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ZdK-Vollversammlung in Mainz - Katholiken fordern Kurswechsel in der Kirche

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Macht, Sexualmoral, Zölibat - die Bischöfe wollen über die Themen mit den Laien reden. Die sagen ja. Aber nur, wenn es wirklich zu Reformen kommt.

Missbrauch in der Kirche
Zdk-Präsident Thomas Sternberg: Bischöfe müssen "endlich vom Reden ins Handeln kommen".

Ernste Töne waren zu Beginn der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in Mainz zu hören. Erzbischof Stefan Heße, geistlicher Beistand des ZdK, stellte die Frage, ob der bisherige Weg der Kirche einem Leichenzug gleiche.

Empörung reicht weit "in den Kern unserer Gemeinden"

Nach Ansicht von ZdK-Präsident Thomas Sternberg hat es noch nie eine Situation gegeben, "in der die Empörung so weit in den Kern unserer Gemeinden reichte". Es sei höchste Zeit, dass die Bischöfe mit Blick auf notwendige Reformen "endlich vom Reden ins Handeln kommen". Hintergrund sind der Missbrauchsskandal und der Umgang der Bischöfe damit sowie der Jahrzehnte lange Reformstau in der katholischen Kirche.

Die Katholiken begrüßen das Angebot der deutschen Bischöfe, einen gemeinsamen "Synodalen Weg" zu initiieren, um über zentrale Reformthemen zu beraten. Das ist zum einen die Frage nach der Gewaltenteilung, der Ausübung von Macht und der Partizipation in der katholischen Kirche. Hier fordern die Gläubigen seit langer Zeit eine stärkere Beteiligung von Laien an Entscheidungsprozessen in der Kirche. Es geht aber auch um eine stärkere Gewaltenteilung bis hin zur Frage der Kontrolle über Bischöfe.

"Entwicklung des Lehramts durch Nichterwähnung"

Beim zweiten Themenkomplex geht es um eine Reform und Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral. Hier empfahl ZdK-Präsident Sternberg dem Lehramt "zu diesen Fragen einfach eine Zeit lang zu schweigen" und sich stattdessen auf die Kompetenz der Theologie sowie der Glaubens- und Lebenserfahrung der Gläubigen zu vertrauen. "Dann könnte es möglicherweise gelingen, im Bereich der Sexualmoral Vertrauen zurückzugewinnen", so Sternberg.

Der Berliner Theologe Andreas Lob-Hüdepohl verwies darauf, dass es unter Papst Franziskus bereits ein "Schweigen des Lehramts" etwa zum umstrittenen Verbot der künstlichen Empfängnisregelung gebe. Die Kirche kenne auch eine "Entwicklung des Lehramts durch Nichterwähnung", erklärte Lob-Hüdepohl.

"Weil die Musik in Berlin spielt"

Die Laien machten deutlich, dass sie sich nur an dem "Synodalen Weg" beteiligen, wenn es ein verbindlicher Prozess wird. Es müsse einen konkreten Fahrplan geben und klar formulierte Ziele. Am Ende müssten Veränderungen stehen. Damit möchten die Laien verhindern, dass sich der neue Prozess in einer reinen Diskussionsveranstaltung ohne Konsequenzen erschöpft, wie es beim letzten Gesprächsprozess der Fall war, der nach dem Aufkommen des Missbrauchsskandals in Deutschland im Jahr 2010 gestartet worden war. Anders als damals dürfe es dieses Mal keine Tabus geben. Dazu stellte Erzbischof Heße fest: "Ein solcher synodaler Weg macht nur Sinn, wenn keine Themen ausgeschlossen werden."

Bischöfe haben viel Vertrauen verspielt

Trotz dieser Aussage sind viele Laien skeptisch, dass wirklich alle Bischöfe hinter einem offenen Prozess stehen. Vor allem, wenn es um den Zölibat und die Frage nach Ämtern für Frauen geht. ZdK-Präsident Sternberg machte deutlich, dass er sich nicht von einzelnen kritischen Stimmen aus den Reihen der Bischöfe entmutigen lasse. Verbindlich sei die Aussage des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dass die Bischöfe einen gemeinsamen Prozess auf Augenhöhe möchten.

"Die Zukunft der Kirche im Land hängt davon ab, ob es gelingt, dass ZdK und Bischöfe auf Augenhöhe zusammenarbeiten können", betonte die rheinlandpfälzische Ministerpräsidentin und ZdK-Mitglied, Malu Dreyer. Kommt es am Ende nicht zu konkreten Reformen, wird der Schaden für die katholische Kirche groß sein. Aus Sicht der Laien steht mit dem "synodalen Weg" viel auf dem Spiel. Die Debatte in Mainz hat gezeigt, dass die Bischöfe mit ihrem Verhalten in den vergangenen Jahren viel Vertrauen verspielt haben, auch unter den engagierten Laien. Die wollen dennoch mit den Bischöfen über den Beratungsprozess verhandeln. Sollte man sich über die Spielregeln und konkreten Ziele einigen können, könnte der "Synodale Weg" zum 1. Advent starten.   

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