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Kinder- und Jugendliteratur - Schriftstellerin Mirjam Pressler ist tot

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Sie war eine der erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Zudem übersetzte sie mehr als 300 Titel. Nun ist Mirjam Pressler im Alter von 78 Jahren gestorben.

Mirjam Pressler
Mirjam Pressler
Quelle: dpa

Die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Pressler ist tot. Nach langer, schwerer Krankheit sei sie am Mittwoch im Alter von 78 Jahren in Landshut gestorben, teilte die Verlagsgruppe Beltz in Weinheim mit. Die Autorin schrieb mehr als 30 Kinder- und Jugendbücher wie "Novemberkatzen" oder "Nathan und seine Kinder". Zudem übersetzte sie mehr als 300 Werke, darunter Romane von Zeruya Shalev oder Amos Oz. Auch die Tagebücher von Anne Frank hat sie aus dem Niederländischen ins Deutsche übertragen.

Kindheit in Pflegefamilie und Heim

Kurz vor Weihnachten hatte die Autorin das Große Bundesverdienstkreuz erhalten, wegen herausragenden Einsatzes für die Völkerverständigung insbesondere zwischen Deutschland und Israel und für die Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht. Dazu passt ihr letzter Roman: "Dunkles Gold" erscheint am 13. März und dreht sich um einen geheimnisvollen, jüdischen Schatz von Erfurt. Das Buch spanne einen Bogen von den mittelalterlichen Pestpogromen bis zu aktuellen antisemitischen Entwicklungen in Deutschland, so der Verlag.

Pressler baue Brücken zwischen Generationen und Kulturen, zwischen uns und unserer Geschichte, befand im Juni 2017 die Jury des Münchner Literaturpreises. In der Laudatio hieß es: "Ihre Geschichten sind Bestandsaufnahme dessen, was zunächst niemand wissen will." Sie handelten von Gewalt, Angst, Einsamkeit, Behinderung, Essstörung, Zerstörung. "Keine heile Welt, keine Fantasie- oder Fantasy-Welt, die als Setting für Kinder- und Jugendbücher so oft herhalten müssen, sondern Leben. Viel Leben."

Keine Traumwelten, sondern Realitäten

Pressler schrieb über das Leid, das der Nationalsozialismus über die Menschen brachte, ebenso wie über ihre persönliche Verbundenheit mit Israel und über Probleme von Kindern und Jugendlichen. Ihre Helden sind nicht strahlend und ohne Makel - sie sind Außenseiter, oft einsam und allein und sie haben es nicht leicht. "Es gibt sie nicht, diese heile Kinderwelt", konstatierte Pressler nüchtern. In ihren Büchern finden sich deshalb keine Traumwelten, sondern Realitäten. "Das ergibt sich auch aus meiner Biografie."

Sie wurde 1940 während des Zweiten Weltkriegs als uneheliches Kind einer Jüdin in Darmstadt geboren, wuchs in einer Pflegefamilie und im Kinderheim auf und kam mit elf Jahren ins Internat. Das Schreiben war eine Art Therapie. In der Tageszeitung "Welt" nannte sie es mal "die Erlösung des sprachlosen Kindes, das ich einmal war". Eine Kindheit ohne Bücher - für Pressler unvorstellbar. "Mir tut wirklich jedes Kind leid, das nicht liest. Wie sollen sie ein Bild von der Welt bekommen, wenn sie nicht lesen?", fragte sie. "Ich war immer eine leidenschaftliche Leserin und ich liebe Bücher."

Immer ein Buch vor der Nase

Zwischen 100 und 200 Exemplare verschlang sie pro Jahr. Immer ein Buch vor der Nase - so hielt sie es schon als kleines Mädchen, selbst beim Holzhacken, wie sie der "Welt am Sonntag" mal verriet. "Es gab einen Sägebock zum Holzsägen und einen Klotz, auf dem ich das Holz mit dem Beil klein hackte. Meine Bücher hatte ich auf den Sägebock gestellt - so konnte ich beim Hacken lesen."

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