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Karl Lauterbach - "Große Koalition hat Unterstützung verloren"

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Karl Lauterbach zeigt sich im ZDF optimistisch, was seine Kandidatur für die SPD-Spitze angeht. Bei der GroKo ist er weniger positiv. Voll des Lobes ist er aber für Rolf Mützenich.

Zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Nina Scheer will der SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach für den SPD-Parteivorsitz kandidieren und fordert ein Ende der großen Koalition: "Wir müssten die große Koalition verlassen. Das wäre besser für die SPD und …

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ZDF: Herr Lauterbach, Frau Scheer und Sie wollen kandidieren. Aber bisher fehlt Ihnen offenbar die nötige Unterstützung mindestens eines Bezirkes, eines Landesverbandes oder fünf Unterbezirken. Was ist das Problem?

Karl Lauterbach: Naja, es haben sich schon einige Bezirke für uns ausgesprochen. Und wir waren ja jetzt in Urlaub - wir haben uns also ein bisschen erholt, was auch wichtig ist für eine lange Kandidatur. Aber es haben mehr Unterbezirke uns signalisiert, dass sie uns unterstützen werden, als wir brauchen. Somit ist die Schwelle - fünf Unterbezirke oder ein Landesverband - das ist für uns kein Problem. Das werden wir in den nächsten Tagen überschreiten sodass unsere Kandidatur auf jeden Fall stattfinden wird.

ZDF: Sie gehören zu den bekanntesten Gesichtern der bisherigen Kandidaten für den Parteivorsitz. Aber die anderen inklusive Nina Scheer zählen jetzt nicht zu den politischen Schwergewichten der SPD. Warum tritt von denen niemand an?

Lauterbach: Also zunächst einmal: Für mich ist nicht ein Schwergewicht, wer schon ein Amt innehat oder innehatte. Wir sind Bundestagsabgeordnete, Sachpolitiker in der Umwelt und in der Sozialpolitik. Somit bringen wir viel Erfahrung mit. Viele Jahre Bundestagsarbeit. Aber für mich wäre auch ein ganz normales Parteimitglied, was überhaupt kein Amt hat, ein Schwergewicht, wenn die Inhalte demnach wären. Ich glaube, dass wir uns davon freimachen müssen, die politische Gewichtigkeit immer an den Ämtern festzumachen, das halte ich für falsch.

ZDF: Aber trotzdem muss es ja eine Person sein, die einen kann, die da auch eine gewisse Autorität mitbringt, oder?  

Lauterbach: Die Autorität kommt aus der Sache, das trauen wir uns natürlich zu. Sonst wären wir nicht als Kandidaten angetreten. Man muss jeden mitnehmen. Und vor allen Dingen: Man muss Inhalte bieten. Neben den persönlichen Führungseigenschaften, die immer da sein müssen, das ist ganz klar, müssen auch Inhalte geboten werden. Die Partei gilt inhaltlich ein bisschen als ausgeblutet. Man weiß nicht so genau, wofür die SPD steht und da bringen wir ein ganz klares Profil: Mehr bessere, energische, ehrgeizige Umweltpolitik. Eine Sozialpolitik, die auch im Rahmen der Globalisierung, der Digitalisierung tatsächlich modern ist. Und mehr innere Sicherheit. Alle drei Themen sind wichtig. Und nun wissen wir, dass die Wähler der SPD - aber auch die Mitglieder zum Teil - nicht wissen, wofür wir stehen als Partei. Das wird der Schwerpunkt sein und da müssen wir jeden mitnehmen. Das wird uns aber auch gelingen.

ZDF: Parteivorsitz ist das eine, Fraktionsvorsitz das andere. Rolf Mützenich hat heute mitgeteilt, dass er den Fraktionsvorsitz dauerhaft übernehmen will. Wollen Sie ihn auch weiter als Fraktionsvorsitzenden sehen?

Lauterbach: Mehr als jeder andere sogar. Ich kenne Rolf ja seit 20 Jahren, wir sind befreundet. Ich schätze seine Arbeit und er ist jetzt für den Fraktionsvorsitz zur jetzigen Zeit optimal geeignet. Ich mach es mal ganz simpel: Wir sind vor riesigen außenpolitischen Krisen: der Iran-Konflikt, Konflikt mit Trump. Es gibt im Prinzip niemanden in der Fraktion, der da mehr Erfahrung hat als Rolf Mützenich. Außerdem ist Mützenich jemand, der versöhnt. Er spaltet nicht in der Fraktion. Er hetzt nicht Leute gegeneinander auf. Der beteiligt sich nicht an Intrigen, sondern ist einfach ein ehrbarer Mensch, der in der Autorität die Leute mitnimmt. Von daher: Meine Unterstützung hat er. Ich freue mich, dass er zur Verfügung steht und ich werde ihn voll unterstützen. Eine Idealbesetzung.

ZDF: Viel dreht sich bei den Sozialdemokraten ja darum, was es noch für andere Optionen außer der Großen Koalition gibt. Die kommissarische SPD-Vorsitzende Dreyer und Generalsekretär Klingbeil zeigen sich offen für ein Bündnis mit der Linken und den Grünen. Sie auch?

Lauterbach: Ich bin ja seit Jahren schon offen für rot-rot-grüne Bündnisse. Ich glaube, dass wir aus der Großen Koalition raus müssen.  Das ist auch Teil in der Kampagne von Nina Scheer und mir. Wir glauben auch, dass die Mitglieder befragt werden müssen. Die Mitglieder wollen nicht in der Großen Koalition bleiben. Ich persönlich bin sehr skeptisch, dass wir uns von der derzeitigen Misere - wir gehören ja derzeit nicht mehr zu den zwei stärksten Parteien - von dieser Misere befreien können in der Großen Koalition. Ich glaube auch nicht, dass wir abwarten dürfen bis zur nächsten Bundestagswahl, die dann regulär käme. Aus meiner Sicht ist es so, dass wir nach dem Parteitag die Mitglieder befragen sollten und die Große Koalition verlassen müssten. Das wäre besser für die SPD und auch besser fürs Land. Weil die Große Koalition hat auch in der Bevölkerung die Unterstützung komplett verloren.

Das Interview führte Jana Pareigis.

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