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Treffen im Vatikan - Missbrauchsgipfel: Papst unter Druck

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Papst Franziskus hat zum Krisengipfel im Vatikan geladen. Dort werden 190 Teilnehmer über den Missbrauchsskandal und Schutz von Minderjährigen in der katholischen Kirche beraten.

Papst Franziskus hat zum Auftakt des Kinderschutzgipfels im Vatikan "konkrete und wirksame Maßnahmen" gefordert, um das "Übel" des sexuellen Missbrauchs zu bekämpfen.

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Papst Franziskus hat die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen weltweit sowie die Spitzen der katholischen Ostkirchen und Ordensgemeinschaften zu dem Krisengipfel in den Vatikan geladen. Die Themen: Der Missbrauchsskandal und der Schutz von Minderjährigen in der katholischen Kirche.

Mehr Konsequenz von Franziskus gefordert

Franziskus selbst steht dabei unter großem Druck. Zwar hat er seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren immer wieder betont, dass er die Null-Toleranz-Politik seines Vorgängers Benedikt XVI. fortsetzen will. Und er hat Missbrauch als ein schweres Verbrechen verurteilt, auch Vertuschung und Verschleppung der Aufarbeitung hat er den Kampf angesagt. Doch immer wieder kommen Zweifel auf, ob das Kirchenoberhaupt in der Praxis konsequent handelt.

Mehrfach musste er Fehler eingestehen. Betroffenenverbände werfen ihm vor, nicht entschieden genug zu handeln. Sie fordern etwa, Täter öffentlich aus ihren Ämtern zu entheben und Vertuschung klar beim Namen zu nennen. Mit Spannung werden daher die Ansprachen des Papstes bei dem Gipfel im Vatikan erwartet.

Doch Worte allein reichen den Betroffenen nicht aus. Franziskus muss weitere konkrete Maßnahmen vorstellen. Dabei geht es neben mehr Transparenz bei den Verfahren auch um die Frage, wie Bischöfe und Kardinäle zur Verantwortung gezogen werden.

Personelle Konsequenzen

Hier hat Franziskus kurz vor Beginn des Treffens ein Exempel statuiert. Am vergangenen Samstag gab der Vatikan bekannt, dass der ehemalige Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, von Franziskus aus dem Klerikerstand entlassen wurde. Der 88-Jährige war einst einer der einflussreichsten Kardinäle in der katholischen Kirche der USA und weltweit.

Jetzt hat ihn der Vatikan des sexuellen Fehlverhaltens mit Minderjährigen und Erwachsenen in Verbindung mit Machtmissbrauch für schuldig befunden, außerdem des Missbrauchs des Beichtsakraments. Bereits im vergangenen Juli hatte McCarrick seine Kardinalswürde verloren. Er ist der höchste Würdenträger der Neuzeit, der aus dem Priesterstand entlassen wurde.

Viele brisante Themen

Am Fall McCarrick wird deutlich, dass es längst nicht mehr allein um die Frage geht, wie die Missbrauchsfälle der Vergangenheit aufgearbeitet werden und die Präventionsarbeit verstärkt werden soll. Zunehmend stehen die systemischen Ursachen für Missbrauch in der katholischen Kirche im Zentrum der Diskussionen.

Zwar steht bei der aktuellen Tagung der Missbrauch an Minderjährigen im Mittelpunkt. Doch um die Diskussion über die Verteilung von Macht, den Zölibat und die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche kommen der Papst und die Bischöfe nicht herum.

Orden der Kirche in der Pflicht

Mit dem Treffen in Rom zwingt der Papst die katholische Kirche, sich weltweit mit dem Missbrauch zu befassen. Das Schweigen soll endgültig gebrochen werden. Erste Schritte sind bereits im Vorfeld erfolgt. Der Papst verpflichtete jeden Teilnehmer, sich vorher in seinem Heimatland mit Opfern zu treffen.

Zwei wichtige Weltdachverbände der Frauen- und Männerorden der katholischen Kirche haben am Dienstag öffentlich eigenes Versagen bei der Aufklärung eingeräumt. "Wir senken die Köpfe in Scham, dass Missbrauch in unseren Kongregationen und Orden stattgefunden hat", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Ordensverantwortlichen hätten "versagt, die Warnzeichen zu sehen oder diese ernst zu nehmen".

Es geht um die Glaubwürdigkeit

Für den Vatikan wird der Gipfel ein Erfolg, wenn alle Bischofskonferenzen und kirchlichen Institutionen weltweit den Ernst der Lage erkennen und konsequent handeln. Das ist bisher an vielen Stellen nicht der Fall.

Vor allem in den Ländern, in denen die Aufarbeitung bereits begonnen hat, wie Irland, Chile, die USA oder Deutschland, sind die Erwartungen höher. Hier wollen die Menschen Taten sehen und die Umsetzung konkreter Maßnahmen etwa im Umgang mit Verantwortlichen für Vertuschung und mangelnde Aufarbeitung. Für Papst Franziskus steht bei dem Gipfel viel auf dem Spiel. Es geht um seine eigene Glaubwürdigkeit und die der katholischen Kirche.

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