Sie sind hier:

Politischer Karfreitag - Papst rückt Menschenhandel in den Fokus

Datum:

Traditionell rückt der Papst aktuelle politische Themen in den Fokus der Karfreitagsfeiern. In diesem Jahr geht es beim Kreuzweg um Menschenhandel, Ausbeutung und Migration.

Papst Franziskus betet den Kreuzweg am Karfreitag im römischen Kolosseum (Archivbild vom 2013)
Papst Franziskus betet den Kreuzweg am Karfreitag im römischen Kolosseum (Archivbild vom 2013)
Quelle: imago

Er möchte nicht nur über Moralthemen sprechen, sondern auch über soziale Fragen. Das hatte Papst Franziskus in seinem ersten großen Interview wenige Monate nach der Wahl zum Oberhaupt von weltweit über 1,2 Milliarden Katholiken gesagt. Was er damit meinte, macht er seitdem immer wieder deutlich - in Wort und Tat. Er spricht viel über soziale Gerechtigkeit, über das Recht eines jeden Menschen auf Arbeit, ein Stück Land und ein Haus. Harsch kritisiert er das Weltwirtschaftssystem, das aus seiner Sicht "tötet" und Menschen wie Waren aussortiert und "wegwirft".

Geschickter Botschafter

Gerne nutzt Franziskus die mediale Öffentlichkeit, um seine Botschaft zu vermitteln. Geschickt wählt er daher seine Reiseziele, um den Fokus der Medien in seinem Gefolge auf die Situation in den Ländern zu lenken, die sonst eher am Rande stehen: Sri Lanka, die Zentralafrikanische Republik, Albanien oder in Kürze Bulgarien und Rumänien. So weiß der Papst auch, dass jedes Jahr am Abend des Karfreitags Millionen Menschen dem traditionellen Gebet des Kreuzwegs am Kolosseum folgen. Also nutzt er auch diese Gelegenheit, um Themen zu transportieren, die ihm wichtig sind.

Unsere Generationen sind dabei, den jungen Leuten eine Welt zu hinterlassen, die durch die Spaltungen und die Kriege zerbrochen ist, eine Welt, die vom Egoismus zerfleischt wird, in der die Jugend, die Kinder, die Kranken und die Alten an den Rand gedrängt werden.
Papst Franziskus

Im vergangenen Jahr prangerte er die zahllosen Kriege und Konflikte rund um den Globus an. "Unsere Generationen sind dabei, den jungen Leuten eine Welt zu hinterlassen, die durch die Spaltungen und die Kriege zerbrochen ist, eine Welt, die vom Egoismus zerfleischt wird, in der die Jugend, die Kinder, die Kranken und die Alten an den Rand gedrängt werden", erklärte Franziskus am Ende des Kreuzweggebets. 2018 hatten Schüler aus Rom die Texte für den  Kreuzweg geschrieben. Es ist Tradition, dass der Papst jedes Jahr einen anderen Autor dafür auswählt. Dabei sollen die Verfasser eine Brücke schlagen zwischen dem Leiden Jesu vor 2000 Jahren und der Situation heute.

Die Jugendlichen im vergangenen Jahr hatten an Gleichgültigkeit erinnert angesichts alltäglicher Ungerechtigkeit, an das Leid von Müttern wegen der Nöte ihrer Kinder, aber auch an Spott und Hass in den Sozialen Netzwerken und die Schwierigkeit, diese zu vergeben. 2017 hatte die französische Theologin Anne-Marie Pelletier die Mediationen verfasst und dabei viele aktuelle Themen aufgegriffen. "Gerade unter jenem Kreuz geht es um unsere Welt mit all ihren Stürzen, mit ihren Schmerzen, mit ihren Hilferufen und ihren Aufständen. Mit allem, was heute zu Gott schreit aus den Elends- und Kriegsgebieten, in zerrissenen Familien, in den Gefängnissen, auf den überladenen Flüchtlingsschiffen."

