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Teure Tickets - Kartellamt prüft Lufthansa-Preise

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Seit der Air-Berlin-Pleite sind innerdeutsche Flüge teurer geworden - es hagelt Beschwerden von Kunden. Nun prüft das Bundeskartellamt beim Branchenprimus Lufthansa die Preise.

Archiv: Eine Boeing 747-400 der Lufthansa landet am 02.11.2017 auf dem Flughafen Berlin-Tegel
Um dem erhöhten Passagieraufkommen gerecht zu werden, setzt die Lufthansa auch auf innerdeutschen Strecken große Flugzeuge ein. Quelle: dpa

"Wir haben die Deutsche Lufthansa gebeten, uns Informationen über ihre Preissetzung zur Verfügung zu stellen. Wir werden uns die Daten ansehen und dann darüber entscheiden, ob wir ein Verfahren einleiten", sagt Kartellamtschef Andreas Mundt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Bis zu 30 Prozent teurer

Nach der Pleite von Air Berlin fehlen jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr. Die Preise sind stark gestiegen - nach Einschätzung von Fachleuten auf manchen Strecken im Schnitt um bis zu 30 Prozent. Ein Lufthansa-Sprecher bestätigte die Prüfung. "Wir kooperieren mit dem Bundeskartellamt und stellen alle nötigen Informationen zur Verfügung", sagte er.

"Der Wegfall von Air Berlin schadet dem Wettbewerb und verknappt momentan das Angebot, insbesondere auf vielen innerdeutschen Flugstrecken. Uns liegen Beschwerden über erhebliche Preiserhöhungen zum Nachteil der Kunden vor", erklärte Mundt. Im Fokus stehe dabei die Preispolitik der Lufthansa.

Lufthansa: Höhere Preise durch höhere Nachfrage

Die Lufthansa hatte mehrfach betont, dass sie ihre Preisstruktur nicht verändert habe. "Wir haben nirgendwo versucht zu profitieren", sagte der Sprecher. Die höheren Durchschnittspreise entstünden durch die deutlich größere Nachfrage. Die vollautomatischen Buchungssysteme riefen dadurch wesentlich schneller höhere Preisklassen für Tickets auf.

Bei der Lufthansa gibt es - je nach Buchungszeitpunkt und Auslastung - 26 verschiedene Preisklassen für ein Ticket. Die Lufthansa verweist außerdem darauf, dass sie Kapazitäten aufgestockt habe und trotz hoher Kosten sogar Jumbos im Inlandsverkehr einsetze, um den Mangel auszugleichen.

1.000 neue innerdeutsche Flüge

Der Chef der Fluglinie, Carsten Spohr, hatte vor kurzem 1.000 neue innerdeutsche Flügen pro Monat angekündigt, sobald die EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht gebe. Dann würden sich auch die Preise wieder stabilisieren. Die Zustimmung aus Brüssel ist erforderlich für den geplanten Verkauf großer Teile der insolventen Air Berlin an die Lufthansa-Tochter Eurowings und den britischen Konkurrenten Easyjet. Eine erste Entscheidung in Brüssel könnte nach Einschätzung aus Branchenkreisen schon am 7. Dezember fallen.

Möglich ist aber auch, dass die EU-Kartellbehörde eine vertiefte Prüfung verlangt. Dann würde sich das Verfahren weitere 90 Arbeitstage hinziehen. Hinzu kommen das aufwändige Zulassungsverfahren der Jets und die Aufstellung der Crews. Die Neuordnung des deutschen Luftverkehrs und damit die Normalisierung der Ticketpreise könnten sich so noch bis zum Sommer oder sogar Herbst 2018 hinziehen.

Zahlreiche Beschwerden

Derzeit stehen von einst 140 Air-Berlin-Jets rund 80 am Boden, deren Kapazität nicht kurzfristig ausgeglichen werden kann. Easyjet hatte bereits erklärt, dass die Fluglinie bis zur vollständigen Umstellung Zeit bis zum September 2018 benötige.

Das Bundeskartellamt hatte sich nach der Air-Berlin-Pleite zunächst eher zurückhaltend geäußert und auf das laufende EU-Verfahren verwiesen. Die Häufung der Beschwerden und der voraussichtlich lange Zeitraum bis zu einer Normalisierung der Preise dürfte nach Einschätzung von Branchenkennern nun für ein Umdenken gesorgt haben.

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