern. Und: Es kostet zunehmend Geld, die Touristenstrände zu reinigen oder beschädigte Schiffsschrauben zu reparieren. Daneben entdecken auch die Fischer zunehmend ihr Interesse an sauberen Meeren.

Fischen nach Plastik

Und genau das ist die Basis für den Erfolg der Initiative "Fishing for Litter". Die schlichte Idee: Die Fischer nehmen spezielle Säcke mit, in die sie den "Beifang" aus Plastik stecken und im Hafen entsorgen können. Vor allem Kommunen in den Niederlanden, Schweden, Großbritannien und auf den Färöer-Inseln treiben das Projekt voran. Seit 2011 wird auch von Deutschland aus in Nord- und Ostsee nach Plastikmüll gefischt. Inzwischen sind hier 15 Häfen und 150 Fischer beteiligt.

"Die Fischer wissen, dass die Plastikbelastung in den Meeren auch eine Gefahr für ihre Produkte, ihren Lebensunterhalt darstellt", sagt Kim Detloff  vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), der in Deutschland "Fishing for litter" zusammen mit Behörden und Unternehmen organisiert. Schon deshalb, weil der Müll den Fang verunreinigt oder auch mal den Schiffspropeller demoliert. "So hat sich nach anfänglicher Berührungsangst heute eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt." Bis jetzt wurden immerhin etwa 25 Tonnen Müll aus der Nord- und Ostsee geholt.

"Dickere Bretter"

Das Problem allerdings: Die tollsten Initiativen helfen wenig, solange die Plastikwirbel konstant Nachschub bekommen. "Wir müssen die dicken Bretter bohren, um aus der Plastikfalle zu entkommen", sagt NABU-Experte Detloff. Vorsorge sei dabei wichtiger als Nachsorge. "Wir müssen weniger Kunststoffe produzieren und konsumieren, Müll generell vermeiden und Ressourcen besser und nachhaltig nutzen."

Weg von der Einweg-Mentalität, maximales Recycling fordert er, daneben Hilfen für die Länder, in denen es keine funktionierenden Abfallsysteme gibt. Teure Projekte wie den "Ocean Cleanup" sieht Detloff dagegen skeptisch, weil sie auf Dauer nicht das Problem lösen. "Diesen Wettlauf, ihr schmeißt weiter Plastik in die Meere, wir holen es irgendwo und irgendwie schon wieder raus, können wir nicht gewinnen."

Plastikmüll

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