Was für Kampfdrohnen spricht - und was dagegen

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Pro und Contra - Was für Kampfdrohnen spricht - und was dagegen

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Seit Jahren tobt die Debatte um Kampfdrohnen - ohne Ergebnis. Auch heute hat der Bundestag wieder über die Waffen diskutiert. Doch braucht die Bundeswehr solche Waffen überhaupt?

Archiv: Drohne des Typs "Heron TP".
Archiv: Drohne des Typs "Heron TP".
Quelle: DPA

Die einen bezeichnen es als "Schutz für die Soldaten", die anderen nennen es "Töten per Joystick". Heute hat sich der Bundestag erneut mit der Frage beschäftigt, ob die Bundeswehr bewaffnete Drohnen braucht. Das fordern zumindest FDP und AfD in separaten Anträgen - die beide jedoch abgelehnt wurden. Doch welche Argumente gibt es in dieser Debatte? Und wie stichhaltig sind sie? Eine Übersicht.

Pro: Bewaffnete Drohnen können schneller reagieren

Bewaffnete Drohnen können das Leben unserer Soldatinnen und Soldaten retten.
Henning Otte (CDU)

Eine deutsche Patrouille kommt in einen Hinterhalt und wird beschossen. Mithilfe einer Drohne erkennt ein Drohnenpilot aus der Ferne hinter einer Mauer den Schützen - der sofort getötet wird, bevor ein Soldat verletzt wird. Ein solches Szenario beschreibt der Abgeordnete Henning Otte (CDU) während der Bundestagsdebatte und folgert: "Bewaffnete Drohnen können das Leben unserer Soldatinnen und Soldaten retten."

Hat man ein Ziel ausgespäht, kann man es sofort ausschalten. Ohne bewaffnete Drohnen müsste man erst einen weiteren Schussbefehl geben - beispielsweise an ein Flugzeug. Bis dahin könnte das Ziel bereits wieder verschwunden oder die Soldaten verletzt sein. "Bewaffnete Drohnen würden die Zeit zwischen der Aufklärung und der möglichen Wirkung verkürzen", meint auch Marcel Dickow, Sicherheitsexperte von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Dieses Argument könne man nicht von der Hand weisen. "Eine Drohne kann sofort angreifen."

Pro: Bewaffnete Drohnen sind ausdauernder und präziser

Daneben führen Befürworter bewaffneter Drohnen an, dass die Systeme präziser seien als herkömmliche Waffensysteme - beispielsweise Mörser. Allerdings gibt es immer wieder zivile Opfer bei Drohnenangriffen. Das "Bureau of Investigative Journalism" geht davon aus, dass seit dem Jahr 2004 zwischen 700 und 1.700 Zivilisten bei solchen Angriffen getötet wurden - bis zu 400 davon Kinder.

Trotzdem sagt Expertin Ulrike Franke vom "European Council on Foreign Relations", dass bewaffnete Drohnen im Schnitt präziser sind als andere Systeme.

Die Zahl der Opfer hänge letztlich von der Kriegsführung ab. Setzt ein Land Kampfdrohnen rücksichtslos ein, kommen natürlich auch mehr Menschen ums Leben.

"Kleinere Raketensysteme ermöglichen weniger Kollateralschäden" - ein Vorteil von Kampfdrohnen, sagt Franke. So sei es einfacher, präzise Angriffe auszuführen. Dabei helfe es, dass Drohnen länger als Kampfjets in der Luft bleiben können. "Sie haben keine Eile." So würden sie beispielsweise ein Auto so lange verfolgen, bis Kollateralschäden vermieden werden könnten.

Contra: Bewaffnete Drohnen werden für gezielte Tötungen eingesetzt

Die USA führen bereits seit vielen Jahren mithilfe von Drohnen einen Krieg gegen den Terrorismus. Gezielt werden gefährliche Personen getötet. Dieses Vorgehen dominiert das öffentliche Bild von bewaffneten Drohnen. "Auf jeden Fall ist die Hemmschwelle geringer für den Einsatz tödlicher Gewalt", meint Tobias Pflüger von den Linken.

Allerdings glaubt Expertin Ulrike Franke nicht, dass Deutschland mit gezielten Tötungen beginnt, nur weil es dank bewaffneter Drohnen möglich wäre. "Das halte ich für absurd."

Gezielte Tötungen will auch die FDP nicht - die seien ganz klar gegen das Grundgesetz. Marcel Dickow von der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht allerdings eine ganz andere Gefahr. Bewaffnete Drohnen könnten Kriege entgrenzen. "Diese Systeme verführen dazu, fliehende Angreifer - beispielsweise in einem Bürgerkrieg - zu verfolgen, obwohl sie keine Kombattanten mehr sind." Eine völkerrechtliche Grauzone, meint Dickow.

Contra: Drohnen führen zu automatisierten Kriegen

Zusammen mit künstlicher Intelligenz können Drohnen zu autonomen Waffensystemen mutieren
Tobias Pflüger (Die Linke)

Darüber hinaus befürchten Kritiker, dass bewaffnete Drohnen ein weiterer Schritt in Richtung automatisierter Kriege sind. "Zusammen mit künstlicher Intelligenz können Drohnen zu autonomen Waffensystemen mutieren", fürchtet Tobias Pflüger von den Linken.

Diese Gefahr sieht auch Marcel Dickow. "Bewaffnete Drohnen sind die Einstiegsdroge in viel stärker automatisierte Systeme." Allerdings merkt Ulrike Franke vom "European Council on Foreign Relations" an, dass man beide Debatten nicht miteinander vermischen dürfe. Bewaffnete Drohnen seien noch lange keine automatisierten Kriegswaffen.

Selbst in der Wissenschaft sind bewaffnete Drohnen umstritten. Ulrike Franke ist überzeugt, dass solche Waffen auch für die Bundeswehr Sinn machen würden. Marcel Dickow ist nicht überzeugt, dass die deutsche Armee solche Waffen braucht. Die Vorteile seien zu verschmerzen, "wenn man dafür akzeptiert, dass die sicherheitspolitischen Konsequenzen von Drohnen und was danach kommt viel gravierender wären."

Soldaten der Bundeswehr. Archivbild

Studie zu deutscher Außenpolitik -
Was wollen die Deutschen von der Bundeswehr?
 

Trotz Skandalen haben viele Deutsche eine positive Meinung von der Bundeswehr. Sie fordern eine aktive Außenpolitik - und einen engeren Kontakt zwischen Militär und Bürgern.

von Nils Metzger
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