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KI in der Kunst - Künstlerische Intelligenz

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Ai-Da ist höchst kreativ, ihre Werke werden in Oxford ausgestellt. Doch sie ist kein Mensch. Kann sie da Künstler sein? Mehr noch, sagen manche, KI wird die Branche verändern.

robot artist 'ai-da' sketches using a pencil attached to her robotic arm, while standing next to a painting based on her compute
Die Roboter-Künstlerin Ai-Da zeichnet mit einem Bleistift, der an ihrem Arm befestigt ist.
Quelle: reuters

Ai-Da malt, zeichnet, macht Skulpturen und Videos. In Oxford wird heute eine Ausstellung eröffnet, die ihre Kunst zeigt. Soweit nichts Besonderes. Doch die Künstlerin ist kein Mensch. Ai-Da ist ein humanoider Roboter mit künstlicher Intelligenz (KI). Das wirft für viele prinzipielle Fragen auf, etwa die, ob Roboter überhaupt Künstler sein können. Für Professor Holger Felten ist die Antwort klar: Faszinierend, ja. Kunst, nein.

Es fehlt die Seele

Die Kritik des Präsidenten der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg: "Es fehlt etwas ganz Entscheidendes: das Bewusstsein, die Seele und der menschliche Geist. Im künstlerischen Prozess geht es immer auch darum, emotionale, soziale oder gesellschaftliche Aspekte zu berücksichtigen und zu übersetzen. Das kann keine künstliche Intelligenz leisten, denn sie erstellt Werke nach bestimmten programmierten Vorgaben."

Malen wie Picasso, Komponieren wie Bach. All das ist für humanoide Roboter wie Ai-Da möglich. "Es bleibt jedoch auf der Ebene der Wiedergabe", betont Professor Holger Felten. "Algorithmen sind aber weder in der Lage, Ironie auszudrücken, sich selbst zu hinterfragen und Neues zu erschaffen, noch können sie bewusste oder unbewusste Entscheidungen treffen." Angst davor, dass menschliche Künstler eines Tages nicht mehr gebraucht werden, hat Professor Holger Felten deshalb nicht.

first robot artist unveiled
Werke des Roboters Ai-Da im Lady Margaret Hall College der Oxford Universität
Quelle: dpa

"Ein Algorithmus kann genauso kreativ sein, wie ein Mensch"

Für ihn ist Kunst mehr als die Farbe auf einer Leinwand oder aneinandergereihte Töne: "Kunst hat gesellschaftliche Relevanz, weil sie oft auch politisch ist und auf aktuelle Entwicklungen Bezug nimmt. Damit belebt sie den Diskurs. Subversive Kritik an der Kreuzfahrtindustrie zu üben, wie es unlängst der Streetart-Künstler Banksy in Venedig getan hat, werden Roboter mit künstlicher Intelligenz noch lange nicht können."

Für Bernd Flessner spielt es dagegen keine Rolle, ob ein Roboter den Pinsel führt oder eine menschliche Hand. "Wenn ein Kunstwerk für die Rezipienten, die ein Bild anschauen, ein Musikstück anhören oder ein Buch lesen, etwas aussagt, dann ist es Kunst, völlig unabhängig davon, wie sie entstanden ist", so der Erlanger Zukunftsforscher, der sich seit langem ausführlich mit der Frage befasst, inwieweit künstliche Intelligenz kreativ sein kein. Er ist überzeugt: "Ein Algorithmus kann genauso kreativ sein wie ein Mensch."

Das Ende der Schreibblockade

Die Vorteile liegen für Bernd Flessner, Mitarbeiter des Zentralinstituts für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikationen (ZiWiS) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), auf der Hand: "Anders als ein Mensch kennt ein Algorithmus keine Schreibblockade. Dank des Einsatzes von künstlicher Intelligenz lassen sich auch die unvollendeten Werke von Mozart und anderen Komponisten zu Ende führen", sagt Flessner. "Ein Drehbuchautor kann mit einem Klick verschiedene Varianten des möglichen Fortgangs der Handlung durchspielen."

Roboterhand zeichnet mit einem Bleistift
Roboter Ai-Da zeichnet mit einem Bleistift.
Quelle: dpa

Bernd Flessner wirbt deshalb dafür, künstliche Intelligenz nicht als Konkurrenz, sondern als Partner von Künstlern zu sehen, als Bereicherung und Ergänzung. Die Gefahr, dass dadurch womöglich Künstler aus Fleisch und Blut eines Tages überflüssig werden, sieht der Wissenschaftler, Schriftsteller und Kulturjournalist nicht. Vielmehr rät auch er zur Gelassenheit: "Wir Menschen werden weiterhin kreativ bleiben. Nur eben nicht unbedingt allein. Wir müssen als Gesellschaft und kulturell damit umgehen lernen."

Mensch und Maschine Hand in Hand

Künftige Einsatzmöglichkeiten von KI im kreativen Bereich sieht Bernd Flessner vor allem im Bereich der Serienproduktion, bei denen die Drehbücher fortan womöglich in der Hand von Algorithmen liegen: "Der Autor fungiert als Supervisor im Hintergrund, sieht sich die Ergebnisse an und greift nur noch punktuell ein. Im Bereich der bildenden Kunst werden in Ausstellungen sicherlich vermehrt die beiden Sichtweisen gegenübergestellt werden, wie ein Mensch und wie eine Maschine ein Objekt oder Bild darstellt." Bernd Flessner plädiert: "Bewahren wir uns eine kritische Neugier und sehen wir die künstliche Intelligenz als neues Ensemblemitglied."

Seinen Reiz hat das Thema auch für Professor Holger Felten. "Es ist künstlerisch natürlich interessant, dieses Phänomen einfließen zu lassen in die Arbeit", betont er. An seiner Hochschule, die 1662 als erste Kunstakademie im deutschsprachigen Raum gegründet wurde, stehen Programmierung und Coding bereits auf dem Stundenplan und gewinnen an Bedeutung in der Lehre. "Natürlich lehren wir diese neue Sprache und neue Ausdrucksform als künstlerische Option, aber niemals werden sie einen Künstler ersetzen können."

Vielseitiger Einsatz von Künstlicher Intelligenz

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