Sie sind hier:

Fünfmal Todesstrafe gefordert - Prozessauftakt im Fall Khashoggi

Datum:

Vor drei Monaten wurde Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet. Jetzt müssen sich elf Männer in Saudi-Arabien für die Tat vor Gericht verantworten.

Plakat mit Bild des Journalisten Jamal Khashoggi
Großes Medieninteresse herrschte auch heute zum Prozessauftakt im Fall Khashoggi.
Quelle: ap

In der Hauptstadt Riad hat der Prozess gegen die Verdächtigen begonnen. Die mutmaßlichen Täter seien vor dem Gericht erschienen und die Anklageschrift wurde verlesen, teilte Generalstaatsanwalt Saud al-Mudschib in einer Stellungnahme mit. "Während der ersten Anhörung fragten die Verteidiger nach einer Kopie der Anklageschrift und Zeit, um auf diese zu reagieren. Dem Antrag der Verteidiger wurde stattgegeben", heißt es in der Mitteilung. Ein Datum für die Fortsetzung der Verhandlung wurde nicht genannt. Die Staatsanwaltschaft fordert in fünf Fällen die Todesstrafe.

Die Führung Saudi-Arabiens war nach der Ermordung Khashoggis international in die Kritik geraten. Der Kolumnist der "Washington Post" war Anfang Oktober ins saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um ein Dokument für seine Hochzeit abzuholen. Dort wurde er von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialteam grausam getötet. 

Internationaler Druck

Seine vermutlich verstümmelte Leiche ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Türkische Medien haben Fotos veröffentlicht, auf denen Personen aus dem Gefolge des Kronprinzen vor der Tötung am Konsulat zu sehen sind. Saudi-Arabien leugnete zunächst wochenlang den Tod Khashoggis, der kritische Kolumnen über Kronprinz Mohammed bin Salman verfasst hatte. Später räumte das Königreich die Tötung ein und erklärte, 18 Personen seien deswegen festgenommen worden. Weshalb jetzt nur elf Personen angeklagt wurden, blieb zunächst offen.

Mohammed bin Salman am 24.10.2018 in Riad
Mohammed bin Salman steht in der Kritik.
Quelle: dpa

Eine Reihe von Indizien rückte Thronfolger Mohammed bin Salman, den Sohn des Königs, in die Nähe der Tat. Medienberichten zufolge geht der US-Auslandsgeheimdienst CIA davon aus, dass er der Drahtzieher ist. US-Präsident Donald Trump jedoch ging nicht gegen den Thronfolger vor und verwies unter anderem auf die guten wirtschaftlichen Beziehungen und Waffendeals mit Saudi-Arabien. Riad beharrt darauf, der Kronprinz habe nichts von den Mordplänen gewusst. König Salman hat mittlerweile die Geheimdienste neu geordnet und die Regierung umgebildet. Die Befugnisse des Kronprinzen sind davon aber nicht betroffen.

Türkei soll kooperieren

Türkische Spurensicherung verlassen nach der abgeschlossenen Untersuchung das saudische Konsulat in Istanbul
Türkische Ermittler schalten sich in den Fall ein.
Quelle: dpa

Nach Angaben der saudischen Generalstaatsanwaltschaft befragten die Ermittler in dem Fall auch andere Verdächtige, nannte aber keine Details. Man habe die Türkei offiziell um Beweise im Zusammenhang mit der Tötung gebeten, diese bisher aber nicht erhalten. Türkische Stellen waren zunächst nicht für einen Kommentar dazu zu erreichen. Bei früheren Gelegenheiten hatte die Türkei erklärt, sie habe ihre Erkenntnisse Saudi-Arabien und anderen Ländern zur Verfügung gestellt. Sie hat die Auslieferung der 18 Verdächtigen gefordert und Saudi-Arabien mit der Veröffentlichung neuer Bilder und Einzelheiten zur Tötung in Bedrängnis gebracht.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Riad hatte bereits im November die Anklage von elf - namentlich nicht genannten - saudischen Männern bekanntgegeben. Als Drahtzieher präsentierten sie den ehemaligen Vizechef des Geheimdienstes, Ahmed al-Asiri. Auch der Vertraute des Thronfolgers und hochrangige Regierungsmitarbeiter Saud al-Kahtani wird beschuldigt, an der Organisation der Tat beteiligt gewesen zu sein. Er scheint den zugänglichen Informationen zufolge aber nicht Teil des Prozesses zu sein.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.