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Kauf-nix-Tag am Black Friday - Klicken, aber nichts kaufen

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Rabatte, Rabatte, Rabatte: Am Black Friday wird ordentlich geshoppt, erwartet werden Rekordumsätze. Wieder einmal. Konsumkritiker hingegen rufen zum Verzicht auf. Bringt das was?

Mehr Zeit für die neuen Online-Shopping-Regeln. Archivbild.
Kaufen oder nicht kaufen - das ist hier die Frage. (Archivbild)
Quelle: Arno Burgi/zb/dpa

Es ist so einfach: Da liegt man bequem auf der Couch, scrollt durch Instagram und findet das eine Paar Schuhe. Mit zwei Klicks ist es bestellt, in wenigen Tagen da. Das Lieblingsparfum ist leer? Kein Problem, zwei Klicks, gleich da. Ach, da war ja auch noch diese Handcreme, zwanzig Prozent Rabatt. Na, die nimmt man doch noch mit, ist ja ein Schnäppchen. Und so kommt es, dass der Paketbote fast öfter kommt als Freunde und die Papiertonne ständig mit Kartons verstopft ist. Was überspitzt klingt, kennen wohl viele, zumindest in Teilen.

In Deutschland wird immer mehr bestellt - und besonders viel am Black Friday. Der Schnäppchentag ist mittlerweile auch in Deutschland ein fester Bestandteil des Herbsts und für viele (vor allem Online-)Shopper ein wahrer Festtag: so viele Rabatte, so viele Schnäppchen. Immer mehr konsumieren, mehr besitzen - dazu gibt es mehr und mehr Kritik. Seit Jahren mehren sich Stimmen und Studien, dass vor allem die Bürger in westlichen, gut situierten Ländern über ihre Verhältnisse leben.

24 Stunden Konsumverzicht

Um dem etwas entgegenzusetzen, wurde der Kauf-nix-Tag (Buy nothing day) ins Leben gerufen. Am letzten Freitag bzw. Samstag im November (es gibt regionale Unterschiede) wird zu 24-stündigem Konsumverzicht aufgerufen. Er soll zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten und die weltweiten Auswirkungen anregen.

  • Sina-Marie Schneider

    "Gute Idee, kaufe aber ausgewählt"

  • Natalia Wenzel-Warkentin

    "Black Friday nicht mehr zeitgemäß"

Bereits seit 1992 gibt es den Anti-Konsum-Tag, ins Leben gerufen damals vom kanadischen Künstler Ted Dave. Seit 1997 gibt es ihn auch in Deutschland, sozusagen als vom Handel ungeliebter Stiefbruder des Black Friday. Aber wohl die wenigsten kennen ihn.

Der Black Friday hingegen ist ein internationales Phänomen, denn nicht nur in Deutschland wächst der Online-Handel stetig. Alleine am Singles Day, sozusagen dem asiatischen Black Friday, machte das chinesische Amazon-Pendant Alibaba 38,4 Milliarden Dollar Umsatz. An einem einzigen Tag.

Wirtschaftlicher Effekt spürbar?

Doch was bringt es, wenn Verbraucher sich dazu entscheiden, einen Tag lang nicht zu konsumieren - an einem Tag, an dem der Rest der Welt auf groß angelegter Schnäppchenjagd ist? Nicht viel, sagt Ulf Schrader, Professor an der TU Berlin.

Wenn der Tag bekannter wäre, wäre das anders: "Dann könnte ein solcher Tag schon eine breitere Auseinandersetzung mit dem Sinn und Unsinn von Produktneukäufen anregen", sagt Schrader, der das Fachgebiet Arbeitslehre/Ökonomie und Nachhaltiger Konsum an der TU leitet.

Doch momentan entfaltet der Tag kaum Wirkung. Auch beim Verband des Deutschen Einzelhandels klingt das ähnlich. Schon 2007 hieß es: "Wir haben noch nie irgendwelche Auswirkungen gespürt". Und heute? Erhebe man keine Daten darüber.

Einige Unternehmen gegen Black Friday

Über alledem steht die Frage, wie viel wirklich nötig ist: Wie viel müssen wir kaufen und besitzen? Vereinzelt finden sich Blogger oder Unternehmen, die beim Aktionstag mitmachen. Zu Konsumverzicht rufen die Unternehmen allerdings nur selten auf. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass Unternehmen, die auf Gewinne zielen, sich nicht die Umsätze eines Tages entgehen lassen.

Doch es gibt Ausnahmen: Das nachhaltige Modelabel Armedangels beispielsweise hatte sich zwar nicht am Kauf-nix-Tag beteiligt, sich am Black Friday im vergangenen Jahr aber dazu entschieden, einen Teil der Umsätze zu spenden. Der Shop des österreichischen fairen Modelabels Dariadeh ging 2017 für einen Tag offline, als Zeichen gegen den Black Friday. Und der Outdoorkleidung-Hersteller Patagonia schaltete 2011 eine Anzeige in der New York Times mit der Überschrift "Don't buy this jacket" (Deutsch: Kaufen Sie nicht diese Jacke), mit der es zu weniger Konsum aufrief.

Aufruf zum Konsumverzicht für grünes Image?

Allerdings sind das alles Unternehmen, die ohnehin bereits mehr im Sinne der Nachhaltigkeit agieren als der Durchschnitt. Konsequentes Handeln lässt sich bei den großen Unternehmen nicht unbedingt beobachten. Aldi beispielsweise wirbt mit vermeintlich nachhaltigen Schlafanzügen aus Bio-Baumwolle - und gleichzeitig dem "Black Thursday".

Für Ulf Schrader eine Möglichkeit, das Ansehen bei den Kunden zu erhöhen und eventuell auch den eigenen Anteil auf Märkten zu erhöhen, die eigentlich schrumpfen - Konsumverzicht und Nachhaltigkeit liegen eben gerade im Trend. Er wolle den Unternehmen aber nicht absprechen, dass es ihnen auch um die Sache gehen könnte.

Für Konsumkritiker soll es am Kauf-nix-Tag um anderes gehen: darum, den Wert der Dinge zu schätzen, Dinge zu reparieren, Dinge zu tun. Und wohl auch, sich bewusst zu machen, dass sie eben nur das sind - Dinge. Gänzlich auf Schnäppchen zu verzichten, muss deshalb aber nicht unbedingt sein. Wer mit nachhaltigem Bewusstsein gezielt Neues anschaffen will, dem ist es nicht verboten, auf aktuelle Preise zu achten.

Der Autorin auf Twitter folgen: @bunnytsukinoo

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