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Urteile im "Elysium"-Prozess erwartet

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Kinderporno-Ring im Darknet - Urteile im "Elysium"-Prozess erwartet

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Sie haben schwerste sexuelle Misshandlungen von Kindern organisiert und müssen sich dafür verantworten. Heute fällt für die Betreiber der Kinderporno-Plattform Elysium das Urteil.

Nachdem die Kinderpornografie-Plattform "Elysium" zerschlagen wurde, beginnt heute der Prozess in Limburg.
Die Angeklagten des Kinderporno-Rings im Gericht in Limburg zum Prozess-Auftakt. (Archivbild)
Quelle: 18-1964274

Für die Prozessbeobachter waren die Schilderungen der Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft oft nur sehr schwer zu ertragen. Schwerste sexuelle Misshandlungen von Kindern hatte sie während der monatelangen Ermittlungen auf Bildern gesehen und berichtete nun darüber beim Gerichtsprozess im Limburger Landgericht.

Höchststrafe für 63-Jährigen gefordert

Dort warten die vier Betreiber der Kinderporno-Plattform "Elysium", die im Darknet betrieben wurde, heute auf ihr Urteil. Ein 58-jähriger Mann aus Baden-Württemberg soll der Initiator der Plattform gewesen sein, ein 41-Jähriger aus Limburg den Server in seiner Werkstatt errichtet haben. Ein weiterer Angeklagter aus Baden-Württemberg soll als "Moderator" die Chats der Nutzer von "Elysium" betreut haben.

Dasselbe wird einem 63-Jährigen aus Bayern vorgeworfen, der zudem zwei kleine Kinder missbraucht haben soll. Für ihn forderte die Generalstaatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vergangene Woche die höchste Strafe: neun Jahre mit anschließender Sicherungsverwahrung. Auch deshalb, weil der Mann wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern schon einmal im Gefängnis saß. Er sei für die Allgemeinheit gefährlich, sagte die Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft. Ein Rückfall sei sehr wahrscheinlich.

Mutter wusste über Missbrauch Bescheid

Vier und sechs Jahre alt waren der Junge und das Mädchen, die der Angeklagte aus Bayern sexuell missbraucht haben soll. Im Chat bei "Elysium" hatte er sich mit dem Stiefvater der Kinder verabredet und reiste schließlich zu ihnen nach Wien. Die Mutter der Kinder wusste über den Missbrauch Bescheid. Auch darüber, dass Ihr Mann den Sohn und die Tochter im Internet auch anderen Männern anbot. Jeder, der Interesse hatte, konnte in ihrer Wohnung  vorbeikommen und die Kinder sexuell missbrauchen.

Einen entscheidenden Hinweis auf die Täter in Österreich lieferte eine Lehrerin, die eines der Opfer erkannt hatte. Beamte zeigen den Lehrern regelmäßig Fotos mit sexuellen Missbräuchen von Kindern und bitten um Hilfe. Die Frau identifizierte eine ihrer Schülerinnen, das sechsjährige Mädchen. Ewald Ebner vom Bundeskriminalamt Österreich sagt, dass ihn der Fall sehr erschüttert habe. "Weil wir das in dieser Form noch nicht gehabt haben, dass die eigenen Eltern ihre Kinder wildfremden Menschen zu sexuellen Handlungen anbieten."

Ermittler knacken Verschlüsselung

Grausige Taten, bei denen sich die Männer im sogenannten Darknet, in dem die Plattform "Elysium" betrieben wurde, sicher fühlten. Denn dank einer hochwirksamen Verschlüsselungstechnik ist hier ein nahezu anonymer Austausch möglich. Der User hinterlässt keine IP-Adresse.

Screenshot einer Login-Seite der Kkinderpornografie-Plattform "ELYSIUM"
Screenshot einer Login-Seite der Kinderpornografie-Plattform "Elysium": Wegen des Einsatzes der Ermittler konnte die Plattform nach einem halben Jahr Betrieb geschlossen werden.
Quelle: dpa

Doch Fahnder wie Markus Koths, Leiter der Abteilung Cybercrime beim Bundeskriminalamt, sind den Tätern auch im Darknet auf der Spur. "Wir haben technische Ermittlungsinstrumente, wir haben moderne Ermittlungsinstrumente auf der Höhe der Zeit. Und wir nutzen klassische Ermittlungsinstrumente, dazu gehört beispielsweise auch der Einsatz von verdeckten Ermittlern, die im Darknet und im Internet unterwegs sind. Das heißt, niemand kann sich im Internet sicher sein, wem er gegenüber sitzt", so Koths.

Wohl auch deswegen konnte "Elysium" nach einem halben Jahr Betrieb geschlossen werden. Auch wenn der entscheidende Hinweis von Ermittlern in Australien kam. Die Ermittlungen nach den Tätern laufen weltweit. Daran beteiligt sind unter anderem die europäische Polizeibehörde Europol, Behörden in Österreich, Italien, Neuseeland und Australien.

"Dreiste" Aussagen der Angeklagten

Die vier Angeklagten in Limburg waren zwar am Ende geständig, hatten sich aber während des Prozesses oft abstrus herausgeredet. Einer behauptete etwa, er sei nur in der Kinderporno-Plattform unterwegs gewesen, um später das Material den Sicherheitsbehörden zuzuspielen. Ihnen habe er helfen wollen. Sehr dreist finde sie das, sagte dazu die Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft.

Wie abscheulich "Elysium" war, zeigt sich auch an der Auswahl, die der Nutzer auf der Plattform hatte. Um zu den Fotos zu gelangen, konnte man zwischen Babys und Kleinkindern, Teenagern und Jugendlichen wählen. Allen Fotos gehen grausame sexuelle Kindesmisshandlungen voraus. Das jüngste Opfer von "Elysium" war zwei Jahre alt.

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