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Lindners Idee für Klimaschutz - Regenwald kaufen und Klima retten - geht das?

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Deutschland soll Regenwald kaufen, statt Milliarden in erneuerbare Energien zu stecken. Das ist für FDP-Chef Lindner ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz. Kann das funktionieren?

Regenwald
Quelle: reuters

Das ärgert Christian Lindner schon lange: 28 Milliarden Euro lassen wir uns die Förderung der erneuerbaren Energien kosten - ohne spürbaren Effekt für den Klimaschutz. Dieses Geld, so die Anregung des FDP-Chefs, sei doch viel besser für den Kauf von Regenwäldern etwa in Asien oder Südamerika eingesetzt.

Denn Bäume ziehen bei ihrem Stoffwechselprozess das Treibhausgas CO2 aus der Atmosphäre und lagern es im Holz ein. Da kommt eine beachtliche Speicherleistung zusammen, vor allem in tropischen Wäldern: Schätzungen zufolge sind allein im brasilianischen Regenwald in der dortigen Biomasse und im Boden 150 bis 200 Milliarden Tonnen CO2 gespeichert. Pro Jahr kommen ungefähr 380 Millionen Tonnen CO2 hinzu, knapp die Hälfte des deutschen CO2-Ausstoßes. Doch durch teils illegale Landnutzung zum Beispiel für Viehweiden und der damit verbundenen Abholzung gehen Waldflächen verloren, bis zu 15 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen sind auf die Zerstörung der Regenwälder zurückzuführen. Insofern geht Lindners Anregung auf den ersten Blick in die richtige Richtung.

Die CO2-Tücke steckt im Detail

"Wir brauchen unbedingt mehr Waldschutz", verlangt auch Volkhard Wille, Vorstand der Tropenwaldstiftung OroVerde. Seit vielen Jahren kümmert sich die Stiftung eben vor allem um den Schutz und die Wiederaufforstung der tropischen Regenwälder. Weit über eine Million Hektar Wald werden von Partnerorganisationen der Stiftung betreut. Eigenen Wald besitzt die Stiftung nicht, aus gutem Grund: "Die meisten Länder lassen überhaupt keinen Waldverkauf an ausländische Staaten zu", sagt Wille. "Oftmals existiert auch kein Grundbuch, die Eigentumsverhältnisse sind unklar."

OroVerde arbeitet stets mit lokalen Partnerorganisationen zusammen. "Es ist absolut wichtig, die Menschen vor Ort für den Waldschutz zu begeistern und ihnen zu sagen, wo ihr Ersatzeinkommen herkommen soll." Denn ein geschützter Wald steht ja als Einkommensquelle nicht mehr oder nur eingeschränkt zur Verfügung. Darin besteht die wichtigste Aufgabe beim Waldschutz: Die Strukturen vor Ort so einzurichten und zu stabilisieren, dass jahrzehntelang der Schutz des Waldes garantiert ist. Sonst lohne sich die gesamte Investition nicht, im Gegenteil, sie werde zur Fehlinvestition, so Wille.

UN-Waldschutzprogramm in der Kritik

Dass Klimaschutz über den Ankauf von Waldflächen nicht mal eben per Vertrag erledigt werden kann, diese Erfahrung  mussten auch die Organisatoren des UN-Waldschutzprogramms REDD+ machen. Als Ableger der Klimakonferenzen eingerichtet, sollten internationale Regeln zum Waldschutz erarbeitet und dann auch durchgesetzt werden.

Länder, die intakte Wälder nachweisen, können sich dies als Beitrag zum Klimaschutz anerkennen lassen. Die Schwächen liegen unter anderem im Monitoring, in der Überwachung. So gab es plötzlich Klimaschutz-Zertifikate für riesige Palmölplantagen, deren Klimaschutzleistungen deutlich geringer ausfallen und die zudem ein Problem für die lokale Artenvielfalt sind.

Kein Klimaschutz-Alibi

Richtig an Christian Lindners Anregung ist: Weltweit brauchen wir deutlich mehr Waldschutz und Wiederaufforstung. Das allerdings funktioniert nach allen bisherigen Erfahrungen nicht über den Ankauf von Flächen, sondern nur über Hilfe zum Ausbau der Strukturen vor Ort und die Einrichtung einer jahrzehntelangen Betreuung.

Falsch an Christian Lindners Anregung ist das Ausspielen gegen die Entwicklung der erneuerbaren Energien. Es sei denn, die FDP konstatiert, dass das im Weltklimaabkommen von Paris international vereinbarte Limit, die durchschnittliche Erwärmung der Erde bei zwei Grad zu halten, irrelevant ist. Um die Zwei-Grad-Grenze nicht zu überschreiten, dürfen 90 Prozent der vorhandenen Öl-, Kohle- und Gasreserven nicht mehr gefördert werden, sie müssen im Boden bleiben. Bisher ist eine Alternative zu den erneuerbaren Energien nicht in Sicht. Allein der Waldschutz jedenfalls ist es nicht.

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