Texte von 80-jähriger Nonne werden verlesen

Schwester Eugenia Bonetti
Schwester Eugenia Bonetti
Quelle: imago

In diesem Jahr hat Papst Franziskus die Texte für Kreuzwegstationen der italienischen Ordensfrau Eugenia Bonetti anvertraut. Die 80-Jährige hat sich dem Kampf gegen den Menschenhandel verschrieben. Sie ist Vorsitzende der Organisation "Slaves no more" (Nie wieder Sklaven) in Rom. Im September 2013 begegnete sie erstmals Papst Franziskus. Sie inspirierte das Kirchenoberhaupt, im Jahr 2015 den 8. Februar als internationalen Gebetstag für den Kampf gegen Menschenhandel auszurufen, der seitdem jährlich begangen wird.

Franziskus hat sich schon in seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei etwa in Form von Arbeitsausbeutung engagiert. Nach seiner Wahl zum Papst hat er verschiedene Behörden im Vatikan angewiesen, sich des Themas anzunehmen. Zuletzt fand vergangene Woche im Vatikan eine Konferenz dazu statt. Dabei erklärte der Pontifex, Menschenhandel und moderne Sklaverei stellten als nicht zu rechtfertigende Verletzung der Freiheit und Menschenwürde der Opfer ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.

Ordensfrau kämpft gegen Ungleichheit

Während die Regierungen diskutieren, verschlossen in den Palästen der Macht, füllt sich die Sahara mit den Skeletten der Menschen, die den Mühen, dem Hunger und dem Durst nicht standhalten konnten.
Eugenia Bonetti

Bonetti greift in ihren Texten zum Karfreitag 2019 viele Äußerungen von Papst Franziskus zum Thema auf. Sie kritisiert die Gleichgültigkeit, auch der Christen, gegenüber dem Schicksal der Armen, Ausgegrenzten und Migranten. Sie beklagt die Perspektivlosigkeit vieler Kinder, die keine Schuldbildung sowie keine ordentliche Gesundheitsversorgung erhalten und die als Arbeits- oder Sexsklaven missbraucht werden. Die Gesellschaft proklamiere zwar die Gleichheit der Rechte und Würde aller Menschen. "Doch sie praktiziert und toleriert die Ungleichheit", schreibt die Ordensfrau.

Indem sie immer wieder aktuelle Beispiele anführt - etwa von Zwangsprostituierten in Rom oder 26 nigerianischen Frauen, die bei der Überfahrt im Mittelmeer ums Leben kamen - übt Bonetti konkret Kritik an der Politik Italiens und der EU. "Während die Regierungen diskutieren, verschlossen in den Palästen der Macht, füllt sich die Sahara mit den Skeletten der Menschen, die den Mühen, dem Hunger und dem Durst nicht standhalten konnten." Die politisch Verantwortlichen müssten endlich kapieren, dass es ihre Pflicht sei, "alle Menschen zu schützen".

Papst Franziskus kämpft gegen modernen Menschhandel und hat 2014 die Santa Marta Group gegründet. Eine Art SOKO, die staatliche und kirchliche Verbrechensbekämpfung bündelt. Mit Erfolg?

Beitragslänge:
28 min
Datum:

Der politische Papst

Der politische Kreuzweg ist ganz nach dem Geschmack von Papst Franziskus. Der ist überzeugt, dass Kirche politisch sein muss – nicht um der Politik willen, sondern weil er diesen Auftrag aus der Botschaft Jesu heraus ableitet. Dieser habe sich an die Seite der Ausgegrenzten gestellt. Das müsse auch die Kirche tun. Dabei geht es nicht nur darum, Almosen zu verteilen, sondern auch auf die politischen Entscheidungsprozesse einzuwirken, damit mehr Gerechtigkeit möglich ist und jeder Mensch die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde hat. Dafür nimmt Franziskus dann auch Kritik in Kauf, er begebe sich zu stark in den Bereich der Politik.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.