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Missbrauchstudie vorgestellt - Kardinal Marx: "Ich schäme mich"

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Den Opfern sei zu wenig zugehört, Missbrauch sei "vertuscht und geleugnet" worden. Das sagte Kardinal Marx bei der Vorstellung einer Untersuchung. "Ich schäme mich."

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz am 24.09.2018 in Fulda
Kardinal Reinhard Marx: Machtstrukturen in der Kirche haben Missbrauch begünstigt.
Quelle: dpa

Das Thema sei noch nicht überwunden, betonte der Münchener Erzbischof. Reinhard Marx bezeichnete die Veröffentlichung der Untersuchung als "wichtigen Tag für die Geschichte der Kirche in Deutschland". Sie sei vielleicht ein Wendepunkt für alles, was in der Zukunft beachtet und getan werden müsse, sagte der Kardinal. Es gehe um eine "Schuldgeschichte, die man nicht verdrängen kann".

Marx: Machtstrukturen in der Kirche haben Missbrauch begünstigt

Die Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" soll Aufschluss über das Ausmaß sexuellen Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche geben und aufzeigen, welche strukturellen Mängel zu massenhaftem Missbrauch führen konnten, wie er seit 2010 in kirchlichen Institutionen aufgedeckt wurde. Die Forscher fanden bei der Durchsicht von Akten der Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf Beschuldigungen von 1.670 Klerikern. Sie machten 3.677 Opfer aus.

Marx sagte, zur Aufarbeitung müsse noch mehr getan werden. "Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen. Wer schuldig ist, muss bestraft werden", betonte er. Der Münchener Erzbischof beklagte, dass zu lange zugunsten des Schutzes der Institution und von Bischöfen und Priestern weggeschaut worden sei. Zudem kritisierte er Machtstrukturen innerhalb der Kirche und einen Klerikalismus, "der Gewalt und Missbrauch begünstigt hat".

Forscher verteidigt Studie gegen Kritik

Aus Sicht des Mannheimer Psychiaters und Koordinators der Studie, Harald Dreßing, legt die Untersuchung nahe, dass es in der katholischen Kirche Merkmale und Strukturen gibt, die sexuellen Missbrauch durch Geistliche zumindest begünstigen können. "Dazu gehören der Missbrauch klerikaler Macht, aber auch der Zölibat und der Umgang mit Sexualität, insbesondere mit Homosexualität", sagte der Koordinator des Forschungskonsortiums bei der Vorstellung der Studie.

Eine nähere Beschäftigung mit diesen Strukturen und Themen sei aus seiner Sicht wichtiger als die Analyse der einzelnen Zahlen, die ohnehin nur "die Spitze eines Eisbergs" zeigen könnten.

Dreßing verteidigte zugleich die Studie gegen Kritik: Dass die Untersuchungen aus Datenschutzgründen anonym erfolgen mussten und dass es nicht möglich gewesen sei, alle Taten seit 1946 zu erfassen, sei von vornherein bekannt gewesen. Trotzdem hätten die Forscher viele wichtige Erkenntnisse zutage fördern können.

Auch habe die Bischofskonferenz als Auftraggeber den Forschern immer freie Hand gelassen, ergänzte Dreßing. Das gelte auch für die Präsentation und die Interpretation der Ergebnisse, die alleine von den Wissenschaftlern formuliert worden seien.

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