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Regenwald - Kampf um den Amazonas Fund

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Die Sorge der Umweltschützer um den Regenwald in Südamerika ist groß. Was auf dem Spiel steht, zeigt die Debatte um den Amazonas Fund - und was dieser für die Menschen bedeutet.

Illegal geschlagene Baumstämme aus dem Amazonas Regenwald werden abtransportiert.
Illegal geschlagene Baumstämme aus dem Amazonas Regenwald werden abtransportiert.
Quelle: Reuters

Caetano Scannavino (53), Koordinator des Projekts "Saude e Alegria" (Gesundheit und Freude) in Santarem im brasilianischen Bundesstaat Para, ist fassungslos. "Der Amazonas Fund ist eine national und internationale anerkannte brasilianische Initiative, die zahlreiche prämierte Projekte unterstützt. Es ergibt keinen Sinn, dass es eine brasilianische Regierung wünscht, diesen Fond zu zerstören, auch weil er Empfänger von internationalen Geldern ist, die von anderen Ländern zur Verfügung gestellt werden und die unter der Verwaltung der brasilianischen Regierung stehen."

Es wäre ein schwerer Schlag für die Umweltschützer

Was Scannavino diplomatisch ausdrückt, hätte nicht nur für seine, sondern auch für viele andere Projekte und Organisationen verheerende Folgen. Bisher wurden 103 Projekte von dem Fund unterstützt. Und sie alle beschäftigen sich damit, ihren Beitrag zu leisten, um die Abholzung des Regenwalds in Brasilien zumindest zu bremsen. Ohne die Gelder des Funds müssten sie ihre Arbeit wohl einstellen oder teilweise reduzieren.

Umweltschützer Caetano Scanavinno kritisiert die Regierung Bolsonaro scharf.
Umweltschützer Caetano Scanavinno kritisiert die Regierung Bolsonaro scharf.
Quelle: Tobias Käufer

Das wäre ein schwerer Schlag für die Umweltschützer vor Ort. Die Zukunft des von Deutschland und Norwegen zum Schutz des Amazonaswaldes finanzierten "Amazon Fund" ist akut bedroht. Bolsonaro droht offen mit der Auflösung des Funds. Seit 2009 zahlte Norwegen rund 1,2 Milliarden US-Dollar in den Fund ein, Deutschland etwa 68 Millionen US-Dollar. Rund die Hälfte dieser Summe wurden bereits an Waldschutzprojekte weitergereicht.

Kettensägen leisten im Juni wieder einmal Akkordarbeit

Derweil leisteten die Kettensägen im Juni wieder einmal Akkordarbeit. Die Abholzungen im brasilianischen Teil des Amazonas-Regenwald sind im Juni um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen, berichtete die Zeitung "O Globo" vor wenigen Tagen unter Berufung auf das staatliche Weltraumforschungsinstitut Inpe. Die Daten erhält Inpe über Satelliten, die die Region aus dem Weltraum überwachten. Insgesamt gingen demnach im Juni 762 Quadratkilometer Urwald verloren. Der Anstieg markiert den höchsten Anstieg seit 2016.

Die Kräfte bündeln: Aktivisten und Kleinbauern beraten über die aktuelle Situation.
Die Kräfte bündeln: Aktivisten und Kleinbauern beraten über die aktuelle Situation.
Quelle: Tobias Käufer

Die Rekord-Zahlen wie zu Beginn des Jahrhunderts unter Präsident Lula da Silva (2003-2011) werden allerdings noch nicht erreicht. Das Projekt "Saude e Alegria" setzt sich unter anderem für den Erhalt der ökologisch wichtigen "indigenen" Amazonas-Bienenvölker ein, deren Existenz durch Abholzung und Pflanzenschutzmittel gefährdet ist. Ohne die Bienen würde dort das Ökosystem bedroht. Darüber hinaus werden im Projekt indigene Kleinbauern aus- und weitergebildet, um sich für auf die Anforderungen des Klimawandels vorzubereiten.

Kampf um die Zukunft des Regenwaldes

"Der Fond hat praktische Resultate erzielt, ist überprüft, transparent und anerkannt. Die Geldgeber aus Deutschland und Norwegen fordern Ergebnisse ein und sind zufrieden mit den Resultaten. Es existieren so viele Probleme in Brasilien, deswegen weiß ich nicht, warum versucht wird ein Problem zu finden, wo eine Lösung existiert", sagt Scannavino.

Der Kampf um den Erhalt des Funds steht stellvertretend auf für den Kampf um die Zukunft des Regenwaldes. Brasiliens neue Regierung um den rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro will die Grenzen indigener Territorien aufweichen, damit auch dort Flächen für die industrielle Agrar-Produktion erschlossen werden können. Die Menschen am Zusammenfluss des Rio Tapajos und des Amazonas wollen das aber nicht hinnehmen.

Nach einem halben Jahr Bolsonaro-Regierung baut sich der Widerstand gegen die Regierung auf. Es gründen sich Jugendbewegungen, die indigenen Vertreter und Umweltschützer tun sich zusammen. "Die Pläne der Regierung sorgen für eine Mobilisierung an der Basis", sagt Scannavino, der die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben hat. "Wir hoffen, dass sich die Einsicht durchsetzen wird, diesen Fund jetzt zu perfektionieren, zu verbessern und weitere Aspekte zu ergänzen und nicht, dass etwas, was Erfolg hat, zerstört wird."

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