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Emirat verlässt Opec-Kartell - Warum Katar lieber auf Gas setzt

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Seit 57 Jahren ist Katar in der Opec - und hat so über den weltweit zu zahlenden Ölpreis mitbestimmt. Nun will das Land raus aus dem Kartell. Dafür hat das Emirat gute Gründe.

Flüssiggasanlage in Ras Laffan, Katar
Flüssiggasanlage in Ras Laffan, Katar
Quelle: ap

Zum Jahresende gibt es eine kleine Überraschung: Das Golf-Emirat Katar tritt aus der Organisation erdölexportierender Staaten, der Opec, aus. Und das schon bald: Bereits Anfang 2019 will das Land dem Ölkartell den Rücken kehren. Dieser Schritt kommt zwar überraschend, ist aus Sicht des Emirates aber nachvollziehbar und hat mehrere Gründe. Katar rangiert unter den Ölproduzenten der Opec nur an elfter Stelle, ist also im Verbund und Vergleich mit anderen Ländern ein kleiner Spieler. Daher ist sein Einfluss entsprechend gering. "Katar war in meinen Augen in der Opec nicht wirklich relevant", sagt der Rohstoffexperte der DZ-Bank, Axel Herlinghaus.

"Unser Potenzial ist Gas"

Hinzu kommen politische Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Katar. Denn in den vergangenen Jahren ist die politische Bedeutung des Landes in der Region gewachsen. Daher begann Saudi-Arabien vor rund eineinhalb Jahren, mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten eine strategische Allianz zu schmieden. Die Länder brachen die diplomatischen Beziehungen zu Katar ab – sie werfen dem Land die Förderung von Terrorismus vor sowie zu enge Kontakte zum Iran.. "Innenpolitisch, so kann man sagen, knirscht es im Gebälk der Opec", meint Herlinghaus.

In dieser Situation versucht Katar offensichtlich, kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Die jüngste Entscheidung hat nach Aussagen des katarischen Energieministers nichts mit dem politischen und ökonomischen Streit mit Saudi-Arabien zu tun. Sie sei nur Ausdruck einer Neuorientierung der heimischen Wirtschaft. Zwar werde Katar weiter Erdöl produzieren. Dort gebe es allerdings kein großes Potenzial. "Wir sind sehr realistisch", sagte Energieminister Saad al-Kaabi. "Unser Potenzial ist Gas."

Mehr Unabhängigkeit für Katar

Archiv: Gasanlagen von Ras Laffan am 25.05.2016
Katar will mehr Gas fördern.
Quelle: dpa

In der Tat versucht Katar spätestens seit Beginn der Blockade, seine Wirtschaft unabhängig von den Nachbarländern zu entwickeln. Der wichtigste Pfeiler dieser stärkeren Unabhängigkeit ist die Förderung und der Export von Flüssiggas. Bis spätestens 2024 will Katar seine Gasförderung von jährlich 77 Millionen auf 110 Millionen Tonnen erhöhen. Katar ist bereits jetzt der größte Flüssiggas-Produzent der Welt. Das Golf-Emirat liefert dem Weltmarkt rund 30 Prozent der Gesamtmenge. Das Gas stammt vom South-Pars-Feld vor der Küste Katars. Wegen des größten Gasfeldes der Welt gehört Katar auch zu den reichsten Ländern der Welt. Das Gasfeld teilt sich das Land allerdings auch mit dem Iran. Der Iran spielt auch eine wichtige Rolle beim Konflikt mit den anderen Ländern um Saudi-Arabien herum. Als Verbündeter Katars und Gegenspieler Saudi-Arabiens liefert der Iran etwa Lebensmittel in den Golfstaat - an den Blockaden der übrigen Staaten vorbei.

Auf der anderen Seite wird Katar mit dem Opec-Austritt aber auch ein wenig unabhängiger, was den Ölverkauf des Landes angeht. Denn die Länder der Opec hatten sich mit anderen Ölförderländern im Konzert abgestimmt und die Fördermenge gedrosselt. Das hatte dem Ölpreis, der Anfang 2016 auf einen Tiefpunkt gefallen war, seither wieder Auftrieb gegeben. Nun läuft diese Förderbremse eigentlich aus. Gut möglich aber, dass die Opec die Drosselung auf ihrem Treffen ab diesem Donnerstag verlängern wird. Katar stünde dann außerhalb der Opec; und wäre niemandem mehr Rechenschaft schuldig, wie viel Öl das Land in Zukunft exportiert.

Position als Energielieferant stärken

So hat Katar angekündigt, nicht nur seine Gasexporte auszudehnen, sondern auch seinen Ölverkauf. "In unserem Streben, die Position Katars als verlässlicher und vertrauenswürdiger Energieversorger weltweit zu stärken, mussten wir Schritte unternehmen, um die Rolle und den Beitrag Katars zur internationalen Energieszene zu überprüfen", heißt es aus dem Energieministerium.

Katar hat die Opec bereits über den Rückzug informiert; seit 1961 gehörte das Land dem Kartell an. An dem Treffen der Organisation in dieser Woche will das Emirat noch teilnehmen. Am Wochenende hatten die beiden wichtigen Förderstaaten Russland und Saudi-Arabien ihren Pakt zur Kontrolle des Ölmarkts bekräftigt, daraufhin stiegen die Ölpreise.

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