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Friedensnobelpreisträger - Kein Grab für den Dissidenten Liu Xiaobo

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Der Friedensnobelpreisträger und Dissident Liu Xiaobo ist eingeäschert worden. Seine Überreste wurden im Meer verstreut. Kritiker werfen Peking vor, damit die Erinnerung an Liu Xiaobo auslöschen zu wollen. An einer Grabstätte hätten sich womöglich Aktivisten versammeln und protestieren können.

Trauer um Liu Xiaobo

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Die Feuerbestattung fand am Samstagmorgen statt, wenige Stunden später verstreuten Angehörige des 61-Jährigen seine Asche im Meer, wie ein Sprecher der Stadt Shenyang erklärte. Dort war der an Leberkrebs erkrankte Liu am Donnerstag an Organversagen gestorben.

Vorwurf: Peking verhinderte Genesung

Anhänger Lius erklärten, mit der Einäscherung wolle die Regierung in Peking alle Spuren des bekanntesten politischen Häftlings des Landes tilgen. Außerdem gebe es so kein Grab, an dem Anhänger Abschied von ihm nehmen könnten. "Die Regierung denkt, dass sie so seinen Körper zerstören und alle Spuren von ihm auslöschen kann", erklärte der Dissident Hu Jia. "Er ist schließlich ein Friedensnobelpreisträger und er starb, nachdem die Behörden ihn unterdrückt haben." An einer Grabstätte könnten sich Aktivisten versammeln und daraus neuer Protest entstehen.

Ein Sprecher der nordostchinesischen Stadt Shenyang sagte, die Art der Bestattung entspreche "den Wünschen der Familie". Lius Anhänger wiederum kritisierten, dies könne nicht überprüft werden - schließlich verhinderten die Behörden strikt den Zugang zu seinen Familienangehörigen. Anders als von den Behörden verbreitet hätten Freunde Lius nicht an der Zeremonie teilnehmen dürfen.

Amnesty: Staatssicherheit war dabei

Lius älterer Bruder dankte der Kommunistischen Partei und der Regierung zwar für die Organisation der Bestattung. Der Bruder unterstützte nach Angaben von Anhängern Lius dessen politisches Engagement aber nicht.

Die Regierung hatte die Öffentlichkeit am Samstag über die Bestattung informiert und Fotos der Zeremonie veröffentlicht. An der Zeremonie nahmen demnach Lius Frau Liu Xia und weitere Angehörige teil. Der China-Experte der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Patrick Poon, sagte, es sei auch mindestens ein Offizier der Staatssicherheit dabei gewesen.

Freiheit der Witwe gefordert

Die Bilder  zeigen Lius Witwe Liu Xia, wie sie in einer Leichenhalle von ihrem Bruder und ihren Schwägern getröstet wird. Regierungen weltweit haben China aufgefordert, Liu Xia aus ihrem Hausarrest zu entlassen, unter dem sie schon seit Jahren steht, obwohl sie nie wegen einer Straftat verurteilt wurde. Ein Sprecher der Stadt Shenyang sagte, die Witwe sei frei.

Seit der Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 saß Liu Xiaobo mehrfach in Haft. 2009 wurde er wegen seiner Rolle in der "Charta 08"-Reformbewegung zu elf Jahren Haft verurteilt. Ein Jahr später erhielt er den Friedensnobelpreis, sehr zum Ärger der chinesischen Regierung. Er verbüßte zuletzt eine Haftstrafe von elf Jahren. Peking wird vorgeworfen, auf die schwere Krankheit des Häftlings nicht rechtzeitig und angemessen reagiert zu haben.

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