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Katholikentag in Münster - Mehr als Friede, Freude, Eierkuchen

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Flüchtlinge, Antisemitismus, Islam, Populismus - und über allem steht der Aufruf: "Suche Frieden". Stoff genug für einen Katholikentag mit viel Programm.

Katholikentag in Münster
Katholikentag in Münster
Quelle: reuters

70.000 Teilnehmer auf einem Katholikentag - das hat es schon lange nicht mehr gegeben. An diesem Himmelfahrtswochenende kommen sie in Münster zu einem großen Fest des Glaubens zusammen. Unter einem Motto, das alle vereinen und über die katholische Kirche hinaus wirken soll: "Suche Frieden".

Ganz konkret im Programmplan heißt Friedenssuche: Diskussionspodium mit der Bundeskanzlerin, Tretboot-Gottesdienst auf dem Aasee, meditatives Bogenschießen - der 101. Katholikentag bietet für jeden etwas. Die mehr als 1.000 Veranstaltungen locken einerseits Teilnehmer, andererseits lösen sie Kritik aus: Das Angebot sei zu groß und damit zu beliebig. "Der Katholikentag ist ein Spiegel der Vielfalt kirchlicher Angebote, der Spiegel einer sehr aktiven Kirche", entgegnet Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, ZdK.

Demo geplant

Diese aktive Kirche hat in Münster reichlich zu diskutieren: Wie kann Frieden erreicht werden, in einer Welt mit zunehmend irrationaler Politik? Wie umgehen mit Flüchtlingen, mit dem Islam was bedeutet wachsender Antisemitismus? Wo gehört das Kreuz hin? Und welcher Umgang mit den Populisten im Land ist angemessen?

Ausgrenzen sei jedenfalls nicht die richtige Antwort, findet das ZdK und hat den religionspolitischen Sprecher der AfD zu einer Podiumsdiskussion mit allen im Bundestag vertretenen Parteien eingeladen. Der Münsteraner Bischof Felix Genn betont, dass rechtspopulistische Parolen weder mit dem Christentum noch mit der Friedenssuche zu tun haben. Und doch müsse man Menschen zuhören, die auch in den Gemeinden vertreten seien - selbst wenn das nicht gefalle. Die, denen das nicht gefällt, haben bereits zu einer Demonstration am Samstag aufgerufen.

Zankapfel gemeinsame Kommunion

Weiterer Streit in der Kirche entzündet sich an der Frage, ob auch nichtkatholische Ehepartner zur Kommunion zugelassen werden sollen. Eine Mehrheit der deutschen Bischöfe wollte genau das, zumindest in Einzelfällen. Die Gegner schalteten den Papst ein. Franziskus beschied den deutschen Bischöfen jüngst "im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden" - vulgo: "Vertragt Euch!" Bischof Genn, einer der Gegner der gemeinsamen Kommunion, gibt noch praktisch zu bedenken: "Da steht jemand mit offenem Mund zum Empfang der Kommunion und der Pastor fragt ja nicht, welcher Konfession er angehört." Aber es geht eben um eine offizielle Handreichung und da ist Friedenssuche in Münster nötig.

Bundespräsident Steinmeier, als Protestant in einer konfessionsverschiedenen Ehe lebend, ermunterte die Bischöfe in seiner Eröffnungsrede zum Katholikentags auch gleich nochmal, den gemeinsamen christlichen Glauben auch durch gemeinsame Teilnahme an Abendmahl und Kommunion zum Ausdruck zu bringen. Die Suche nach Frieden in Münster, sie dürfte für die Katholiken mehr sein als "Friede, Freude, Eierkuchen".

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