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Treffen in Wladiwostok - Kim braucht einen Erfolg

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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bringt eine lange Wunschliste zu seinem ersten Einzelgespräch mit Kreml-Chef Wladimir Putin mit - nach dem Trump-Reinfall will er einen Erfolg.

Kim Jong Un trifft am 24.04.2019 in Wladiwostok ein
Kim Jong Un in Wladiwostok: Seine Wunschliste ist lang
Quelle: ap

Trotz einer Beziehung, die bis zur Gründung Nordkoreas zurückreicht, waren Pjöngjang und Moskau nie besonders eng miteinander. Daher ist nicht ganz klar, wie weit Putin Kim entgegenkommen will oder kann. Hier ein Blick auf das, was Kim bei seinem Besuch herauszuholen hofft:

Gastarbeiter bringen Geld ins Land

Kim hat zwei dringende Sorgen: Mehr als 10.000 Nordkoreaner arbeiten noch in Russland, viele von ihnen in der Abholzungsindustrie im Osten Russlands. Ende des Jahres könnten sie aufgefordert werden, das Land zu verlassen, wenn eine UN-Sanktionsresolution aus dem Jahr 2017 in Kraft tritt. Die Arbeiter - früher waren es sogar 50.000 - sorgen mit ihren Einkommen für einen Geldfluss nach Nordkorea, den US-Behörden auf Hunderte Millionen Dollar schätzen, und den Kim gerne aufrechterhalten würde.

Außerdem könnte im kommenden Sommer eine Lebensmittelknappheit auf Nordkorea zukommen. Russland hat sich bereit gezeigt, humanitäre Hilfe zu leisten und erklärte im März, man habe mehr als 2.000 Tonnen Weizen in die nordkoreanische Hafenstadt Chongjin geschickt.

Nordkorea einseitig abhängig von China

Hinter der Entscheidung, Putin zu umwerben, steckt allerdings noch mehr. Trotz der Gespräche über Denuklearisierung mit Washington ist Kims primäre Sorge die Verbesserung seiner Wirtschaft. Nach einem Scheitern des Gipfels mit US-Präsident Donald Trump im Februar in Hanoi steckt er in einer ausweglosen Situation - die Trump-Regierung will die Sanktionen nicht erleichtern, das ist aber nötig, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen.

Nordkorea ist seit langem von China als primärem Handelspartner abhängig. Aber sich nur darauf zu verlassen und Peking einen derartig großen Einfluss zu geben, macht Pjöngjang nervös. Kim hat auch Seoul dazu gedrängt, an interkoreanischen Projekten teilzunehmen, um das Schienennetz und die am Boden liegende Infrastruktur zu verbessern. Seoul ist jedoch Washington gegenüber loyal, das Seoul davor gewarnt hat, die Sanktionen gegen Nordkorea zu umgehen.

Laut einem internen Dokument, das einem südkoreanischen Forscher vorliegt und in einer japanischen Zeitung in dieser Woche veröffentlicht wurde, will Kim den Handel mit Russlands Hilfe bis 2020 auf das Zehnfache steigern. Anders als China, das viele chinesische Geschäftsleute in Nordkorea hat, hat Russland dort nur wenig Einfluss. Beamte haben lange über große Projekte gesprochen - inklusive Zugstrecken nach Europa, oder Pipelines in Nordkorea - aber Putin hat wenig Interesse gezeigt, sie tatsächlich umzusetzen.

Kim will aus Isolation heraus

Das Treffen zwischen Kim und Putin am Donnerstag in der russischen Stadt Wladiwostok kommt erstaunlich spät. Beinahe anderthalb Jahre sind vergangen, seitdem Kim verkündet hat, aus der Isolation herauskommen zu wollen, die diplomatischen Beziehungen mit China und Südkorea zu erweitern und Denuklearisierungsgespräche mit Washington zu führen. Seitdem gab es vier Gipfel mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, drei mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In, und zwei mit Trump.

Die Gipfel haben viel dazu beigetragen, Kim als ernstzunehmenden Mitspieler auf der Weltbühne anzusehen. Aber der Gipfel in Hanoi hat seine Grenzen aufgezeigt. Er endete ohne Abkommen, weder zur Denuklearisierung, noch zur Aufhebung der Sanktionen, was jetzt vermutlich noch schwieriger wird, da beide Seiten sich stur zeigen.

Putin hat Erfahrungen mit Kim-Diktatur

Kims Entscheidung, sich mit Putin zu treffen, könnte das widerspiegeln. Putin hat mehr Erfahrung mit den Machthabern Nordkoreas als die meisten. Er besuchte Pjöngjang 2000 und traf Kims Vater, Kim Jong Il, 2001 in Moskau und 2002 in Wladiwostok. Moskau hat eine entscheidende Rolle gespielt, Kims Großvater Kim Il Sung an die Macht zu bringen und geholfen, das Land nach dem Koreakrieg 1950-53 wiederaufzubauen. Diese Verbindungen zerfielen jedoch mit dem Kollaps der Sowjetunion 1991.

Wie Kim ist Putin kein Freund der Sanktionen als politisches Druckmittel, die Washington nutzt. Sogar eine vorsichtige Solidaritätserklärung oder eine Zurückweisung der Politik des "maximalen Drucks" von Washington wäre ein Sieg für Kim. Aber Putin hat gute Gründe, vorsichtig mit jeder Art von Kommentar zu sein. Vor allem will er China nicht verärgern. Direkt nach dem Treffen mit Kim fliegt Putin nach Peking für ein internationales Treffen zu Chinas Handels- und Infrastrukturprojekt "neue Seidenstraße", das für Russland lukrativ sein könnte.

Wenn Putin sich entscheidet, sich hinsichtlich Nordkorea mehr zu engagieren, könnte das Washingtons Bemühungen um die atomare Abrüstung Nordkoreas erschweren. Putins Interesse ist wohl, den Einfluss Washingtons in der Region zu verringern. Und für Kim ergibt es Sinn, sich alle Optionen offen zu halten, da der Druck aus Washington in naher Zukunft wohl nicht nachlassen wird.

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