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Ex-Chef der Bischofskonferenz - Kardinal Lehmann ist tot

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Kardinal Karl Lehmann ist tot. Der 81-Jährige starb am Morgen in Mainz. Der Bischof von Mainz war der bekannteste Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland.

Kardinal Karl Lehmann ist tot. Der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof von Mainz wurde 81 Jahre alt. Er galt als liberaler Vordenker der katholischen Kirche.

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Er war ein Vermittler zwischen Gott und den Menschen, ein Vermittler zwischen konträren Positionen, ein engagierter Theologe und ein Bischof, der gerne mit den Menschen den Glauben feierte - in der Liturgie und im Fest. Er hat die jüngere Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland geprägt wie kein anderer. 20 Jahre war er von 1987 bis 2008 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Auch außerhalb der katholischen Kirche war er in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein geschätzter Gesprächspartner.

Repräsentant einer weltoffenen Kirche

Lehmann wollte ein Brückenbauer sein in einer Welt, die sich immer mehr ausdifferenziert, in der die Tendenz besteht, Mauern zu bauen, anstatt sie einzureißen. Der Theologe auf dem Bischofsstuhl lebte eine Kirche, wie sie heute Papst Franziskus gerne sieht: eine Kirche des Dialogs und der Begegnung. Damit eckte er allerdings auch an. Immer wieder sprachen vor allem konservativ katholische Kreise von der "Lehmann-Kirche". Die, so die Kritiker, renne dem Zeitgeist hinterher und zeige eine zu starke Nähe zu Staat und Politik.

In einem Interview zu seinem 80. Geburtstag erklärte Lehmann im Mai 2016, dass er den Ausdruck "immer albern" gefunden habe, "aber auch ein Stück beleidigend, weil ich weder theologisch noch kirchenpolitisch je auf eigene Rechnung unterwegs war, sondern immer als Vertreter meiner, der katholischen Kirche. Ich glaube, man wollte mich theologisch von Rechtsaußen treffen als Repräsentanten einer weltoffenen Kirche im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils".

Oft seiner Zeit voraus

Lehmann war seiner Zeit oft voraus. In den 1990er Jahren kämpfte er für den Verbleib der katholischen Kirche in der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung. Obwohl er die große Mehrheit der deutschen Bischöfe hinter sich hatte, verlangte Papst Johannes Paul II. den Ausstieg. Eine ähnlich schmerzliche Niederlage erlitt er mit seinem Vorstoß für die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion. Rom stoppte 1993 seine Initiative, die er zusammen mit dem Freiburger Erzbischof Oskar Saier und dem Rottenburger Bischof Walter Kasper ausgearbeitet hatte und die letztendlich 2016 durch Papst Franziskus für die Gesamtkirche eingeführt wurde. Für Lehmann eine späte Genugtuung.

Mit großer Leidenschaft engagiert er sich in der Ökumene genauso wie für die Aussöhnung in Europa. Mehrere Jahre war er stellvertretender Präsident des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen. In Mainz wurde gelegentlich Kritik laut, die vielen überdiözesanen Aufgaben ließen Lehmann zu wenig Zeit für das eigene Bistum.    

Mit 32 Jahren schon Professor

Lehmann, am 16. Mai 1936 in Sigmaringen geboren, studiert katholische Theologie in Freiburg und Rom. Dort erlebt er in den 1960er Jahren das II. Vatikanische Konzil als Mitarbeiter des Konzilstheologen Karl Rahner. Mit nur 32 Jahren wird Lehmann 1968 in Mainz Professor für Dogmatik, drei Jahre später wechselt er nach Freiburg, um 1983 schließlich als Bischof wieder nach Mainz zurückzukehren. Seine Bibliografie mit Texten, Ansprachen und Büchern umfasst mehr als 4.100 Einträge.

Mit Lehmann verliert die katholische Kirche in Deutschland ihren bekanntesten und renommiertesten Vertreter. Theologisch konnte ihm keiner in der Deutschen Bischofskonferenz das Wasser reichen. Mit seiner Pensionierung im Mai 2016 hinterließ er dort eine große Lücke. Angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die katholische Kirche aktuell steht, bräuchte es theologische "Handwerker", die die Reformen sauber theologisch begleiten und untermauern, Theologen eines Kalibers von Karl Lehmann oder auch Walter Kasper.

Papst: "Ein großer Mensch und großer Theologe"

Papst Franziskus sagte einmal über Lehmann, dass er ihn  als einen "großen Menschen" und "großen Theologen" sehr schätze. Lehmann wiederum zeigte sich bisweilen besorgt, dass Franziskus seine Reformen nicht ausreichend theologisch fundiere. Dennoch unterstützte er den ersten Papst aus Lateinamerika, den er 2013 auch mit ins Amt gebracht hatte, soweit es ihm möglich war.

Allerdings ließ die angeschlagene Gesundheit in den letzten Jahren keine großen Aktivitäten mehr zu. Lehmann äußerte sich in Artikeln, nur selten konnte er noch reisen. Von einem Schlaganfall Ende September 2017 erholte er sich nicht mehr. Der große Denker und Theologe verstummte. Im Rückblick hatte Lehmann selbst einmal festgestellt, dass er gerade in seiner Zeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz "Raubbau" an seiner Gesundheit betrieben habe. Einer der letzten großen öffentlichen Auftritte war bei der Weihe Peter Kohlgrafs zu seinem Nachfolger als Bischof von Mainz im August 2017.

Wachsam, mutig und fest im Glauben

Im Schlusswort beim Festakt zu seinem 80. Geburtstag Mitte Mai 2016 zitierte Lehmann den Apostel Paulus: "Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe." Diese Worte aus dem 1. Korintherbrief waren zeitlebens die Richtschnur für Lehmanns Wirken als Theologe und Bischof gewesen. Sie sind gleichsam sein Vermächtnis an die, die sich wie er als Vermittler zwischen Gott und der Welt verstehen.

Reaktionen auf Lehmanns Tod

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