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KI auf dem Arbeitsmarkt - Wenn Roboter unsere Jobs übernehmen

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Die Zukunft der Künstlichen Intelligenz ist strahlend. Sie wird immer fähiger und könnte bald unsere Arbeit übernehmen. Doch was wird dann aus uns Menschen?

Ein Mitarbeiter der Dürr AG programmiert einen Sealing-Roboter
Ein Mitarbeiter programmiert Sealing-Roboter
Quelle: dpa

Der Automobilriese Volkswagen will bei seiner Kernmarke VW bis zu 7.000 Stellen bis 2023 streichen. Routineaufgaben, die bisher von Mitarbeitern erledigt wurden, sollen nämlich künftig automatisiert werden. Durch diese Maßnahme will Volkswagen seinem "strategischen Anspruch im Elektro-Zeitalter" gerecht werden, erklärt Finanzvorstand Arno Antlitz.

Meldungen wie diese sind Vorboten davon, was die Arbeitswelt in Zukunft erwartet. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) besteht bei 54 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland das Risiko, dass sie komplett verschwinden oder sich die Anforderungen verändern werden. Aber ist es wirklich realistisch, dass Künstliche Intelligenz (KI), Automatisierungen und Algorithmen uns Menschen komplett auf dem Arbeitsmarkt ersetzen werden?

Drei Trends für den Arbeitsmarkt der Zukunft

Philosophen und Zukunftsforscher sehen jedenfalls einen Wandel. Hauke Behrendt ist Technikphilosoph an der Universität Stuttgart. Er beobachtet drei Trends für den Arbeitsmarkt:

  • Eine neue Phase der Automation. Künstliche Intelligenz und Robotik übernehmen einen Großteil der Arbeitsaufgaben.
  • Einen verstärkten Einsatz der Mensch-Maschine-Interaktion. Mensch und Maschine arbeiten zusammen, etwa durch Assistenzsysteme mit Augmented-Reality-Elementen am Arbeitsplatz.
  • Eine Ausweitung des plattformbasierten Dienstleistungsektors. Algorithmen koordinieren und vermitteln Dienstleistungen und den Zugang zu Gütern auf virtuellen Marktplätzen, wie heute im Fall von Uber, Airbnb und Facebook.


Übernahme und Zusammenarbeit? Das klingt, als sei KI aus unseren Jobs bald nicht mehr wegzudenken. "Tatsächlich dominieren Befürchtungen, der Einsatz hochgradig vernetzter Maschinen könnte einen Großteil der Arbeitsplätze vernichten", sagt Behrendt. Bedrohte Berufe seien vor allem Telefonverkäufer und Büroangestellte, aber auch Piloten und Juristen. Diese Entwicklung könne man schon jetzt beobachten. Der Zukunftsforscher Michael Carl vom Think Tank 2b AHEAD ergänzt: "KI ist überall relevant, wo Menschen individuelle Lösungen suchen." Das reicht vom Steuerberater bis zur Kommunikationsbranche.

Wie Künstliche Intelligenz funktioniert, erfahren Sie in diesem Video:

Beitragslänge:
7 min
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Die Menschen werden weiter arbeiten

Diese Nachricht klingt erstmal beunruhigend. Doch nur weil KI bald ein fester Bestandteil unserer Arbeit ist, bedeutet das noch nicht, dass wir alle arbeitslos werden. Oliver Stettes, Arbeitsmarkt-Experte des Instituts der deutschen Wirtschaft, beobachtet keinen Arbeitsplatzabbau wegen KI und Co. "Ich bin optimistisch, dass wir am Ende des Tages keine massiven Beschäftigungsverluste durch künstliche Intelligenz erleiden."

Und auch der Zukunftsforscher Michael Carl glaubt nicht an eine zukünftige Massenarbeitslosigkeit: "Viele Menschen werden zwar nicht mehr wie heute arbeiten, aber sie werden weiterhin arbeiten. Nur die Tätigkeiten werden sich verändern." Es werde für mehr und mehr Menschen normal werden, im Arbeitsalltag mit Künstlicher Intelligenz zu tun zu haben. Und das alles binnen der kommenden fünf bis sechs Jahre.

Tatsächlich könnte KI dem Arbeitsmarkt ganz gelegen kommen, denn sie könnte für Entlastung sorgen. Das Problem in den kommenden Jahren sei laut Carl nicht, dass wir zu viele Arbeitskräfte hätten. "Unser Problem ist, dass wir viel zu wenige haben. Die Digitalisierung wird Arbeitsplätze kosten, aber das ist eine gute Nachricht. Es wird Druck vom Arbeitsmarkt nehmen, auf dem viel zu wenige qualifizierte Arbeitskräfte sind."

Kommt jetzt das bedingungslose Grundeinkommen?

Doch was ist, wenn einige bei dem Zusammenspiel von KI und Mensch auf der Strecke bleiben? Theoretiker fordern deshalb die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Diejenigen, deren Jobs vollständig von Maschinen übernommen werden, könnten so vor der befürchteten Nutzlosigkeit geschützt werden. Michael Carl findet die Idee nicht schlecht, aber überall da, wo sie ausprobiert wurde, gestalte sie sich als schwierig. "Man müsste beispielsweise das ganze Steuersystem radikal entschlacken. Darüber reden die Politiker seit ich denken kann, aber passiert ist es noch nie. Daher halte ich diese Idee nicht für sehr wahrscheinlich." Allerdings wäre denkbar, dass viele Menschen nicht mehr den ganzen Tag arbeiten werden.

Betroffene Arbeitskräfte könnten auch einen Nonprofit-Bereich aufbauen, der freiwillig und gemeinschaftsbezogenen funktioniert. Auch hierzu gibt es Theorien. "Diese Sichtweise ist vermutlich unrealistisch optimistisch", findet Behrendt. "Doch wenn man den Grundgedanken dahinter weiterspinnt, kann eine solche Entwicklung Sinn stiften und erscheint ökonomisch und sozial nachhaltig gestaltbar." Die Digitalisierung biete so auch große Potenziale, ganz neue soziale und ökonomische Grundlagen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens zu schaffen.

Keine Panik vor KI

Muss uns diese Zukunft voller Veränderung Angst machen? Alle drei Experten winken ab. Für Hauke Behrendt haben die Menschen immer noch ein Wörtchen mitzureden: "Wir haben es in der Hand, welchen Weg die Digitalisierung einschlägt und ob es uns gelingt, mit den Herausforderungen der Zeit sinnvoll umzugehen."

Im Laufe der 2020er Jahre könnten in Deutschland Millionen Arbeitskräfte fehlen, schätzt Michael Carl. In fünf Jahren werde deshalb keiner mehr vom Fachkräftemangel reden, sondern über Arbeitskräftemangel. "Für alle, die jetzt in ihr Berufsleben einsteigen, ist das eine wirklich gute Nachricht. Man wird dann aber nicht mehr 40 Jahre lang dasselbe machen. Wer das für seine Sicherheit braucht, der wird etwas lernen müssen. So etwas wird es selbst in Behörden nicht mehr geben."

Der Autorin auf Twitter folgen: @elisaempire.

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