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Nahost-Konflikt - Kein Ende der Gewalt in Sicht

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Noch immer kein Anzeichen für ein versöhnliches Ende in Nahost: Palästinenser-Präsident Abbas bekräftigt das Ende der Sicherheitskoordination mit den Israelis. Deren Verteidigungsminister Lieberman zeigt sich unbeeindruckt. Die Hamas indes feiert den Angreifer auf eine israelische Siedlerfamilie als Helden.

Erstmals äußert sich Israels Ministerpräsident Netanjahu zur Tempelberg-Krise, ohne Lösungsvorschlag. Groß ist das Sicherheitsbedürfnis der Israelis nach den blutigen Auseinandersetzung um den Zugang zum Jerusalemer Tempelberg mit mehreren Toten.

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Kein Weiterkommen trotz Bemühungen beider Seiten, die Lage wieder zu entschärfen. Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte, Israel könne auch ohne die Sicherheitszusammenarbeit mit der palästinensischen Autonomiebehörde auskommen, die Palästinenser aber würden darunter leiden.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte sich mit mehreren meist arabischen Staaten darüber beraten, wie die Lage entschärft werden könne. Dann erklärte er, das von ihm am Freitag verkündete Einfrieren sämtlicher Beziehungen zu Israel schließe auch den Stopp der Sicherheitskoordination ein - was er zunächst noch offen gelassen zu haben schien.

Hamas gießt Öl ins Feuer

Diese Zusammenarbeit war eine der wenigen Konstanten in der zuletzt zunehmend feindseligen Haltung beider Seiten zueinander. Sie bezog sich auf das Westjordanland und richtete sich größtenteils gegen die den Gazastreifen kontrollierende radikalislamische Hamas.

Mit dem Abschalten dieses Kommunikationskanals könnten die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern schnell eskalieren, befürchten Beobachter. Der Chef der Hamas in Gaza, Ismail Hanijeh, goss derweil weiter Öl ins Feuer: Er bezeichnete den Palästinenser als "Helden", der am Sabbat in eine jüdische Siedlung im Westjordanland eindrang und drei Mitglieder einer Familie umbrachte, die die Geburt eines Kindes feierten.

Bei den blutigen Unruhen in der Region sind seit Freitag vier Palästinenser getötet und etwa 400 verletzt worden. Israelische Soldaten nahmen nach Medienberichten in der Nacht zum Sonntag 25 Palästinenser im Westjordanland fest. Eine Armeesprecherin bestätigte lediglich, es seien neun Mitglieder der radikal-islamischen Hamas inhaftiert worden.

Neue Überwachungskameras am Tempelberg

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte den Abriss des Hauses an, in dem der Angreifer wohnte. "Terror wird uns niemals besiegen", sagte er bei der Trauerfeier für den 70-jährigen Josef Salomon und dessen Tochter Tschaja und Sohn Elad.

Der israelische Minister für Öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan, ließ die Bereitschaft erkennen, auf die Metalldetektoren an den Zugängen zu den islamischen Heiligtümern auf dem Tempelberg zu verzichten. Deren Aufstellung hatte am Freitag Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften ausgelöst. Dabei wurden drei Palästinenser getötet und Dutzende verletzt. Erdan sagte, die Detektoren könnten wieder entfernt werden, wenn die Polizei ein alternatives Sicherheitskonzept habe. Das gebe es aber noch nicht. Zunächst wurden neue Überwachungskameras am Tempelberg installiert.

Israel hatte die Detektoren aufgestellt, nachdem Angreifer am 14. Juli am Tempelberg ein tödliches Attentat auf zwei Polizisten verübt hatten. Muslime werteten den Schritt als Versuch, die Kontrolle über ihre Heiligtümer auf der Hochfläche zu gewinnen, die auch Juden heilig ist, weil dort in der Antike deren Tempel stand.

Vereinte Nationen wollen deeskalieren

Der Mufti von Jerusalem, Scheich Mohammed Hussein, forderte eine Rückkehr zu den Sicherheitsprozeduren vor dem Attentat vom 14. Juli. Die muslimischen Autoritäten in Jerusalem, zu denen Hussein gehört, bekräftigten "die unbedingte Ablehnung der elektronischen Schranken und aller Maßnahmen der Besetzung". Für die religiösen Angelegenheiten auf der Anhöhe im Herzen Jerusalems sind laut einer Vereinbarung muslimische Autoritäten unter der Leitung Jordaniens zuständig, während Israel für die Sicherheit verantwortlich ist.

Angesichts des Streits kommt der UN-Sicherheitsrat am Montag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Das Treffen wurde von Frankreich, Schweden und Ägypten beantragt. Das Gremium will über Möglichkeiten zu einer Deeskalation des Konflikts beraten.

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