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Katholische Kirche - Missbrauchsskandal ohne Ende

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Die Meldungen über Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche reißen nicht ab. Papst Franziskus wird vorgeworfen, wenig Konsequenz zu zeigen.

Die heiligen Figuren auf dem Dach des Petersdom
Der Missbrauchsskandal erschüttert den Vatikan nun auch in seinem Zentrum. Quelle: imago

Die katholische Kirche kommt bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals nicht zur Ruhe. In Australien steht mit Kardinal George Pell einer der weltweit prominentesten und einflussreichsten Vertreter der katholischen Kirche im Zentrum eines Skandals. Heute hat die Justiz in Melbourne entschieden, Pell wegen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs den Prozess zu machen. Pell bestreitet die Vorwürfe. Erst vor zwei Wochen musste Papst Franziskus "schwere Fehler" im Umgang mit Missbrauchsfällen in Chile eingestehen.

Papst Franziskus machte zu Beginn seines Pontifikats deutlich, dass er die Null-Toleranz-Politik seines Vorgängers Benedikt XVI. gegenüber den Tätern fortsetzen möchte. Im Frühjahr 2014 richtete Franziskus eine Kinderschutzkommission ein. Sie sollte die römische Zentrale und die Bischofskonferenzen in aller Welt bei der Präventionsarbeit beraten. Kompetenzen im Bereich der Aufarbeitung von Altfällen hatte sie nicht. Die beiden in der Kommission vertretenen Missbrauchsopfer hatten sich vorzeitig aus dem Gremium zurückgezogen. Unter anderem warfen sie der Glaubenskongregation, die im Vatikan für Missbrauchsfälle zuständig ist, mangelnde Kooperation vor.

Neuer Anlauf der Kinderschutzkommission

Nach Ablauf des ersten Mandats der Kinderschutzkommission setzte der Papst im Februar 2018 die Kommission neu auf. Unter den 16 Mitgliedern sind erneut Opfer sexuellen Missbrauchs. Ziel ihrer Arbeit ist es, aus der Vergangenheit zu lernen, um künftig Missbrauch in der Kirche zu verhindern. Dabei geht es etwa um die Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und anderen kirchlichen Mitarbeitern. Die Kommission arbeitet eng mit dem Kinderschutzzentrum der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom zusammen. Neben den Seminaren in Rom bieten die Mitarbeiter des Zentrums in Ausbildungsstädten der katholischen Kirche in der ganzen Welt Präventionsprogramme an. Allerdings sind längst nicht alle Bischöfe und Ordensgemeinschaften von der Notwendigkeit solcher Maßnahmen überzeugt.

Das gilt besonders auch für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen. Während die Kirche in den USA, Irland, Australien oder dem deutschsprachigen Raum in den vergangenen Jahren wichtige Schritte vorangekommen ist, handeln viele andere Bischofskonferenzen und Ordensgemeinschaften noch immer zögerlich. So hat die italienische Bischofskonferenz erst im vergangenen Herbst eine Arbeitsgruppe gegen Kindesmissbrauch eingerichtet. Mit den Vorgängen in Chile und dem offenbar mangelnden Willen zur Aufarbeitung durch die lokalen Kirchenhierarchen erreichte der Missbrauchsskandal zu Beginn dieses Jahres Franziskus selbst.

Chile: Papst gesteht Fehler ein

Bei seinem Besuch in dem südamerikanischen Land verteidigte Franziskus Mitte Januar den Bischof von Orsono, Juan Barros, gegen Vorwürfe, er habe von den Übergriffen auf Minderjährige durch seinen geistigen Ziehvater und Priester Fernando Karadima gewusst. Es handle sich um "Verleumdungen", so der Papst gegenüber Journalisten. Diese Haltung sorgte für einen Aufschrei unter den Opfern. Franziskus sah sich gezwungen, einen hochrangigen Sonderermittler nach Chile zu schicken. Der sprach mit über 60 Opfern und legte dem Kirchenoberhaupt einen 2.300 Seiten umfassenden Bericht vor. Daraufhin musste Franziskus "schwere Fehler" in der Beurteilung der Lage in Chile eingestehen. Er bestellte die komplette Bischofskonferenz für Mitte Mai zum Rapport in den Vatikan und bat die Opfer um Entschuldigung.

Am vergangenen Wochenende traf er sich mit drei Vertretern der Opfer mehrfach zu stundenlangen Gesprächen im Vatikan. Die hoffen nun, dass Franziskus entschieden durchgreifen wird in Chile. Sie fordern aber auch, dass der Papst aus den Fehlern bei der Aufarbeitung in ihrem Heimatland für die gesamte Kirche lernt und endlich bei den strukturellen Ursachen für Missbrauch und Vertuschung ansetzt.

Wenig Konsequenz bei Missbrauchsfällen

Zwar hatte Franziskus im Juni 2015 angekündigt, ein Gericht für Bischöfe einrichten zu wollen, die sexuellen Missbrauch vertuscht haben. Doch ein Jahr später folgte ein päpstlicher Erlass, der zwar die Möglichkeit schuf, Bischöfe kirchenrechtlich zu sanktionieren, die im Kampf gegen sexuellen Missbrauch ihre Sorgfaltspflicht verletzten, doch von einem eigenen Gericht, das diese Fälle entscheidet, war keine Rede mehr.

Im Sommer 2017 hob Franziskus eine ursprünglich von ihm verfügte Strafmilderung für einen italienischen Missbrauchstäter auf und gestand ein, dass es ein Fehler war, in einem ersten Schritt gegen den Vorschlag der Glaubenskongregation eine Laisierung des betreffenden Priesters abgelehnt zu haben. Die Vorfälle ließen immer wieder Zweifel aufkommen, dass Franziskus beim Thema Missbrauch einen konsequenten Kurs verfolgt.

Justizermittlungen im Fall Pell

Angesichts der Ereignisse in Chile gerät die Causa Pell etwas in den Hintergrund. Während sich die Diskussionen in Australien aktuell ganz stark an der Personalie des mächtigen Kardinals festmachen, geht es in Chile um eine System- und Strukturfrage. Bei Pell hängt viel von den Ergebnissen der Justizermittlungen ab, die nicht in der Hand des Papstes liegen. In Chile ist das anders. Hier liegt alles in seiner Macht. Nachdem der Papst am Wochenende die Opfer gehört hat, wird er in wenigen Tagen mit den chilenischen Bischöfen beraten.

An seinem weiteren Handeln wird man dann messen können, wie konsequent er bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle wirklich handelt. Gerade die vergangenen Wochen haben wieder gezeigt, dass auch im Pontifikat von Franziskus der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche ein Dauerthema ist, auch wenn es in der Öffentlichkeit längst nicht mehr so präsent ist, wie in der Amtszeit seines Vorgängers.

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