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Katastrophen-App - Hilfe, wenn das Netz versagt

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An der TU Darmstadt wird eine Smartphone-App entwickelt, die ohne Mobilfunknetz läuft. Sie soll im Katastrophenfall zum Einsatz kommen. In einer Feldübung wurde sie getestet.

Archiv: Ein Smartphone liegt am 11.06.2016 in Detmold auf einem Tisch
Archiv: Ein Smartphone liegt am 11.06.2016 in Detmold auf einem Tisch Quelle: dpa

Unwetter, Überschwemmungen, Orkane: Im Notfall kann man Hilfe schnell per Smartphone rufen. Warn-Apps informieren über die aktuelle Lage und geben Tipps zur Selbsthilfe. Über Facebook, Twitter und WhatsApp kann man Kontakt zu Freunden und Verwandten halten - natürlich nur, wenn das Mobilfunknetz noch funktioniert. Was aber geschieht, wenn das Netz zusammenbricht und das Smartphone keine Verbindung mehr zur Außenwelt bekommt?

Nachrichten im "virtuellen Rucksack"

Wie man im Katastrophenfall ohne Mobilfunknetz per Smartphone weiter kommunizieren kann, hat das Forschungsprojekt Smarter untersucht. Smarter ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), der TU Darmstadt und der Uni Kassel. Die Forscher arbeiten an einer Smartphone-App, die auch dann noch sicher funktionieren soll, wenn Mobilfunknetz und Stromversorgung ausgefallen sind.

Die an der TU Darmstadt entwickelte Smarter-App nutzt den WLAN-Chip, der in jedem Smartphone verbaut ist, um mit Mobiltelefonen in der Nähe Kontakt aufzunehmen. Über die App können Nachrichten verschickt und empfangen werden. Die Reichweite liegt bei 200 Metern. "Jedes Smartphone transportiert wie ein virtueller Rucksack alle Daten, die es bisher empfangen hat, mit sich und verteilt diese automatisch weiter", so Lars Almon von der TU Darmstadt zu heute.de.

Notfall-App im Praxistest

Die Nachrichten sind verschlüsselt und werden so lange von Smartphone zu Smartphone weitergereicht, bis sie beim Empfänger ankommen. Experten sprechen von einem Ad-hoc-Netzwerk, das ohne intaktes Mobilfunknetz auskommt. Voraussetzung ist lediglich, dass die Smarter-App auf den Geräten installiert ist. Unter Laborbedingungen mag ein solches Netzwerk funktionieren. Wie aber sieht es im Ernstfall aus?

Um die Smarter-App unter realistischen Bedingungen zu testen, wurde Anfang September auf einem weitläufigen Militärübungsplatz bei Paderborn ein Krisenszenario simuliert. Ein starkes Unwetter hatte zu einem Stromausfall geführt und das Mobilfunknetz lahmgelegt, so die fiktive Ausgangslage. 125 Übungsteilnehmer sollten nun über die App Kontakt zu Angehörigen aufnehmen, Lebenszeichen verschicken und einen Hilferuf aussenden.

Sirenen haben vielerorts schon seit Jahren ausgedient. In Schleswig-Holstein soll nun die App „NINA“ jeden Bürger per Handy vor Gefahren in seinem Umfeld warnen, wie zum Beispiel vor Hochwasser.

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Hohe Nutzerakzeptanz

Außerdem konnten die Übungsteilnehmer mit der App nach vermissten Personen suchen und über ein virtuelles Schwarzes Brett dringend benötigte Gegenstände wie Decken oder Verbandsmaterial tauschen. Am Nachmittag verschärfte sich die Ausgangslage durch einen angeblichen Blitzeinschlag und einen simulierten Unfall in einer Chemiefabrik. Es sollte getestet werden, wie die Probanden unter erhöhtem Stress mit der App umgehen.

Die beteiligten Forscher und Institutionen werten die Übung als Erfolg. "Wir haben gezeigt, dass die von uns vorgestellte Technologie funktioniert und von den Testpersonen gut aufgenommen und bedient werden konnte", sagt Lars Almon. "Unsere Umfrage bei den Teilnehmern des Feldtests ergab, dass fast 70 Prozent der Nutzer die App installieren würden, selbst wenn sie nur im Katastrophenfall einsetzbar wäre."

Smartphones müssen "gerootet" werden

Zurzeit läuft die Smarter-App nur auf Android-Smartphones. Apple-Geräte bleiben außen vor. "Im Gegensatz zu Apples iOS-Betriebssystem ist Android Open Source und kann daher von uns beliebig angepasst werden", sagt Almon. Damit die App funktioniert, muss das Smartphone allerdings "gerootet" werden. Mit diesem Eingriff in das Betriebssystem lassen sich zahlreiche Zusatzfunktionen freischalten. So auch die Nutzung des WLAN-Chips, den die Smarter-App zum Aufbau eines Ad-hoc-Netzwerkes benötigt. Die Gerätehersteller sehen eine solche Nutzung nämlich eigentlich nicht vor.
Nachteil für den Smartphone-Besitzer, der die Notfall-App installieren und benutzen will: Durch das "Rooten" seines Geräts erlischt die Herstellergarantie. "Wenn die Hersteller von Hard- und Software die direkte Kommunikation zwischen Geräten besser und plattformübergreifend unterstützen würden, könnte die Smarter-App auch ohne solche Eingriffe funktionieren", meint Almon.

Nur ein Prototyp

Noch existiert die Smarter-App nur als Prototyp. Ob und wann sie über die einschlägigen App-Stores zum Download angeboten wird, steht noch in den Sternen. Zurzeit werde der Feldtest ausgewertet und über "mögliche Wege der weiteren Verwertung" der App diskutiert, sagt Almon. Definitive Antworten gebe es noch nicht.

Warn-Apps für den Katastrophenfall

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