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Katholische Schulen schließen - Vorwürfe gegen die Kirche

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Die geplante Schließung mehrerer katholischer Schulen in Hamburg hat bundesweit für Empörung gesorgt. Ein Kritikpunkt: Die Kirche verliere so noch mehr Kontakt zu jungen Menschen.

Die katholische Kirche will bis zu acht ihrer 21 Schulen in Hamburg schließen. Grund sind die hohen Schulden des Erzbistums. Dabei wären viele Eltern bereit gewesen, den Erhalt über Spenden und Crowdfunding zu unterstützen.

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Wut, Enttäuschung, Trauer: Die geplanten Schulschließungen in Hamburg haben nicht nur in der Hansestadt eine Debatte über den Beitrag der katholischen Kirche zum Bildungswesen ausgelöst. Bundesweit fragen Bildungsexperten, Medien und Politik, welchen Stellenwert die 27 Bistümer ihren vielfach gelobten Schulen beimessen.

Hunderttausende Schüler an katholischen Einrichtungen

Nach wie vor ist die katholische Kirche der größte freie Schulträger in Deutschland. Im Schuljahr 2015/2016 besuchten rund 360.000 Schüler eine der 904 kirchlichen Bildungseinrichtungen mit ihren 32.000 Lehrern. Es ist eine vielfältige Schullandschaft: Katholische Schulen gibt es quer durch alle Schularten. Am häufigsten vertreten sind Gymnasien (217); es folgen Förderschulen (162), Berufs-/Berufsfachschulen/Fachoberschulen/Fachgymnasien (152), Realschulen (141) und Grundschulen (83).

Seit 2010 ist die Schülerzahl an katholischen Schulen bundesweit leicht um rund 12.000 zurückgegangen. Deutlich verringert hat sich die Zahl der Schulträger - und zwar von 350 auf 290. Die Orden, die teilweise seit Jahrhunderten Schulen betrieben haben, geben wegen Überalterung immer mehr Einrichtungen in die Hand der Diözesen und ihrer Schulstiftungen.

Marx: "Kernstück kirchlichen Lebens"

Die Bischöfe haben sich immer wieder zur Bedeutung katholischer Schulen bekannt. "Unser Engagement in unseren Schulen ist uns so wichtig, weil wir als Kirche eine Mitverantwortung für die Bildung und Erziehung junger Menschen haben", sagte der Schulbischof der Bischofskonferenz, der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, der "Welt". "Eltern müssen die Möglichkeit haben, für ihre Kinder eine Schule zu wählen, die ihrer religiösen Überzeugung entspricht." Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nannte 2016 beim Kongress katholischer Schulen die Einrichtungen "Kernstück kirchlichen Lebens".

In ihren im gleichen Jahr veröffentlichten Thesen bekennt sich die Kirche zur religiösen Dimension der Erziehung und Bildung. Katholische Schulen wollten zur Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen des Lebens anregen. Manche kirchlichen Schulen verstehen sich als Pioniere und Leuchttürme der Bildungslandschaft: So nehmen einige verstärkt Flüchtlingskinder auf, intensivieren den religiösen Dialog mit jüdischen und muslimischen Schülern oder sehen sich als Vorreiter in Sachen Inklusion.

Doch was sagt das konkret für das Erzbistum Hamburg? Erzbischof Stefan Heße warb am Wochenende noch einmal um Verständnis für die geplante Schließung von bis zu acht seiner 21 Schulen. Zur Abwendung größerer Schäden seien weitreichende Entscheidungen notwendig, heißt es in seinem Hirtenwort. Der am Freitag veröffentlichte Finanzbericht weist einen Fehlbetrag von 278 Millionen Euro aus.

Bundesweite Proteste

Doch die Proteste sind laut - auch bundesweit. Die Initiaitve "Wir sind Kirche" erklärte, wenn die Kirche sich schrittweise aus dem Bildungsbereich zurückziehe, werde sie den ohnehin schon geringen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen noch stärker schwächen. Zwar dürfe sie nicht die Augen vor finanziellen Realitäten verschließen. Jedoch sollten die Kriterien von Wirtschaftsexperten nicht die einzige Entscheidungsgrundlage sein. Es müsse über alternative Finanzierungsmodelle nachgedacht werden.

Die Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) zeigte sich entsetzt über die Hamburger Pläne. "Die Neuevangelisierung ist offenbar nur eine Worthülse", erklärte die Vorsitzende Marie-Theres Kastner. Sich dieser Chance durch Schulschließungen zu berauben "ist, als würde man sich selbst die Zunge herausreißen". Kastner forderte mehr Solidarität reicherer Bistümer, deren Vermögen sich auf mehrere Milliarden Euro beliefen. Schulbischof Becker gab sich bei diesem Thema schmallippig. Es gebe bereits seit der Wende "eine Grundsolidarität zwischen den Bistümern", sagte er im Interview. So hätten die ostdeutschen Diözesen einen jährlichen Strukturbeitrag von insgesamt 57 Millionen Euro erhalten, der bis 2020 linear auf 40 Millionen abgesenkt werde. "Die Verhandlungen eines Strukturbeitrages auch über das Jahr 2020 hinaus werden derzeit geführt", sagte Becker. "Weil genau dazu im Moment Gespräche geführt werden, lässt sich nicht mehr dazu sagen."

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