Sie sind hier:

Deutsche Bischofskonferenz - Bischöfe machen Weg für Reformen frei

Datum:

Die katholischen Bischöfe haben den Weg für den geplanten Reformprozess freigemacht. Sie betonten aber, dass es in zentralen Fragen keine nationalen Alleingänge geben werde.

Jürgen Erbacher, Leiter der katholischen Kirchenredaktion im ZDF, sieht die Bischöfe dabei, einen "Dialog zu gehen und Reformen anzupassen". Beim "Synodalen Weg", einem "neuen Begriff", sollen Bischöfe und Gemeindemitglieder "gleichberechtigt" sein.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Selten wurde so intensiv bei einer Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz diskutiert. Das berichten übereinstimmend die Teilnehmer nach den Beratungen der vergangenen Tage. Es ging um das Verhältnis von Dogmatik und Pastoral, also der theologischen Lehre und der seelsorglichen Praxis, um das Verhältnis zwischen Tradition und Gegenwart, um die Frage, was ist unveränderlicher Kern des katholischen Glaubens und was kann verändert oder weiterentwickelt werden.

Alle für den "Synodalen Weg"

Am Ende stimmten alle 69 Bischöfe für den so genannten "Synodalen Weg". Der soll durch Reformen der katholischen Kirche zu neuer Glaubwürdigkeit verhelfen und wieder Vertrauen aufbauen zwischen Gläubigen und Amtskirche.

Uneinig blieben die Bischöfe bei der Frage, welches sind die Themen, über die diskutiert werden soll und wie sehen die Verfahren aus. Sollen Bischöfe und Laien bei Abstimmungen gleichberechtigt sein? Eine kleine Minderheit von Bischöfen sagt "nein", die große Mehrheit sagt "ja". Soll es in erster Linie um die Themen Glaubenskrise und Evangelisierung gehen oder auch um strukturelle Fragen.

Diskussionen ohne Tabus

Die Mehrheit der Bischöfe ist dafür, dass im Rahmen des "Synodalen Wegs" über die Themen Macht und Machtverteilung, Sexualmoral, priesterliche Lebensform und schließlich die Rolle der Frau in der Kirche diskutiert wird, ohne Tabus.

Die Bedenken aus Rom sehen die meisten deutschen Bischöfe als nicht stichhaltig. Sobald weltkirchliche Themen betroffen seien, werde man keine nationalen Alleingänge machen, sondern in Rom für Veränderungen werben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, betont auch immer wieder, dass jeder Bischof am Ende frei ist, in seinem Bistum die Beschlüsse des Synodalen Wegs umzusetzen oder nicht. Beide Punkte waren von Rom angemahnt worden.

Gläubige wollen Verbindlichkeit

Diese Einschränkungen sind für die Gläubigen allerdings nur schwer zu akzeptieren. Sie möchten eine möglichst hohe Verbindlichkeit des Reformprojekts. Die Bischöfe sind überzeugt, dass es trotzdem noch viel Spielraum gibt für Reformen etwa bei der Frage, ob Laientheologen in den Gottesdiensten predigen dürfen, ob Laien Gemeindeleitung übernehmen können oder bei der Bewertung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

Zudem zeigen sich die meisten deutschen Bischöfe entschlossen, bei den weltkirchlichen Themen ihre Stimme im Vatikan und beim Papst zu erheben und mögliche Voten des Synodalen Wegs, die etwa Reformen beim Zölibat oder den Ämtern für Frauen betreffen, selbstbewusst in Rom zu vertreten.

Reaktionen in Rom noch abzuwarten

Noch ist offen, ob der Vatikan erneut versuchen wird, den Prozess zu bremsen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ist überzeugt, dass er bei seinen Gesprächen im Vatikan in der vergangenen Woche die Vorbehalte ausräumen konnte. "Es gibt kein Stoppschild aus Rom für den Synodalen Weg und wir werden daher weitergehen", erklärte Marx zum Abschluss der Vollversammlung. 

Während sich die deutschen Bischöfe einstimmig für den "Synodalen Weg" ausgesprochen haben, gab es bei der Abstimmung der Statuten und den Themen mehrere Gegenstimmen. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer kündigte bereits an, dass er nach dem Start des Prozesses gegebenenfalls aussteigen werde, wenn die Gespräche aus seiner Sicht in die falsche Richtung laufen.

Auch der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki teilte mit, dass er mit den Themen und Statuten nicht einverstanden sei, sich dem Gespräch aber nicht verweigern wolle. Beide wollten eine stärkere Fokussierung des Reformprozesses auf die Glaubensweitergabe. Es gab in dieser Woche zwar eine Annäherung der Positionen innerhalb der Bischofskonferenz, aber Spannungen bleiben. Das ist eine Hypothek für den anstehenden Prozess, aber kein Hindernis.

Missbrauch: Viele Fragen offen

Gesprächsbedarf haben die Bischöfe noch bei der Neuregelung der Entschädigung von Opfern sexuellen Missbrauchs. Hier hat eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Bischöfen, Betroffenen und externen Experten Vorschläge erarbeitet. Diese sehen unter anderem vor, das statt bisher rund 5.000 Euro bis zu 400.000 Euro für erlittenes Leid gezahlt werden soll. Hier sind noch viele praktische und rechtliche Fragen offen.

Die Bischöfe wollten sich in dieser Woche auch nicht auf eine Entschädigungssumme festlegen. Doch die entscheidenden Weichen scheinen gestellt zu sein. Bis die Neuregelung konkret ausgearbeitet ist, wird es allerdings noch Monate dauern. Matthias Katsch, der als Sprecher der Opfervereinigung "Eckiger Tisch" an der Erarbeitung des neuen Konzepts beteiligt war, wertete die Debatte in Fulda positiv. Er zeigte sich optimistisch, dass es nun zu einer guten Lösung kommen werde.

In Fulda sind wichtige Entscheidungen gefallen. Die Neuregelung der Entschädigung für Missbrauchsopfer war nicht nur aus Sicht der Betroffenen längst überfällig. Die Entscheidung, am Synodalen Weg in der geplanten Form festzuhalten wird sicher im Verhältnis mit Rom zu weiteren Diskussionen führen, doch für die Gläubigen in Deutschland ist das ein wichtiges Signal, dass es der Mehrheit der Bischöfe ernst ist mit einem Dialog auf Augenhöhe und ohne Tabus.

Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Kirche und Leben/katholisch

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.