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"Die Golgatas der ganzen Welt"

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Papst betet Kreuzweg - "Die Golgatas der ganzen Welt"

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Ein Lichtermeer vor dem erleuchteten Kolosseum: Vor spektakulärer Kulisse ist in Rom an den Weg Jesu ans Kreuz erinnert worden. Im Mittelpunkt: Diejenigen, die heute leiden.

Papst Franziskus beim Kreuzweg am Kolosseum.
Papst Franziskus beim Kreuzweg am Kolosseum.
Quelle: Gregorio Borgia/AP/dpa

Papst Franziskus hat am Karfreitag beim Kreuzweg in Rom "von politischem Kalkül gepanzerte Herzen" beklagt. Im Zentrum der stimmungsvollen Prozession am Kolosseum, mit der am Abend an die Leiden Jesu erinnert wurde, stand das Schicksal missbrauchter Frauen und der Opfer von Menschenhandel. 15.000 Gläubige verfolgten laut Vatikan die Zeremonie. Im Petersdom hatte Papst Franziskus zuvor die Karfreitagsliturgie gefeiert.

Jahrhunderte alte Tradition

Der Kreuzweg ist eine Jahrhunderte alte Tradition und stellt in 14 Stationen Jesus' Leidensweg bis zur Kreuzigung nach. Papst Franziskus sprach am Ende ein Gebet. Darin beklagte er nicht nur die Abschottung vor Migranten, sondern auch die Gleichgültigkeit und den Egoismus der Menschen. Er lenkte den Blick auch auf den Klimawandel: Die Erde leide "ernsthaft", allerdings seien die Augen der Menschen egoistisch und durch Gier und Macht erblindet.

Franziskus gedachte zudem der Kinder, die "in ihrer Unschuld und Reinheit verletzt" wurden, was wiederum als Anspielung auf den sexuellen Missbrauch durch Geistliche verstanden werden kann. Die Kirche, die sich laut Franziskus "ständig von innen und außen angegriffen" fühle, steckt wegen Skandalen um Missbrauch und dessen Vertuschung in mehreren Ländern der Welt in einer tiefen Krise.

Nonne verfasst Kreuzweg-Stationen

Auch heute werden noch viele Menschen an ein Kreuz genagelt als Opfer unmenschlicher Ausbeutung und dabei ihrer Würde, Freiheit und Zukunft beraubt.
Eugenia Bonetti, Nonne

Die an den Stationen des Kreuzwegs verlesenen Worte hatte die italienische Nonne Eugenia Bonetti verfasst. Sie engagiert sich für Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden. Was sie schildert, geht ins Mark: So wurde etwa von "einer Minderjährigen mit einem zierlichen kleinen Körper" erzählt, "die ich eines Nachts in Rom traf, wo Männer in luxuriösen Wagen Schlange standen, um diese Mädchen auszubeuten". Auch wurde das Sterben von Flüchtlingen in der Wüste oder im Mittelmeer angeprangert.

Die Texte sprachen von "den Golgotas der ganzen Welt", die sich "etwa in den lagerähnlichen Sammelstellen der Transitländer, auf Schiffen, denen ein sicherer Hafen verweigert wird", befänden. Die Consolata-Missionarin klagte Gleichgültigkeit gegenüber Toten im Mittelmeer und Opfern von Menschenhandel an und rief Gesellschaft, Regierungen, Gesetzgeber und Kirche sowie jeden einzelnen zur Verantwortung. "Es ist zu einfach, Menschen und unbehagliche Situationen zu verurteilen, die in uns eine falsche Scham wecken, aber es ist nicht einfach, unserer Verantwortung gerecht zu werden, die wir als Einzelne, als Regierungen und auch als christliche Gemeinschaften haben."

"Es geht um Menschen"

Auch heute würden noch viele Menschen "an ein Kreuz genagelt als Opfer unmenschlicher Ausbeutung und dabei ihrer Würde, Freiheit und Zukunft beraubt", hieß es. Die Kreuzweg-Meditationen beklagten unter anderem auch Zwangsprostitution, Kinderarbeit und Organhandel. Zugleich würdigte Bonetti in ihren Texten den Einsatz von Seenotrettern auf dem Mittelmeer, "um das Leben so vieler Familien zu retten, die auf der Suche nach Sicherheit und neuen Perspektiven sind". Es gehe um Menschen

Ostern ist für Christen das wichtigste Fest. Den Höhepunkt stellt die Osternacht dar, die der Pontifex am Samstagabend im Petersdom mit einer Liturgie begeht. Dabei wird an die für den christlichen Glauben zentrale Auferstehung von Jesus Christus erinnert. Am Sonntag spendet der Papst dann den Segen "Urbi et Orbi".

Tausende in Jerusalem

Auch in Jerusalem erinnerten Christen an die Kreuzigung und den Tod von Jesus. In mehreren Prozessionen zogen sie durch die Altstadt. Mönche liefen in ihren braunen und schwarzen Gewändern über die Via Dolorosa, Gläubige sangen und trugen Holzkreuze. Protestanten gingen den Pilgerweg zur evangelischen Erlöserkirche, Katholiken zur Grabeskirche.

Die Grabeskirche in Jerusalem steht an der Stelle, wo Jesus dem christlichen Glauben nach gestorben und wiederauferstanden ist. An Karsamstag und Ostersonntag werden in der Grabeskirche auch Messen gefeiert. Die israelische Regierung sagte am Freitag zu, dass auch Hunderte Christen aus dem von dem Land blockierten Gazastreifen zu Ostern nach Ost-Jerusalem und in das Westjordanland reisen dürfen. Der Karfreitag fiel auch mit dem Beginn des jüdischen Pessach-Festes zusammen. Da es sich um ein Pilgerfest handelt, wird in diesen Tagen auch mit vielen jüdischen Besuchern in Jerusalem gerechnet.

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