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Flüchtlinge - Kirchen dringen auf Familiennachzug

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Die beiden großen Kirchen haben die Regierung dazu aufgerufen, den ausgesetzten Familiennachzug für Flüchtlinge wieder zu ermöglichen. Ohne Familie sei Integration nicht möglich.

Archiv: Flüchtlinge demonstrieren am 08.11.2017 vor dem Innenministerium in Berlin
Flüchtlinge demonstrieren am 08.11.2017 vor dem Innenministerium in Berlin Quelle: dpa

Es sei schlecht für die Integration der Menschen, wenn sie sich die ganze Zeit über Sorgen um ihre Verwandten in der Heimat machen müssten, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in NDR Info. Auch Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch sprach sich für einen verbesserten Familiennachzug aus.

Familiennachzug "sehr gut verantwortbar"

Bedford-Strohm unterstrich: "Es sind auch so begrenzte Zahlen, dass das auch sehr gut verantwortbar ist." Zwar könne kein Land unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen. Doch wenn die Menschen nach Europa kämen, müsse Europa als Kontinent mit 500 Millionen Einwohnern "auch Teil sein der großen Solidarität weltweit", sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Gerade zu Weihnachten verdienten alle Menschen in Not Aufmerksamkeit.

Für Flüchtlinge mit dem eingeschränkten subsidiären Schutzstatus ist der Familiennachzug noch bis März ausgesetzt. Die Union will diese Aussetzung verlängern, was die SPD aber ablehnt. Die Frage dürfte eine zentrale Rolle in den anstehenden Sondierungsgesprächen zwischen CDU, CSU und SPD spielen.

Auch Erzbische Koch für Familiennachzug

Auch Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch, der die Kommission Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz leitet, sprach sich für einen verbesserten Familiennachzug für Flüchtlinge aus. Er halte diesen für unbedingt notwenig, sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Am Freitagabend hatte das ARD-Hauptstadtstudio über ein richtungsweisendes Urteil zum Familiennachzug von minderjährigen Flüchtlingen berichtet.

Das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts war demnach überraschend rechtskräftig geworden, weil das Auswärtige Amt eine bereits eingereichte Berufung zurückgezogen hatte. Konkret ging es um einen inzwischen 16-jährigen Flüchtling aus Syrien. Ihm sei nun umgehend der Nachzug seiner Eltern und Geschwister zu ermöglichen, so das Gericht, obwohl ihm nur der subsidiäre, also eingeschränkte, Schutz zuerkannt worden sei. Für diese Gruppe ist der Familiennachzug bis März 2018 ausgesetzt.

Der Jugendliche war dem ARD-Bericht zufolge im Sommer 2015 mit einem älteren Cousin nach Deutschland gekommen und hatte deutliche Anzeichen einer schweren Traumatisierung gezeigt. Sein Vormund hatte demnach mehr als zwei Jahre versucht, eine Härtefallentscheidung zu erwirken, wurde aber vom Auswärtigen Amt immer wieder abgewiesen. Die Richter erkannten darin nun einen schweren Verstoß gegen das Kindeswohl.

"Angesichts der Zahlen ein sehr kleiner Streit"

Erzbischof Koch räumte im "Tagesspiegel" ein, dass es natürlich Missbrauch geben könne, wenn ein Kind alleine losgeschickt werde, damit die Familie nachkommen kann. "Aber Integration ohne Familie wird nicht gelingen", fügte er hinzu. Dies gelte umso mehr angesichts der Bedeutung, die Familie in den Herkunftsländern der Menschen habe - "häufig eine viel höhere als bei uns". Koch sagte weiter: "Auch angesichts der Zahlen finde ich, ist das ein sehr kleiner Streit." Angesichts der stark gesunkenen Flüchtlingszahlen könne mit solchen Fragen "wieder gelassener" umgegangen werden, sagte der Berliner Erzbischof.

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