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Nach Präsidentschaftswahl - Kenia: Proteste und Streit über Hackerangriff

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Nach der Wahl in Kenia mehren sich die Sorgen vor größeren Unruhen. Während in Nairobi über einen mutmaßlichen Hackerangriff gestritten wird, weiten sich die Proteste aus. Die Opposition verlangt, dass ihr Kandidat Odinga zum Wahlsieger erklärt wird, obwohl vorläufige Ergebnisse Kenyatta vorn sehen.

In Kenia wächst nach der Präsidentschaftswahl die Angst vor Gewalt. Nach ersten Ergebnissen hätte Präsident Kenyatta gewonnen, sein Herausforderer Odinga aber wirft seinem Konkurrenten Wahlbetrug vor.

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Ein hochrangiges Oppositionsmitglied erklärte unter Verweis auf Daten der Wahlkommission, dass Oppositionsführer Raila Odinga die Wahl gewonnen habe. Die Opposition verfüge über sämtliche Daten von den Servern der Wahlkommission und diese zeigten, dass Odinga mehrere hunderttausend Stimmen Vorsprung vor dem amtierenden Staatschef Uhuru Kenyatta habe, sagte der frühere Vizeministerpräsident Musalia Mudavadi. Odinga müsse deshalb zum neuen Präsidenten Kenias erklärt werden. Es gebe einen "ernsthaften Versuch, die Endergebnisse entweder zu fälschen oder zu verändern", erklärte Mudavadi.

Wahlkommission: Kenyatta klar vorne

Die offizielle Wahlkommission widerspricht dieser Aussage deutlich: Vorläufige Ergebnisse, die die Kommission auf ihrer Webseite veröffentlicht hatte, zeigten nach der Auszählung von fast allen Wählerstimmen eine recht deutliche Führung für Kenyatta. Er hatte sich bei der Wahl um eine zweite Amtszeit beworben, Odinga galt wie schon 2013 als sein schärfster Konkurrent.

Rückendeckung bekommt die Kommission von den EU-Beobachtern vor Ort. Wahlbeobachter der Europäischen Union haben nach eigenen Angaben keine Belege für die Vorwürfe der kenianischen Opposition, bei der Abstimmung über das Präsidentenamt sei betrogen worden. Es gebe keine Anzeichen für eine "zentralisierte oder lokal begrenzte Manipulation", sagte die Leiterin der EU-Beobachtermission, Marietje Schaake.

Unruhen breiten sich aus

Oppositionsanhänger verbrannten am Donnerstag in dem Armenviertel Kibera in Nairobi Reifen und riefen Parolen, nachdem es Stunden zuvor bereits in einem anderen Slum, Kawangware, zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen war. Dort trugen Teilnehmer einen Verletzten weg, der nach ihren Angaben von Polizisten angeschossen worden war.

Auch anderswo gingen Anhänger der Opposition auf die Straße. Im Bezirk Garissa rund 370 Kilometer nordöstlich von Nairobi brach Gewalt aus, nachdem dort der Kandidat der Regierungspartei von Kenyatta zum Sieger einer Gouverneurswahl erklärt wurde. Brandstifter hätten Teile eines Marktes angezündet, sagte der für Nordostkenia zuständige Koordinator Mohamud Saleh. Die Polizei versuche, für Ruhe zu sorgen.

Diskussion über Hackerangriff

Zuvor hatte die Wahlkommission des ostafrikanischen Landes mitgeteilt, dass es bei der Präsidentschaftswahl tatsächlich zu einem Hackerangriff gekommen sei. Die Hacker hätten versucht, sich Zugang zur Datenbank der Wahlkommission zu verschaffen, seien dabei aber gescheitert, sagte der Leiter der Behörde, Wafula Chebukati, am Mittwoch.

Er bestätigte damit ein Stück weit Odingas Vorwürfe, der gesagt hatte, die Hacker hätten die Nutzerdaten des kürzlich ermordeten IT-Chefs der Wahlkommission verwendet, um sich Zugang zu deren Netzwerk zu verschaffen. Seinen Angaben zufolge wurde so auch die Wahl zugunsten von Kenyatta manipuliert.

Internationale Wahlbeobachter riefen die Kenianer auf, geduldig auf das Endergebnis der Wahl zu warten. Wann dieses veröffentlicht werden soll, war zunächst nicht bekannt. Chebukati sagte am Mittwoch, die Auszählung sei noch nicht abgeschlossen.

Nach der Wahl 2007, bei der Odinga ebenfalls verloren hatte, war es zu noch viel heftigeren Unruhen gekommen, die auch entlang ethnischer Bruchlinien verliefen. Damals kamen mehr als 1.000 Menschen ums Leben. Als Odinga 2013 gegen Kenyatta verlor, erhob er ebenfalls Betrugsvorwürfe, die der Oberste Gerichtshof dann aber zurückwies.

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