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So geht ein Zuwanderungsgesetz - Go, Canada, go: Einwanderer willkommen

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Deutschland diskutiert über ein Zuwanderungsgesetz, Kanada hat es bereits: Das kanadische Modell gilt weltweit als vorbildlich.

Passanten am alten Hafen in Montreal (Archivbild)
Multikulturell geprägtes Leben am Hafen in Montreal: Kanadas Bevölkerung zeichnet sich traditionell dadurch aus, dass sie sich aus vielen Ethnien zusammensetzt. Quelle: imago

Navdeep Bains ist Sikh, Harjit Sajjan ebenfalls. Maryam Monsef kommt aus Afghanistan. Ihr Kollege Ahmed Hussen stammt aus Somalia. Alle vier sind Minister im Kabinett des kanadischen Premierministers Justin Trudeau. "Kanada ist eine Nation von Einwanderern", sagt Ahmed Hussen. Er floh einst vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat Somalia nach Kanada, studierte, arbeitete als Anwalt für Einwanderer und wurde kanadischer Staatsbürger.

Seit 2017 ist der gläubige Muslim nun Einwanderungsminister. "Zuwanderung wird in Kanada als etwas Positives empfunden", sagt er. "Einwanderer leisten wichtige Beiträge zum Wirtschaftswachstum, zum sozialen und kulturellen Leben. Wir nehmen diejenigen auf, die Schutz brauchen, aber auch diejenigen, die besondere Fähigkeiten und Talente mitbringen."

Flüchtlinge und Fachkräfte

Knapp 310.000 Einwanderer kommen 2018 nach Kanada. 2020 sollen es 340.000 Zuwanderer sein, so viele, wie seit über 100 Jahren nicht mehr. Menschen auf der Flucht zählen dazu und solche, die im Rahmen des Familiennachzugs einwandern - aber auch Fachkräfte, die auf Grundlage eines Punktesystems gezielt ausgewählt werden, nach Alter, Ausbildung, Sprachkenntnissen und Berufserfahrung."

"Einwanderung ist in Kanada kein uneigennütziges Gutmenschentum", so Phil Triadafilopoulos, Professor und Immigrationsexperte der Uni Toronto. "Kanada holt Menschen ins Land, weil wir glauben, dass sie helfen eine erfolgreiche Gesellschaft und vor allem Wirtschaft zu bilden."

Um jahrelange Wartezeiten und komplizierte Bürokratie zu vermeiden, wurde 2015 ein so genanntes "Express-Entry"-Verfahren eingeführt, eine Art Überholspur für Hochqualifizierte. Bewerber mit einem konkreten Jobangebot eines kanadischen Arbeitgebers ziehen an allen anderen vorbei und dürfen innerhalb weniger Wochen nach Kanada einwandern. Die Bewerbungen aus aller Welt werden online gesammelt und bearbeitet. Derzeit haben vor allem IT-Analysten, Software-Ingenieure und Computer-Programmierer beste Chancen. Wer kein konkretes Jobangebot hat, aber einen Beruf ausübt, der in Kanada dringend gesucht wird, hat ebenfalls gute Karten.

Punktesystem für die Überholspur

Mithilfe eines digitalen Rechners kann jeder seine Punktzahl, seinen Marktwert, ermitteln. Maximal 1200 Punkte können erreicht werden. Die Top-Bewerber können eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Wer eine permanente Aufenthaltsgenehmigung hat, darf einreisen und erhält - im Land angekommen - unterschiedliche Hilfsangebote. Spezielle "Welcome Center" in Städten und Gemeinden bieten Sprachkurse, Job- und Wohnungsvermittlung - gratis. Knapp 75.000 Fachkräfte wollen die Kanadier in diesem Jahr aufnehmen, 2020 sogar 85.800.

"Es ist eine Win-Win Situation für das Land und für die Einwanderer", sagt Mario Calla, Direktor eines Hilfszentrums für Einwanderer in Toronto. Denn ohne die neuen Einwanderer würde die kanadische Bevölkerung ab 2030 kontinuierlich schrumpfen. "Seit 2012 sind alle neugeschaffenen Jobs von Immigranten besetzt worden. Im Land geborene Kanadier sind schon jetzt nicht mehr in der Lage, durch Wachstum entstandene Jobs zu besetzen." Jeder fünfte Kanadier wurde außerhalb Kanadas geboren, in Wirtschaftsmetropolen wie Toronto und Montreal ist sogar jeder zweite Einwohner ein Einwanderer.

"Zuwanderung war für Kanada schon immer ein Schlüssel für eine wachsende Wirtschaft und Gesellschaft", sagt der kanadische Einwanderungsminister Ahmed Hussen aus Somalia. "In unserem Einwanderungssystem ist jeder willkommen, egal woher er kommt."

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