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Angela Merkel - Kanzlerin auf Abruf

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Angela Merkel ist geschwächt. In der CDU sind viele unzufrieden mit ihr, sagt Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel. Nach 13 Jahren Kanzlerschaft beginnt der Kampf um ihr Erbe.

Sehen Sie hier den kompletten Berlin direkt-Beitrag über Merkels erodierende Macht.

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So richtig trauen sie sich nicht aus der Deckung. Angela Merkels Widersacher verhalten sich in dieser Woche auffällig unauffällig. Keine Interviews, erst recht keine Kandidatur um den CDU-Parteivorsitz - gegen Angela Merkel. Dabei sind Merkels innerparteiliche Gegner seit dieser Woche gestärkt wie lange nicht. Dass die Unions-Fraktion nicht etwa Merkels Kandidaten Volker Kauder zu ihrem Vorsitzenden wählt, sondern dessen Stellvertreter, Ralph Brinkhaus, ist auch ihr Triumph.

"Ein großer Teil der Fraktion ist einfach unzufrieden mit der Kanzlerin", sagt Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende strahle keine Energie mehr aus, führe die Partei nicht mehr. Und so habe sich die Fraktion die Wahl des Fraktionsvorsitzenden ausgesucht, um der Kanzlerin einen Denkzettel zu verpassen. Die Abwahl Volker Kauders nach 13 Jahren an der Spitze der Fraktion - sie ist eben auch ein deutliches Signal an Angela Merkel aus den eigenen Reihen.

Kandidatur um Parteivorsitz ist Dilemma für Merkel

Und Angela Merkel? Tut so, als sei nichts gewesen. Verkündet, dass sie Kanzlerin und Parteivorsitzende bleiben will. Auf dem CDU-Parteitag im Dezember will sie sich erneut zur Vorsitzenden wählen lassen. Das aber ist nicht ohne Risiko, ein Dilemma geradezu, sagt Wolfgang Merkel. Tritt sie nicht mehr an, wird sie an Macht verlieren, sagt er. Tritt sie hingegen wirklich an, muss sie fürchten, ein Ergebnis mit wenig Strahlkraft zu bekommen - also eine erneute Denkzettelwahl. Auch dann wäre sie geschwächt, sagt er.

Doch anstatt in dieser Lage in die Offensive zu gehen, duckt sich die gesamte Parteiführung weg. Interviewanfragen werden abgelehnt. Und auch Merkels interne Kritiker halten die Füße still. Noch. Es scheint, als würden beide Seiten erst einmal die Landtagswahlen in Bayern und Hessen abwarten. Beide Wahlen im Oktober spielen eine entscheidende Rolle. Bis dahin äußern sich lediglich Vertreter der konservativen und wenig einflussreichen "Werte Union". Fordern - wieder einmal - einen Kurswechsel der Partei und den Abgang Merkels.

Unmut über Merkel reicht tief in die CDU hinein

Doch der Unmut über Angela Merkel als Parteivorsitzende reicht inzwischen weit in die gesamte Partei hinein, ist eben nicht nur an den konservativen Rändern zu spüren. "Die Union versteht jetzt, dass ihre große Zeit als Volkspartei vorbei ist", sagt Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel. CDU und CSU lägen jetzt zusammen unter 30 Prozent in den Umfragen und hätten keine neue Strategie, wie sie aus dieser Krise herauskommen könnten.

"Da wäre die Kanzlerin, da wäre die Parteivorsitzende gefragt, einen Weg zu weisen", sagt er. Das aber tue Angela Merkel nicht. "Und deshalb gibt es großen Unmut ihr gegenüber in der Fraktion, in der Partei. Ich meine, es wird keine Überbrückung dieser Kluft in nächster Zeit geben." Im Gegenteil. Die Kluft werde sich noch vertiefen. Angela Merkel also - eine Kanzlerin auf Abruf?

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