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Rohingya-Flüchtlinge - "Unterkünfte aus Plastikfolien und Bambus"

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Vor zwei Jahren begann die Vertreibung der Rohingya aus Myanmar. Die meisten leben unter schwierigen Bedingungen in Bangladesch - sogar ohne Trinkwasser, so "Ärzte ohne Grenzen".

Geflüchtete Rohingya in Bangladesh
Geflüchtete Rohingya in Bangladesch: Viele Familien leben in behelfsmäßigen Unterkünften.
Quelle: Help - Hilfe zur Selbsthilfe

"Wir hören immer wieder Geschichten von den Rohingya, die nach Hause wollen und von einer besseren Zukunft träumen, für sich und ihre Kinder. Sie wollen in Würde und unter Wahrung ihrer Rechte leben", erzählt Arunn Jegan. Der frühere Nothilfe-Koordinator von "Ärzte ohne Grenzen" kennt die Situation der Rohingya bestens. Ihn bedrückt, dass sie immer noch vor einer ungewissen Zukunft stehen.

Keine Bildung, keine Jobs, keine Ärzte

"Auch zwei Jahre nach dem Massenexodus der Rohingya nach Bangladesch bleibt ihre Zukunft ungewiss", kritisiert Jegan. "Sie haben keinen Rechtsstatus. Das schränkt sie ein bei der Ortswahl, bei der Bildung, bei Jobs und beim Arztbesuch." Die Rohingya seien "vollständig auf Gesundheitsdienste von Hilfsorganisationen in den Flüchtlingslagern" angewiesen. "Überfüllte und unhygienische Lebensbedingungen, kombiniert mit einer ungewissen Zukunft, haben direkte negative Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden."

Jegan räumt ein: Die Situation habe sich in den letzten zwei Jahren verbessert, etwa was die Grundversorgung oder Impfungen betreffe. Und dennoch fehle es an vielem, selbst an Trinkwasser. Auch die Unterkünfte seien oft provisorisch: "Die Flüchtlinge leben in minderwertigen Unterkünften aus Plastikfolien und Bambus in überfüllten und unhygienischen Lebensbedingungen", berichtet Jegan.

Psychische und psychiatrische Folgen

"Uns besorgt, dass eine umfassende medizinische Versorgung nicht überall verfügbar und für alle Flüchtlinge zugänglich ist", kritisiert Jegan. Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" setze sich dafür ein, ihnen einen einfachen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen zu ermöglichen. "Wir wollen, dass Rohingya-Mütter in Gesundheitseinrichtungen gebären. Aber wir wissen auch, dass viele Flüchtlinge Hausgeburten vorziehen." Um die Zahl von Todgeburten zu senken, arbeite "Ärzte ohne Grenzen" mit traditionellen Geburtshelfern zusammen. "Es geht darum, die Akzeptanz von Schwangerschaftsbetreuung, Gesundheitseinrichtungen und postnataler Pflege zu erhöhen."

So wichtig Medikamente und Essenslieferungen auch sind: Die Rohingya bräuchten vor allem eine verlässliche Perspektive. Viele hätten psychische oder psychiatrische Probleme. Doch die beste Therapie könne nur heilen, wenn sich die Lebensumstände der Rohingya verbessere – und sie wirklich nach vorne schauen könnten.

Flüchtlinge wollen nicht nach Myanmar zurück

Doch davon könne derzeit nicht die Rede sein, berichtet Jegan. An diesem Sonntag (25.8.) jährt sich der Beginn der Vertreibung der Rohingya aus Myanmar. Mehr als 700.000 von ihnen sind vor Gewalt, Mord und Vergewaltigung ins Nachbarland Bangladesch geflohen, doch noch immer fehlt eine Perspektive. So schwierig die Lebensbedingungen in Bangladesch auch sind: Die meisten sind froh, dem mordenden Mob in Myanmar entkommen zu sein.

Der Versuch, Rohingya-Flüchtlinge von Bangladesch zurück nach Myanmar zu bringen, ist gescheitert. Der zuständige Flüchtlingskommissar sagte, sie seien nicht bereit dazu.

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Erst vor ein paar Tagen ist eine geplante Rückführung der Rohingya nach Myanmar gescheitert. Keine der über 3.000 vorgesehenen Flüchtlinge war bereit, freiwillig zurückzukehren. Die Schrecken der Vergangenheit sitzen ihnen noch tief im Nacken. "Die Flüchtlinge sagen uns, dass sie sich Sorgen um ihre Sicherheit machen. Sie wollen auch die Frage der Staatsbürgerschaft geklärt haben und eine Zusicherung, dass sie sich frei bewegen können und Grundrechte gewahrt werden", sagt Caroline Gluck vom Flüchtlingshilfswerk UNHCR. "Der Aufbau von Vertrauen ist von wesentlicher Bedeutung."

Auch wenn die Situation festgefahren zu sein scheint: "Wir dürfen die Bemühungen um Lösungen nicht aufgeben. Das sind wir den Rohingya-Flüchtlingen schuldig, die uns fast alle sagen, dass sie nach Hause wollen", sagt Gluck. Bislang bleiben die Rohingya aber lieber unter schwierigen Bedingungen im sicheren Bangladesch als in ihre Heimat zurückzukehren. Denn die haben sie als tödliche Hölle verlassen müssen.

Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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