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Handelsstreit - Zoll für Zoll: Kanada reagiert auf Trump

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US-Strafzölle auf Aluminium und Stahl will sich Kanada nicht gefallen lassen - und reagiert mit Gegenzöllen. "Dollar für Dollar", sagt Kanadas Außenministerin Freeland.

Strafzölle auf US-Importe von Stahl und Aluminium
Strafzölle auf US-Importe von Stahl und Aluminium Quelle: dpa

Kanada erhebt ab Sonntag Zölle auf US-Waren im gleichen Umfang, wie sie der amerikanische Präsident Donald Trump für kanadische Stahl- und Aluminiumlieferungen verfügt hat. Außenministerin Chrystia Freeland sagte am Freitag, es handele sich um eine "genau wechselseitige Aktion" im Umfang von 12,6 Milliarden Dollar (rund 11 Milliarden Euro). "Es ist eine Antwort Dollar um Dollar." Kanada bedaure das. Ottawa wolle den Streit nicht weiter anheizen, werde aber auch nicht nachgeben.

Produkte für Gegenzölle politisch ausgewählt

Vom 1. Juli werden US-Waren wie Ketchup, Rasenmäher und Motorboote mit Zöllen von 10 oder 25 Prozent belegt. Die Produkte wurden eher nach politischen als nach wirtschaftlichen Gründen ausgewählt. So importiert Kanada jährlich für gerade mal drei Millionen Dollar Joghurt aus den USA. Diese Lieferungen kommen zum größten Teil aber aus Wisconsin, dem Heimatstaat des republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Paul Ryan. Der Zollsatz für Joghurt liegt ab Sonntag denn bei zehn Prozent. Auf der Zoll-Liste steht weiter Whiskey aus Tennessee und Kentucky, letzteres Heimatstaat des republikanischen Senatsmehrheitsführers Mitch McConnell. Freeland sagte, Kanada sei vorbereitet, sollte Trump den Handelsstreit verschärfen. "Es ist absolut notwendig, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzt", sagte sie.

Mit Blick auf die Neuverhandlungen rund um den Freihandelspakt Nafta - eine von Mexiko, den USA und Kanada geschlossene Vereinbarung - erklärte Freeland, ihr Land hoffe auf das Beste. "Aber bereitet sich für das Schlimmste vor." Dies sei von Tag eins an der Ansatz Kanadas gewesen.

Freeland: Nordamerikanische Autoproduktion sehr vernetzt

Trump hatte die Zölle auf Aluminium- und Stahleinfuhren aus dem Ausland damit begründet, dass die nationale Sicherheit der USA gefährdet sei. Er hat zudem gedroht, Strafzölle auf Autos, Lastwagen und Fahrzeugteile zu erheben. Am Freitag bekräftigte er an Bord der Air Force One, in den kommenden Wochen werde eine Untersuchung dazu abgeschlossen. Die USA seien von ihren Partnern unfair behandelt worden. Experten zufolge könnte die Drohung eine Verhandlungsmasche in den stockenden Nafta-Gesprächen sein.

Freeland bezeichnete die etwaigen Strafzölle in der Autoproduktion als "absurd". Die nordamerikanische Branche sei sehr vernetzt; oftmals würden in Kanada hergestellte Teile in Autos eingebaut, die in den USA zusammengesetzt würden, die danach wiederum in Kanada zum Verkauf stünden. Auf diesen Prozess einzuwirken, sei "auf beiden Seiten der Grenze störend", warnte die Außenministerin. Mit Blick auf Nafta sagte sie, die Neuverhandlungen dürften nach der Präsidentschaftswahl in Mexiko am Sonntag vermutlich so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden.

Gegenwind für Trump auch von GM

Auch der größte US-Autokonzern General Motors (GM) warnte Trump vor höheren Einfuhrzöllen auf Fahrzeuge aus dem Ausland. Sollte die Regierung die Handelsschranken für Autohersteller erhöhen, so berge dies Risiken, die auch in den USA der Wettbewerbsfähigkeit schaden und zu Jobverlusten führen könnten, teilte der Konzern am Freitag mit. Zuvor hatte bereits der Lobbyverband Auto Alliance, zu dem neben GM auch Branchengrößen wie Ford, Toyota oder Volkswagen zählen, vor hohen Kosten für Verbraucher gewarnt. "Zölle auf Autos und Autoteile erhöhen die Preise für Kunden, sie vermindern die Auswahl und laden Handelspartner zu Vergeltungsmaßnahmen ein", hieß es in dem Appell.

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