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Kinderarmut in Deutschland - Politik löst das Problem bisher nicht

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Mindestens jedes fünfte Kind wächst in Deutschland in Armut auf. Milliarden fließen in alle Familien. Trotzdem bleibt Kinderarmut mit 14,4 Prozent auf konstant hohem Niveau.

Kinderarmut in Deutschland (Symbolbild)
Kinderarmut in Deutschland (Symbolbild)
Quelle: dpa

Ein gesundes Aufwachsen ist das Recht eines jeden Kindes. Dieses Recht, so sagt die Armutsforscherin Sabine Andresen, von der Goethe Universität in Frankfurt am Main, werde aber millionenfach gebrochen: "Es ist ein Skandal, dass uns das Problem in all den Jahren zu wenig interessiert hat. Ich fordere, dass Politik konsequent von den Bedarfen aller Kinder her gedacht wird."

Über 2,7 Millionen arme Kinder

Etwa 2,7 Millionen Kinder wachsen in Deutschland in Haushalten auf, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens haben. Sie gelten per Definition als arm. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass diese Zahl wohl noch höher liegt. "Das Problem Kinderarmut, Armut von Familien ist größer als gedacht", erklärt Professor Dr. Martin Werding von der Ruhr-Universität in Bochum. "Etwa bei Alleinerziehenden. Da gingen wir von einem Armutsrisiko von 30 bis 40 Prozent aus, bei uns werden es 60 bis 70 Prozent". Werding berücksichtige erstmals die besonderen Belastungen von Alleinerziehenden, wie Scheidung, Betreuungszeiten der Kinder etc..

Dabei schüttet Deutschland jährlich schätzungsweise 200 Milliarden Euro für Familien aus. Es gibt 150 familienpolitische Leistungen. Ärmere Familien werden vor allem mit Geldleistungen unterstützt, wie Kinderzuschlag, Wohngeld, Bildungs- und Teilhabepaket. Eine Bürokratie, die Milliarden verschlingt. Trotzdem lebt jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut. Mit dem neuen sogenannten "Starke Familien Gesetz" soll sich dies ab Juli nun verbessern. 1,3 Milliarden Euro gibt der Bund noch einmal zusätzlich dafür aus. Bedürftige Familien müssen zudem nicht mehr so viele Anträge stellen. Ein bisschen mehr Geld und ein bisschen weniger Bürokratie.

Experten fordern Leistungen für alle Kinder

Doch für das Gesetz gibt es auch Kritik. Es wäre nur ein "Weiter so" in einem System, das nicht funktioniere, meinen Experten. Sie fordern eine totale Abkehr von den vielen familienpolitischen Leistungen, also eine Entbürokratisierung. Es müsste eine Leistung für alle Kinder her, erklärt Antje Funcke, Expertin für Kinderarmut bei der Bertelsmann Stiftung: "Der richtige Weg ist es, unbürokratisch Eltern Geld zu geben. Den Handlungsspielraum über das, was den Kindern ermöglicht werden soll, in die Familien zu geben und das nicht unnötig kompliziert zu machen". Eine Art Kindergrundsicherung also.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) wehrt die Kritik an ihrem sogenannten "Starke Familien Gesetz" ab. "Wenn man eine grundsätzliche Systemänderung möchte, braucht man dafür viel Zeit", erklärt sie. "Wir wollten aber nicht warten." Ihr Gesetz sei ein erster Schritt Richtung Kindergrundsicherung.

Eine Reform also, aber noch nicht der große Wurf. Dabei wäre es schon jetzt möglich, Kinderarmut wirkungsvoller in Deutschland zu bekämpfen, erklären Experten. Mit weniger Bürokratie und einer Leistung für alle Kinder, die auf ihre individuellen Bedürfnisse angepasst wird.

Kinderarmut liegt seit Jahren in Deutschland auf konstant hohem Niveau. Mindestens jedes fünfte Kind wächst arm auf. Dabei fließen viele Milliarden in die Unterstützung von Familien.

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28 min
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